Das Jahr 2018,

Die digitale Transformation ist ein Thema, mit dem sich 2018 nicht nur Entwickler und Ingenieure auseinandersetzen müssen - es wird vielmehr eine Führungsaufgabe. (Bild: Pixabay)

Die Schlagworte für 2018: Digitale Transformation, Plattformökonomie und künstliche Intelligenz. Doch wer glaubt, allein mit der Formulierung technischer Lasten- und Pflichtenhefte seine Hausaufgaben für dieses Jahr bereits erledigt zu haben, irrt gewaltig. Ist doch längst nicht mehr die technologische Umsetzung die größte Herausforderung, sondern die Dynamik der anstehenden Veränderungen. Das Unternehmen und die Köpfe der Mitarbeiter auf diese Beschleunigung einzustellen, wird vielmehr zur Führungsaufgabe Nummer 1.

„Die Regeln des digitalen Zeitalters sind in den Köpfen der meisten Führungskräfte noch immer nicht wirklich angekommen“, sagt Wilhelm Goschy, COO bei Staufen. So hatte der von der Unternehmensberatung erhobene „Deutsche Industrie 4.0 Index“ jüngst ergeben, dass nicht einmal jeder fünfte Manager hierzulande mit einem Angriff auf das eigene Geschäftsmodell innerhalb der nächsten zwei Jahre rechnet. „Die allgemeine Angst vor disruptiven Bedrohungen ist zwar bereits viel größer, aber im eigenen Hause wähnt man sich immer noch in Sicherheit und hält an überholten Innovations- und Produktzyklen fest“, so Staufen-Vorstand Goschy.

Auch der Zukunftsforscher Lars Thomsen vom Think-Tank future matters wundert sich über die anhaltende Trägheit in den Führungsetagen: „Vielleicht liegt es daran, dass jeden Tag viele Veränderungen in kleinen Schritten auf den verschiedensten Ebenen erfolgen und daher zunächst unterschätzt werden. Dabei hat allein das Thema künstliche Intelligenz die dreifache Dynamik des Internets.“ Seine Prognose: „Schon in zehn Jahren werden die Menschen lieber 20.000 Euro für einen privaten Roboter ausgeben als für ein neues Auto.“

Vergleichbare Umbrüche dürften sich auch auf dem Feld der Plattformökonomie zeigen. „Noch sind es vielfach die Platzhirsche der Produktionstechnik, die hier ihre Claims abstecken. Dass dieser Bereich aber auch künftig wie selbstverständlich von den alten Industriegrößen dominiert wird, ist eher unwahrscheinlich“, erwartet Thomas Rohrbach, Geschäftsführer von Staufen Digital Neonex.

„Die gesamte Diskussion dreht sich hauptsächlich um die Produktionshalle, Effizienz und Kostensenkung. Doch wenn man in den etablierten Unternehmen nicht selbst die neuen Ideen und Geschäftsmodelle entwickelt, dann werden das andere übernehmen“, ist Digitalisierungs-Experte Rohrbach überzeugt. Noch scheint der Leidensruck nicht groß genug zu sein: Laut der aktuellen Staufen-Studie glauben acht von zehn Unternehmensvertretern, Plattformen würden in den kommenden zwei Jahren keine Rolle für sie spielen. Bezogen auf einen Zeitraum von fünf Jahren – eine digitale Ewigkeit – sind es immer noch rund 50 Prozent.

Zeit aufzuwachen

Dass digitale Transformation und künstliche Intelligenz erhebliche Umbrüche in den Unternehmen auslösen werden, steht außer Frage. Auch das generelle Verständnis von Wirtschaft, Wertschöpfung und Arbeit steht vor einem tiefgreifenden Wandel. „Solche Verwerfungen sind sicher geeignet, große Ängste auszulösen. Den Kopf in den Sand zu stecken und zu hoffen, die Entwicklung werde schon irgendwie am eigenen Betrieb vorbeigehen, ist aber keine zukunftsfeste Lösung“, mahnt Staufen-COO Goschy.

„Wer die gesellschaftliche und wirtschaftliche Erneuerung mitgestalten möchte, muss aus der Passivität erwachen und die Führung eines Unternehmens nicht als das Verteilen technischer Anleitungen begreifen. Führung bedeutet im Jahre 2018, seine Mitarbeiter so fit zu machen, dass diese erstens besser auf die Beschleunigung von Veränderungen reagieren und zweitens selbst eine größere Dynamik und damit Innovationskraft entwickeln können.“ jl

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