Olympia unter dem Eiffelturm: Die Spiele von Paris werden auch ein Mega-Event für den Einsatz von digitalen Technologien.

Olympia unter dem Eiffelturm: Die Spiele von Paris werden auch ein Mega-Event für den Einsatz von digitalen Technologien. (Bild: Olympia 2024 Paris)

Olympia mal zwei: Digital Twins

Im Maschinenbau sind digitale Zwillinge schon Alltag - mit den olympischen Spielen in Paris sollen die Digital Twins auch ins Scheinwerferlicht großer Sportereignisse treten.  Für die Planung der Spiele wurden von den Sportstätten digitale Abbilder erstellt, um Themen wie die Platzierung von Kameras, die Steuerung der Zuschauerströme oder die Ausleuchtung von Zufahrten zuvor simulieren zu können. Dafür kommt bei Paris 2024 die Digital-Twin-Software des britischen Unternehmens OnePlan zum Einsatz. Als Hardware werden die jüngsten Prozessortechnologien von Intel wie die Xeon Scalable processors and Intels ARC A770 GPUs genutzt.

Damit ist es etwa möglich, die geplante Eiffelturm-Arena für Beachvolleyball für 12.860 Zuschauer im sogenannten "Venue Twin" vorab zu simulieren und alle Aspekte des Betriebsplans von Sicherheitsmaßnahmen bis zur Servicepersonalplanung für diese Arena zu simulieren und zu visualisieren, wie die folgende Bildergalerie zeigt:

Sicherheit: die neue Königs-Disziplin bei Olympia

Nicht nur rund um den Eiffelturm sind in Paris viele Überwachungskameras zu finden. Während der olympischen Spiele werden deren Bilder von KI-Algorithmen ausgewertet. Dafür wurde extra ein Gesetz verabschiedet.
Nicht nur rund um den Eiffelturm sind in Paris viele Überwachungskameras zu finden. Während der olympischen Spiele werden deren Bilder von KI-Algorithmen ausgewertet. Dafür wurde extra ein Gesetz verabschiedet. (Bild: Stock.Adobe.com -Gamut)

Großereignisse wie die olympischen Spiele sind immer auch potenzielle Anschlagsziele. Laut Medienberichten plant die französische Regierung während der Olympiade eine umfassende, KI-basierte Videoüberwachung, um mögliche terroristische Aktivitäten frühzeitig erkennen zu können.

Laut einem extra für diese Sicherheitsmaßnahme verabschiedeten Gesetz darf die Künstliche Intelligenz auf eine Reihe definierte Ereignisse in den Video-Streams mit Warnungen reagieren:

  • Menschenansammlungen
  • ungewöhnlich große Menschenmengen
  • zurückgelassene Gegenstände
  • das Vorhandensein oder die Verwendung von Waffen
  • eine Person am Boden
  • ein ausbrechendes Feuer
  • Verstöße gegen die Verkehrsregeln

Dabei lassen sich pro Kategorie bestimmte Grenzwerte definieren, etwa ab welcher Zahl von Personen eine "ungewöhnlich" große Menschenmenge beginnt. Eine Gesichtserkennung soll dabei nur in Ausnahmefällen zulässig sein.

HELMA-P: Laserbasiertes Drohnenabwehrsystem.
HELMA-P: Laserbasiertes Drohnenabwehrsystem. (Bild: Cilas)

Eine besonders große Bedrohung sehen die Sicherheitsbehörden offenbar in einem möglichen Angriff mit Drohnen. Bestimmt Ereignisse während der olympischen Spiele sollen daher mit dem Laser-basierten Drohnenabwehrsystem HELMA-P geschützt werden. Das Akronym steht für High Energy Laser for Multiple Applications – Power. Das vom Unternehmen Cilas entwickelte Drohnenabwehrsystem verfügt über einen 2-Kilowatt-Laser. Feindliche Drohnen bis zu einem Gewicht von 25 Kilogramm sollen aus einem Kilometer Entfernung erkannt und abgeschossen werden können.

Olympische IT: schneller, höher, weiter

Insgesamt werden bei den Olympischen Spielen in Paris mehr als 12.000 vernetzte Displays, 13.000 Computer und 400.000 Kilometer an Glasfaserkabel zum Einsatz kommen, so Bruno Marie-Rose, Chief Information and Technology Officer für Paris 2024.

