Humanoide Robotik für Industrie und Logistik

Wandercraft plant Millionenserie

Mit humanoider Robotik will Wandercraft zum Weltmarktführer aufsteigen. Zwölf Industriekunden sind bereits gewonnen, Renault plant 350 Roboter für 2027. Ein neuer Standort in Paris soll die Serienfertigung beschleunigen.

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Der humanoide Roboter Calvin von Wandercraft kann Lasten von bis zu 40 kg heben und soll schwere, repetitive Tätigkeiten in Industrie und Logistik übernehmen. Dank Physical AI arbeitet er autonom und lässt sich in bestehende Produktionsanlagen integrieren.
Der humanoide Roboter Calvin von Wandercraft kann Lasten von bis zu 40 kg heben und soll schwere, repetitive Tätigkeiten in Industrie und Logistik übernehmen. Dank Physical AI arbeitet er autonom und lässt sich in bestehende Produktionsanlagen integrieren.

Das französische KI- und Robotikunternehmen Wandercraft treibt die Industrialisierung seiner humanoiden Robotik voran. Mit dem autonomen Roboter Calvin-40 will der Hersteller seine Physical-AI-Technologie in die industrielle Praxis überführen und langfristig zum Weltmarktführer für humanoide Roboter aufsteigen. 

Die kommerzielle Entwicklung nimmt nach Unternehmensangaben Fahrt auf: Innerhalb von weniger als einem Jahr hat Wandercraft Verträge mit zwölf großen Industriekunden geschlossen. Zu den Partnern zählt die Renault Group, die bereits 2027 in einem ersten Schritt 350 humanoide Roboter einsetzen will.

Parallel baut Wandercraft seine Fertigungskapazitäten aus. Am 5. Oktober 2026 eröffnete das Unternehmen einen neuen Hauptsitz in Paris, an dem Forschung, Entwicklung, Produktion und Wartung zusammengeführt werden.

Was kann der humanoide Roboter Calvin-40?

Im Mittelpunkt der Industrialisierungsstrategie steht Calvin-40. Der autonome humanoide Roboter wurde für körperlich anspruchsvolle und repetitive Tätigkeiten in Industrie und Logistik entwickelt. Er kann Lasten von bis zu 40 kg heben und soll insbesondere dort eingesetzt werden, wo Arbeitsplätze schwer zu besetzen sind. Calvin arbeitet ohne menschliche Fernsteuerung. Seine technischen Grundlagen basieren auf der zwölfjährigen Erfahrung von Wandercraft in der Entwicklung von Exoskeletten. Zur technischen Ausstattung gehören 3D-Bildverarbeitung, autonome Navigation und adaptive Regelung. Damit kann der Roboter seine Umgebung erfassen und seine Bewegungen an unterschiedliche Arbeitssituationen anpassen.

Zu den vorgesehenen Anwendungen zählen das Bewegen von Kartons und Kisten, die Handhabung schwerer Lasten sowie der Materialtransport zwischen Arbeitsstationen. Eine künftige Version soll eine Traglast von 50 kg erreichen. Ein wichtiger Aspekt für den industriellen Einsatz ist die Integration in bestehende Produktionsumgebungen. Laut Wandercraft lässt sich Calvin in vorhandene Anlagen einbinden, ohne deren Infrastruktur verändern zu müssen.

Der Hersteller verfolgt damit das Ziel, Beschäftigte von körperlich belastenden Tätigkeiten zu entlasten und Kapazitäten für Aufgaben freizusetzen, die ihre Fachkompetenz erfordern.

Renault unterstützt die Industrialisierung

Calvin basiert auf der proprietären Physical-AI-Plattform von Wandercraft. Die Zusammenarbeit mit der Renault Group soll die Industrialisierung des Roboters und den Aufbau einer Fertigung mit hohen Stückzahlen beschleunigen. Der geplante Einsatz von zunächst 350 Robotern bei Renault im Jahr 2027 ist dabei ein wesentlicher Schritt. Nach Angaben des Unternehmens zeigt der industrielle Einsatz bereits das Potenzial der Technologie unter realen Produktionsbedingungen.

