Robotersicherheit von TÜV Süd und Accenture              

Physical AI Safety Suite soll Roboter absichern

Die Physical AI Safety Suite von TÜV Süd und Accenture soll die Sicherheitszertifizierung industrieller Roboter beschleunigen. Digitale Zwillinge und NVIDIA-Technologien könnten die Inbetriebnahme um bis zu 30 % verkürzen.

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Mithilfe von digitalen Zwillingen, KI-Agenten und Simulationen soll die „Physical AI Safety Suite“ von TÜV Süd und Accenture die Automatisierung von Fabriken und Lagern beschleunigen.
Mithilfe von digitalen Zwillingen, KI-Agenten und Simulationen soll die „Physical AI Safety Suite“ von TÜV Süd und Accenture die Automatisierung von Fabriken und Lagern beschleunigen.

TÜV Süd und Accenture wollen die Sicherheitszertifizierung industrieller Automatisierungssysteme mithilfe von NVIDIA-Technologien beschleunigen. Auf der NVIDIA GTC Berlin 2026 zeigten die Unternehmen ein gemeinsames Konzept für die „Physical AI Safety Suite“. Ziel ist es, physische KI-Systeme wie autonome mobile Roboter (AMR) schneller und sicherer in Fabriken und Lagern einzusetzen. Wie die Unternehmen mitteilen, sollen digitale Zwillinge, KI-Agenten und simulationsgestützte Prüfverfahren die bisher teilweise manuellen Zertifizierungsprozesse ergänzen. Damit könnten Hersteller und Betreiber automatisierter Anlagen Sicherheitsanforderungen bereits in frühen Entwicklungsphasen berücksichtigen.

Warum die Zertifizierung von Physical AI Zeit kostet

Für den sicheren Betrieb automatisierter Anlagen gelten etablierte Industriestandards. Dazu zählt unter anderem die ISO 3691-4, die Sicherheitsanforderungen für fahrerlose Flurförderzeuge und entsprechende Systeme einschließlich autonomer mobiler Roboter definiert. In zahlreichen Industrieländern ist eine Zertifizierung nach einschlägigen Normen erforderlich, bevor automatisierte Anlagen in Betrieb genommen werden dürfen. Auch in Märkten mit freiwilliger Zertifizierung gilt die Einhaltung anerkannter Industriestandards als bewährte Vorgehensweise.

Die Abstimmung, Validierung und Abnahme von Sicherheitskonzepten kann jedoch erhebliche Zeit beanspruchen. In einem mittelgroßen Produktionswerk dauern diese Prozesse mitunter mehrere Wochen. Genau hier setzt die Physical AI Safety Suite an. Das Konzept soll die Erstellung von Sicherheitsnachweisen vereinfachen und Zertifizierungsprozesse durch virtuelle Prüfungen beschleunigen.

Digitale Zwillinge sollen Inbetriebnahme beschleunigen

Ein wesentlicher Bestandteil der Physical AI Safety Suite ist die teilweise Digitalisierung bislang manueller Begutachtungen. Digitale Zwillinge und KI-gestützte Simulationen sollen sowohl die Bewertung von Anlagen und Ausrüstung als auch die Zusammenstellung von Zertifizierungsunterlagen unterstützen. TÜV Süd schätzt, dass sich die Inbetriebnahme durch den digitalen Prozess um bis zu 30 % beschleunigen könnte.

Dabei sollen physische Abhängigkeiten reduziert werden, etwa von bereits installierten Anlagen oder Vor-Ort-Besichtigungen. Gleichzeitig könnten Engineering-Teams mögliche Sicherheitsprobleme früher erkennen und beheben. Das soll insbesondere kostspielige Nacharbeiten vermeiden, die andernfalls erst während der Inbetriebnahme oder im laufenden Betrieb notwendig würden. Die unabhängige Bewertung und Zertifizierung verbleiben dabei vollständig in der Verantwortung von TÜV Süd.

Wie funktioniert die Physical AI Safety Suite?

Das Konzept basiert auf drei miteinander verbundenen Prüfebenen. Sie berücksichtigen sowohl das gesamte Anlagenlayout als auch das Zusammenspiel von Roboterflotten und die Sicherheit einzelner Maschinen.

Für die virtuellen Prüfungen kommen mehrere NVIDIA-Technologien zum Einsatz, darunter Omniverse, die Weltmodellplattform Cosmos und das Robotik-Framework Isaac Sim.

Die drei Ebenen sollen unterschiedliche Sicherheitsfragen beantworten und die für eine Zertifizierung erforderlichen Nachweise systematisch vorbereiten.

Ebene 1: Sicherheitsprüfung des Anlagenlayouts

Auf der ersten Ebene untersucht die Physical AI Safety Suite, unter welchen Bedingungen physische KI-Systeme sicher in bestehende oder neu geplante Produktionsumgebungen integriert werden können. Mithilfe von NVIDIA Omniverse, Cosmos und Isaac Sim lassen sich Anlagenlayouts virtuell bewerten. Dabei werden unter anderem Fahrwege, Freiräume, gemeinsam genutzte Verkehrsflächen und Kooperationsbereiche zwischen Menschen und Robotern untersucht. Die Simulationen erfolgen, bevor Roboter tatsächlich eingesetzt oder Anlagenlayouts verändert werden.