 

Die IT-Infrastruktur für olympische Spiele wird schon seit Jahrzehnten vom französischen IT-Dienstleister Atos bereit gestellt. Die Eröffnung des Technology Operations Center (TOC) für Paris 2024 war daher quasi eine Art "Heimspiel". Im TOC arbeiten auf 610 Quadratmetern rund 70 Mitarbeiter, die von dort aus mehr als 2000 IT-Experten von insgesamt 15 Technologiepartnern koordinieren.

Das TOC stellt die IT-Ausrüstung bereit, um die Durchführung der Wettbewerbe und die Bereitstellung der Ergebnisse zu ermöglichen. Zudem unterstützt Atos die 60 Venue Results Managers des TOC. Diese sind für die korrekte Erfassung und Veröffentlichung von Leistungsdaten und Statistiken im Olympic Diffusion System (ODS) verantwortlich.

Atos wird diese Daten innerhalb eines Zeitrahmens von 0,35 Sekunden bekannt geben, damit sie auf den Webseiten des Wettbewerbs und anderen Medien veröffentlicht und von sämtlichen Geräten, einschließlich Desktops, Smartphones und Tablets, abgerufen werden können. Das Commentator Information System (CIS) wird beispielsweise Sportjournalisten mit Daten versorgen, unabhängig davon, ob sie live vor Ort in Paris oder in ihrem Heimatland sind.

Bereits Ende April 203 hatte die Testphase der IT-Infrastruktur begonnen. Bis zum Start der Spiele waren 250.000 Stunden für das Testing der mehr als 150 Anwendungen geplant. Die Zahl der physischen Server hat Atos dabei zugleich im Vergleich zu früheren olympischen Spielen mehr als halbiert.

Einen Blick in das TOC ermöglicht das folgende Youtube-Video:

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Smart City für smart Olympics

Das ALERT-IoT-System von Fluidion überwacht kontinuierlich die Wasserqualität der Seine und ermöglicht so olympische Schwimmwettbewerbe in dem früher stark verschmutzen Fluss.
Das ALERT-IoT-System von Fluidion überwacht kontinuierlich die Wasserqualität der Seine und ermöglicht so olympische Schwimmwettbewerbe in dem früher stark verschmutzen Fluss. (Bild: Fluidion)

Bei seiner Bewerbung für die olympischen Spiele 2024 hat Paris das Thema Smart City in den Mittelpunkt gestellt. Ein Beispiel dafür ist die Überwachung der Wasserqualität der Seine. Seit 1923 war aufgrund der Verunreinigung des Wassers ein Badeverbot in der Seine in Kraft. Für Paris 2024 werden nun bestimmte Abschnitte des Flusses für Schwimmwettkämpfe genutzt und 2025 soll die Seine allgemein wieder für das Baden freigegeben werden. Dafür notwendig war zum einen bessere Ableitung und Wiederaufbereitung von Abwässern aus Häusern und Booten entlang des Flusses und zum anderen eine kontinuierliche Überwachung der Wasserqualität.  Dafür kommt eine IoT-Lösung des Unternehmens Fluidion zum Einsatz.

Weitere Smart City Initiativen in Verbindung mit Olympia 2024:

  • Smart Buildings: Zur Steuerung von Menschenmassen werden Gebäude mit automatischen Türen ausgestattet, die sich je nach Andrang schneller oder langsmaer öffnen, um den Besucherstrom zu kanalisieren.
  • Proximity Marketing: Olympia-Besucher bekommen ortsbasierte Push-Nachrichten auf ihre Handy, etwa Echtzeit-Informationen über die Wartezeiten an bestimmten Orten.
  • Multimodaler Nahverkehr: Keine der Sportstätten ist direkt mit dem Auto erreichbar, gleichzeitig erfordert die Anreise mit Öffentlichen aber die Kombination mehrerer Verkehrsmittel. Das sollen Apps erleichtern, die etwa die Echtzeitpositionen von Bussen anzeigen.

Der Autor: Peter Koller

Peter Koller
(Bild: Anna McMaster)

Gelernter Politik-Journalist, heute News-Junkie, Robotik-Afficionado und Nerd-Versteher. Chefredakteur des Automatisierungsmagazins IEE. Peter Koller liebt den Technik-Journalismus, weil es das einzige Themengebiet ist, wo wirklich ständig neue Dinge passieren. Treibstoff: Milchschaum mit Koffein.

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