Matthieu Masselin, CEO und Mitgründer von Wandercraft, unterstreicht die Wachstumsambitionen: „In unserem angestammten Markt sind wir heute weltweit führend. Jetzt skalieren wir, um auch in der humanoiden Robotik die weltweite Nummer eins zu werden: mit zwölf namhaften Großkunden, die wir in weniger als zwölf Monaten gewonnen haben, und 350 humanoiden Robotern, die im kommenden Jahr zum Einsatz kommen.“

Wie will Wandercraft eine Million Roboter fertigen?

Mit seinem neuen Hauptsitz in Paris schafft Wandercraft zusätzliche Voraussetzungen für den industriellen Hochlauf. Der am 5. Oktober 2026 eingeweihte Standort umfasst insgesamt 4.300 m² und vereint Forschung und Entwicklung, Produktion sowie Wartung. Für die Montage, Lagerung und Wartung der Roboter stehen 800 m² zur Verfügung. Die angegebene Produktionskapazität beträgt einen Roboter pro Stunde.

Die langfristigen Ambitionen reichen allerdings deutlich darüber hinaus: Wandercraft hat sich zum Ziel gesetzt, jährlich eine Million humanoide Roboter zu produzieren. Um diese Größenordnung zu erreichen, setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf eine souveräne, überwiegend europäische Fertigung, die zugleich international wettbewerbsfähig sein soll. Der neue Standort und die Partnerschaft mit Renault bilden zentrale Bestandteile dieser Industrialisierungsstrategie.

Übernahme von Ekso Bionics stärkt Marktposition

Neben der humanoiden Robotik baut Wandercraft auch sein angestammtes Geschäft mit medizinischen Exoskeletten aus. Am 1. Oktober 2026 gab das Unternehmen die Übernahme von Ekso Bionics bekannt. Damit wird Wandercraft nach eigenen Angaben zum Weltmarktführer für medizinische Exoskelette. Die Akquisition stärkt insbesondere die Präsenz in den USA und erweitert die technologische Expertise des Unternehmens. Das Anwendungsspektrum reicht von der klinischen Rehabilitation bis zur Unterstützung der persönlichen Mobilität im Alltag.

Ein Beispiel dafür ist das Exoskelett Eve, das Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind, bei der Fortbewegung zu Hause unterstützen soll. Mit Atalante X und EksoNR verfügt das Unternehmen zudem über zwei etablierte Systeme für die medizinische Rehabilitation. Zusammen kommen diese in mehr als 700 Rehabilitationszentren weltweit zum Einsatz.

Die Erfahrungen aus dem Exoskelettgeschäft bilden zugleich die technologische Grundlage für den Ausbau der humanoiden Robotik. Mit Calvin und dem geplanten Produktionshochlauf will Wandercraft diese Kompetenzen nun verstärkt in industrielle Anwendungen übertragen.

Was Sie zum Thema humanoide Robotik wissen müssen

• Was plant Wandercraft im Bereich humanoide Robotik? 
Das französische Unternehmen will zum Weltmarktführer aufsteigen und langfristig eine Million humanoide Roboter pro Jahr produzieren.

• Welche Aufgaben übernimmt humanoide Robotik mit Calvin-40? 
Calvin-40 hebt Lasten bis 40 kg, transportiert Materialien zwischen Arbeitsstationen und übernimmt schwere, repetitive Tätigkeiten in Industrie und Logistik.

• Welche Rolle spielt Renault bei der humanoiden Robotik von Wandercraft? 
Renault will 2027 zunächst 350 Calvin-Roboter einsetzen. Die Partnerschaft soll außerdem die Industrialisierung und Großserienfertigung beschleunigen.

• Wie baut Wandercraft seine Produktionskapazitäten für humanoide Robotik aus? 
Am neuen Hauptsitz in Paris stehen 800 m² für Montage, Lagerung und Wartung zur Verfügung. Die Produktionskapazität liegt bei einem Roboter pro Stunde.

• Welche Technologie steckt hinter der humanoiden Robotik von Wandercraft? 
Calvin nutzt eine proprietäre Physical-AI-Plattform mit 3D-Bildverarbeitung, autonomer Navigation und adaptiver Regelung. Dadurch kann der Roboter ohne menschliche Fernsteuerung arbeiten.