Industrie im Wandel

Wie KI und Robotik die Fertigung intelligenter machen

Cobots, lernende Systeme und datengetriebene Prozesse: Die europäische Industrie steht vor einem Umbruch – getrieben von geopolitischen Herausforderungen, Fachkräftemangel und wachsendem Effizienzdruck. Ein aktueller Report von Universal Robots zeigt: Unternehmen setzen zunehmend auf intelligente Automatisierung, um Resilienz, Produktivität und Qualität zu steigern – und machen Roboter zu strategischen Partnern.

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Robotik, KI und smarte Systeme sind die größten Treiber für Veränderungen in der industriellen Produktion.

Das traditionelle Bild des Roboters als starrer, unnachgiebiger Maschinenausführer gehört der Vergangenheit an. Die europäische Industrie steht an einem Scheideweg. Angesichts anhaltender Umbrüche – von geopolitischer Instabilität und Inflationsdruck bis hin zu einer alternden Belegschaft und Schwankungen in der Lieferkette – überdenken Führungskräfte die Grundlagen ihrer Arbeitsweise.

Unternehmen investieren strategisch in Technologien wie Robotik, KI und fortschrittliche Analytik, um die Produktivität zu steigern, die Qualität zu verbessern und eine größere Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Der aktuelle „State of Industrial Automation“-Report von Universal Robots, für den weltweit 2.174 Fachkräfte befragt wurden (351 aus Deutschland), bestätigt diese Entwicklungen eindrücklich

Der Wandel hin zur intelligenten Automatisierung

Während die gesamteuropäischen Daten eine dynamische Entwicklung bei der Einführung von Cobots zeigen, offenbart ein Blick auf den deutschen Markt eine Industrie, die geprägt ist von Ingenieurtradition, Präzisionsdenken und einem unbeirrbaren Streben nach operativer Exzellenz. Die deutsche Industrie weist ein klares Automatisierungsprofil auf. Besonders auffällig ist die Priorisierung operativer Effizienz: Jeweils rund 68 Prozent der deutschen Befragten nennen Produktivitätssteigerung und Kostensenkung als zentrale Treiber für Automatisierung, gefolgt von Qualitätsverbesserung mit rund 62 Prozent.

Mit Blick auf die technologische Zukunft zeigen sich deutsche Unternehmen besonders überzeugt vom Potenzial der Robotik: 53 Prozent der Befragten in Deutschland betrachten Robotik und Automatisierung als die transformativsten Technologien bis 2030, gegenüber 48 Prozent im europäischen Durchschnitt. Ein Ergebnis, das Deutschlands starke Ausrichtung auf industrielle Automatisierung als langfristigen strategischen Hebel unterstreicht.

Bei den Themen Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen hingegen zeigen sich die deutschen Befragten zwar aufgeschlossen, aber zurückhaltender. Lediglich 34 Prozent wählten diese Technologien als die transformativsten bis 2030 aus. Mögliche Gründe für die abwartende Haltung liegen in technischer Komplexität, Herausforderungen bei der Integration, Bedenken hinsichtlich des Reifegrads und der Frage nach der Branchenrelevanz. Grundsätzlich deuten die Ergebnisse darauf hin, dass deutsche Unternehmen die Automatisierung auf Hardware-Ebene klar vorantreiben, beim Einsatz datenbasierter oder kognitiver Technologien jedoch eher einen schrittweisen Ansatz verfolgen.

Bild 1: Mensch und Maschine agieren zunehmend als vernetztes Team in der Produktion.

Auf globaler Ebene zeigt die Studie generell einen überwältigenden Optimismus bezüglich der Auswirkungen KI-gesteuerter Robotik. So erwartet die überwiegende Mehrheit der Befragten innerhalb der nächsten fünf Jahre erhebliche geschäftliche Verbesserungen durch intelligente Automatisierung, prädiktive Analysen und adaptive Abläufe. Nur einer von zehn Befragten gibt an, sich noch unsicher zu fühlen oder nur begrenzte Auswirkungen zu sehen.

Die Befragten sind sich zudem darüber einig, dass KI-gestützte Roboter keine Gegner, sondern vielmehr Verbündete sind. Über ein Drittel (38 Prozent) identifiziert KI und maschinelles Lernen als die Technologien, die ihre Branche bis 2030 am stärksten verändern werden. In den nächsten fünf Jahren erwarten viele Befragte erhebliche Vorteile, darunter eine verbesserte Automatisierung, höhere Effizienz und gesteigerte Produktivität.