Aus den Ergebnissen entsteht ein strukturiertes Nachweispaket für die Prüfung durch TÜV Süd. Dieses berücksichtigt unter anderem Anforderungen an Betriebsbereiche, Gefahren- und Risikominderung, Roboterintegration sowie sicherheitsrelevante Steuerungssysteme.

Ebene 2: Wie werden Roboterflotten sicher integriert?

Die zweite Prüfebene konzentriert sich auf das Zusammenspiel mehrerer Roboter innerhalb einer Anlage. Hier simuliert die Physical AI Safety Suite das Verhalten ganzer Roboterflotten. Ziel ist es, betriebliche Einschränkungen und potenzielle Gefahren bereits vor dem produktiven Einsatz zu erkennen. Ein mögliches Risikoszenario ist das Einklemmen von Mitarbeitern durch autonome mobile Roboter.

Während des laufenden Betriebs sollen zusätzlich NVIDIA Halos und die Edge-KI-Plattform NVIDIA IGX Thor zum Einsatz kommen. Damit lassen sich potenziell gefährliche Situationen erkennen, die außerhalb des unmittelbaren Sichtfelds einzelner Roboter liegen. Eine wichtige Rolle übernehmen KI-Agenten, die auf Grundlage des NVIDIA Halos Outside-In Safety Blueprint entwickelt werden. Sie nutzen Informationen von Kameras, die innerhalb der Anlage installiert sind. Dadurch erweitert sich die Wahrnehmung einzelner Roboter über ihre eigenen Sensoren hinaus.

Auf dieser Grundlage können Roboter autonom Schlussfolgerungen ziehen und entsprechend handeln. Flottenmanagementsysteme sollen dadurch früher auf kritische Situationen reagieren können. Das Konzept zielt somit sowohl auf eine höhere Betriebssicherheit als auch auf effizientere Abläufe innerhalb automatisierter Produktions- und Lagerumgebungen.

Ebene 3: Virtuelle Sicherheitstests einzelner Roboter

Die dritte Ebene betrachtet die Sicherheit einzelner Roboter unter konkreten Einsatzbedingungen. Auch wenn ein Roboter sämtliche geltenden Produktvorschriften erfüllt, muss seine Sicherheit für die vorgesehenen Betriebsbedingungen nachgewiesen werden. Dazu gehören beispielsweise Belastung, Geschwindigkeit, Bodenbeschaffenheit und Beleuchtung.

Mit NVIDIA Isaac Sim und Cosmos soll die Physical AI Safety Suite zahlreiche zertifizierungsrelevante Szenarien erzeugen und virtuell testen. Der Vorteil liegt in der Anzahl und Vielfalt der möglichen Prüfungen. Die Simulationen können auch Situationen berücksichtigen, die sich bei realen Tests praktisch nicht vollständig abbilden lassen.

Engineering-Teams sollen dadurch beispielsweise bereits vor dem Bau eines physischen Prototyps untersuchen können, wo Sicherheitssensoren optimal positioniert werden müssen. Die virtuelle Absicherung ergänzt damit die Prüfung realer Einsatzbedingungen und soll sicherheitsrelevante Entwicklungsentscheidungen früher ermöglichen.

Physical AI Safety Suite soll Zertifizierung vereinfachen

Mit dem auf der NVIDIA GTC Berlin 2026 vorgestellten Konzept verbinden TÜV Süd und Accenture die virtuelle Absicherung industrieller Automatisierung mit etablierten Zertifizierungsprozessen. Die Kombination aus digitalen Zwillingen, KI-gestützten Simulationen und vernetzten Sicherheitsplattformen soll den Aufwand für Sicherheitsprüfungen reduzieren. Besonders relevant ist dabei die Möglichkeit, Gefahren und Integrationsprobleme zu erkennen, bevor Anlagen installiert oder Roboter in Betrieb genommen werden. Ob sich die von TÜV Süd prognostizierte Beschleunigung um bis zu 30 % erreichen lässt, bleibt von der praktischen Umsetzung des vorgestellten Konzepts abhängig.

Was Sie zum Thema Physical AI Safety Suite wissen müssen

• Was ist die Physical AI Safety Suite? – Ein gemeinsames Konzept von TÜV Süd und Accenture, das digitale Zwillinge, KI-Agenten und NVIDIA-Simulationstechnologien zur Sicherheitsbewertung industrieller Automatisierungssysteme nutzt.

• Wie beschleunigt die Physical AI Safety Suite die Zertifizierung? – Durch die teilweise Digitalisierung manueller Prüfungen und die simulationsgestützte Erstellung von Sicherheitsnachweisen. TÜV SÜD erwartet eine um bis zu 30 % schnellere Inbetriebnahme.

• Welche NVIDIA-Technologien nutzt die Physical AI Safety Suite? – Zum Einsatz kommen unter anderem NVIDIA Omniverse, Cosmos, Isaac Sim, Halos und IGX Thor zur Simulation, Sicherheitsbewertung und Überwachung von Robotersystemen.

• Welche Sicherheitsbereiche prüft die Physical AI Safety Suite? – Das Konzept umfasst drei Ebenen: industrielle Anlagenlayouts, das Zusammenspiel von Roboterflotten und die Sicherheit einzelner Roboter unter konkreten Betriebsbedingungen.

• Wer übernimmt die Zertifizierung bei der Physical AI Safety Suite? – TÜV Süd bleibt für die unabhängige Bewertung und Zertifizierung verantwortlich. Die digitalen Verfahren sollen die Vorbereitung und Durchführung der Sicherheitsprüfungen unterstützen.