Anwendungsbeispiel: KI-gestützte Kommissionierung in der Logistik

Die Studie zeigt, was sich in der Praxis bereits bestätigt: Unternehmen nutzen zunehmend KI-gestützte Robotik, um Variantenvielfalt, Effizienzanforderungen und Flexibilitätsdruck zu bewältigen und damit die Rolle von Robotern grundlegend zu verändern. Sichtbar wird diese Entwicklung in der Lagerlogistik, die heute mit kleinen Losgrößen, hoher Variantenvielfalt und steigenden Präzisions- und Durchsatzanforderungen konfrontiert ist. 

Bild 2: Deep-Learning-Systeme ermöglichen Robotern eigenständiges Greifen ohne Umprogrammierung.

Klassische, starr programmierte Systeme stoßen hier rasch an Grenzen, während KI-gestützte Kommissionierung bereits praxiserprobte Lösungen bietet: Etwa bei der automatisierten Handhabung von Kleinladungsträgern (KLTs), bei der kollaborative Roboter und Deep-Learning-basierte Visionsysteme KLTs selbstständig erkennen und greifen – unabhängig von Position oder vorher definierten Bewegungsmustern.

Die Vorteile sind klar:

  • Reduzierung von Fehlern: Sichere Erkennung auch bei veränderten Behälterpositionen.
  • Erhöhte Prozesssicherheit: Der Roboter reagiert eigenständig auf Veränderungen, wodurch manuelle Eingriffe seltener werden.
  • Steigerung der Durchsatzleistung: Der Wegfall ständiger Umprogrammierungen macht Kommissionierprozesse dauerhaft effizienter.
  • Entlastung der Mitarbeiter: Körperlich belastende Routineaufgaben werden automatisiert.

Die Zukunft der Kollaboration

Die Ergebnisse des „State of Industrial Automation“-Reports machen deutlich: Die Zukunft der Fertigung wird nicht von isolierter Technologie, sondern von der intelligenten Zusammenarbeit zwischen Menschen, Robotern und KI-Systemen bestimmt. Unternehmen, die Robotik bisher lediglich als Automatisierungswerkzeug betrachtet haben, begreifen sie zunehmend als strategischen Partner, der Prozesse flexibler, sicherer und resilienter macht.

In den kommenden Jahren wird diese Partnerschaft weiter an Bedeutung gewinnen. KI wird Robotern Fähigkeiten verleihen, die weit über klassische Automatisierungslogiken hinausgehen. Sie werden aus Daten lernen, sich autonom an veränderte Umgebungen anpassen und ein tiefes Verständnis komplexer Produktionsprozesse entwickeln.

Für die europäische Industrie bedeutet das einen grundlegenden Wandel: Nicht der Grad der Automatisierung entscheidet über Wettbewerbsfähigkeit, sondern die Fähigkeit, Robotik, Daten und KI zu einem intelligenten Gesamtsystem zu verbinden. Unternehmen, die diese Entwicklung aktiv gestalten, werden nicht nur effizienter, sondern sichern auch ihre Zukunftsfähigkeit in einem zunehmend dynamischen globalen Markt.

FAQ: KI und Robotik in der industriellen Automatisierung

1. Warum gewinnt intelligente Automatisierung in der Industrie an Bedeutung?
Unternehmen stehen unter Druck durch Fachkräftemangel, geopolitische Unsicherheiten und steigende Effizienzanforderungen. Technologien wie Robotik, KI und Analytik helfen, Produktivität zu steigern, Qualität zu sichern und widerstandsfähiger zu werden.

2. Welche Rolle spielt Robotik in der zukünftigen Industrie?
Robotik wird zunehmend als strategischer Partner verstanden, nicht mehr nur als Werkzeug. Besonders in Deutschland sehen 53 % der Befragten Robotik als wichtigste transformative Technologie bis 2030.

3. Warum sind deutsche Unternehmen bei KI noch zurückhaltend?
Die Zurückhaltung liegt vor allem in der technischen Komplexität, Integrationsherausforderungen und Unsicherheiten bezüglich Reifegrad und konkretem Nutzen. Daher verfolgen viele Unternehmen einen schrittweisen Ansatz bei datengetriebenen Technologien.

4. Welche Vorteile bietet KI-gestützte Robotik in der Praxis?
Beispiele wie die automatisierte Kommissionierung zeigen klare Vorteile: geringere Fehlerquoten, höhere Prozesssicherheit, gesteigerte Effizienz und Entlastung der Mitarbeitenden bei körperlich belastenden Aufgaben.

5. Wie sieht die Zukunft der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine aus?
Die Produktion der Zukunft basiert auf enger Zusammenarbeit zwischen Mensch, Robotik und KI. Systeme werden lernfähig, adaptiv und zunehmend autonom, wodurch flexible und resiliente Produktionsprozesse entstehen.