Ein Gigant von einem Schiff, fünfmal so groß wie die legendäre Titanic: Die "Icon of the Seas", das größte Kreuzfahrtschiff der Welt, vor der Kulisse von Miami.(Bild: Royal Carribean)
Mit der "Icon of the Seas" ist das größte Kreuzfahrtschiff der Welt in See gestochen. Der Koloss ist ein Wunderwerk des Engineering.
Anzeige
Der Antrieb: LNG statt Schweröl
Die Icon of the Seas der Reederei Royal Carribean ist das größte Kreuzfahrtschiff der Welt - und braucht dementsprechend einen äußerst leistungsfähigen Antrieb. Die notwendige Leistung liefern insgesamt sechs 14-Zylinder-Schiffsmotoren des finnischen Herstellers Wärtsilä. Jeweils drei vom Typ 14V46DF mit jeweils 16.030 kW und drei der kleineren Variante 12V46DF mit je 13.740 kW.
Anzeige
Die Besonderheit der 46DF-Serie ist die Fähigkeit, sowohl Schweröl oder Marinediesel als auch verflüssigtes Erdgas (LNG) als Treibstoff nutzen zu können. LNG setzt bei der Verbrennung deutlich weniger an Stickoxiden frei als Schweröl oder Diesel. Allerdings ist auch der Hauptbestandteil von LNG, Methan, ein extrem starkes Treibhausgas, wenn es in die Atmosphäre entweichen kann.
Gespeichert wird das LNG bei Temperaturen unterhalb von minus 162 Grad Celsius - bei diesem Punkt wird Erdgas flüssig - in zwei Tanks mit jeweils 307 Tonnen Kapazität. Die Kälte, die vom LNG bei seiner Rückführung in Gasform abgegeben wird, nutzt die Icon für ihre Klimaanlagen. Auch die Abwärme der Motoren wird aufgefangen und für eine Meerwasserentsalzungsanlage an Bord genutzt, die 90 % des benötigten Frischwassers bereitstellt.
Den eigentlichen Antrieb des Schiffes übernehmen drei elektrische Azipod-Antriebssysteme von ABB mit jeweils 20 MW Leistung. Damit erreicht die Icon eine Geschwindigkeit von bis zu 22 Knoten (41 km/h).
Anzeige
Das folgende Youtube-Video zeigt die Installation eines der beiden 30 Meter langen LNG-Tanks im Schiff:
Die Icon of the Seas nutzt eine hochinteressante Technik, um sich möglichst energieeffizient durch die Weltmeere zu bewegen. Dabei werden Millionen von Luftblasen von Kompressoren durch Öffnungen auf die Unterseite des Rumpfes geblasen. Durch dieses air lubrication system wird die Reibung zwischen dem Wasser und dem Stahl des Rumpfes deutlich reduziert, der Kraftstoffverbrauch sinkt. Für eine weitere Reduktion der Reibung um 3 bis 4 % soll eine wöchentliche Reinigung des Rumpfes durch ein robotisches Reinigungssystem der DG Diving Group sorgen. Ein Video zeigt es bei Tests:
Anzeige
Bleiben Sie informiert
(Bild: Stock.adobe.com - Kaspars Grinvalds)
Diese Themen interessieren Sie? Mit unserem Automation-NEXT-Newsletter sind Sie immer auf dem Laufenden.
Eine der technischen Besonderheiten der Icon of the seas resultierte aus dem Wunsch, die Seiten des Rumpfes für riesige Panoramafenster zu öffnen, die sich über eine Höhe von vier Stockwerken des Schiffes hinziehen. Um dennoch die volle Stabilität des Rumpfes zu garantieren, war eine ungewöhnliche Lösung notwendig: Auftritt "The Pearl".
Die Perle ist eine Stahlkugel mit mehr als 15 Metern Durchmesser und dem Gewicht einer Boeing 747 - etwa 175 Tonnen. Für die Konstrukteure war sie einfach eine notwendige tragende Struktur in ungewohnter Form, die Designer haben daraus noch viel mehr gemacht. Denn die Pearl ist hohl und für die Passagiere beim Boarding das Tor zum Bauch des Schiffes.
Das Innere der Pearl wurde mit 3600 kinetischen Kacheln ausgestattet, die mit Lineartechnik computergesteuert Lichteffekte erzeugen können. Die Technik dafür wurde einem New Yorker Design-Studio entwickelt. Hinter jeder Kachel befinden sich drei elektrisch betriebene Linearsysteme, durch die die Kacheln in mehreren Dimensionen geschwenkt werden können. Ein LED-Ring hinter jeder Kachel sorgt für eine Hintergrundbeleuchtung in wechselnden Farben.
Anzeige
So sieht die Pearl im finalen Zustand aus - mit kinetischen Kacheln, einer Marmortreppe und Lichteffekten(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Hier entsteht die eine Hälfte der Pearl(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Die Pearl wurde in zwei Hälften gebaut, die anschließend zusammengesetzt wurden.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Transport der Pearl per Schiff(Bild: Youtube / Royal Carribean)
So sieht die Technik hinter den kinetischen Kacheln aus: drei elektrische Linearantriebe und ein ringförmiges LED-Element.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Test der kinetischen Kacheln im Designbüro(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Test der kinetischen Kacheln im Designbüro(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Transport der Pearl per Tieflader(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Erste Tests mit dem Antriebssystem der kinetischen Kacheln(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Die Pearl, noch im Rohzustand(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Hier hat die Pearl schon ihre äußere Verkleidung bekommen(Bild: Youtube / Royal Carribean)
AquaDome: ein Indoor-Freizeitpark auf hoher See
Der AquaDome ist eine Art Wasserfreizeitpark unter einer riesigen Glaskuppel - und vermutlich die schwerste Struktur, die jemals auf ein Kreuzfahrtschiff gewuchtet wurde. Unter dem Dom verbirgt sich unter anderem ein 17 Meter hoher Wasserfall, der elektronisch gesteuert die Form des fallenden Wassers verändern kann.
Die Idee zum Aquadom entstand durch eine Skizze, die der damalige Royal Carribean CEO Richard Fain bei einem Essen auf eine weiße Papier-Serviette gezeichnet hat. Nach jahrelanger Konstruktion und monatelangem Bau bei Meyer Turku wurde der AquaDome dann in einem Stück auf das Schiff gehoben. Für den Vorgang wurde die 363 Tonnen schwere Konstruktion an 56 Stahlseilen an einer mehr als 150 Tonnen schweren Gitterstruktur befestigt, die wiederum an 12 Seilen an einem Riesenkran hing. Allein die letzten Meter bis zum Ziel dauert wegen der benötigten Präzision mehr als sechs Stunden.
Anzeige
Weil der AquaDome so hoch auf dem Schiff thront, musste bei seiner Konstruktion das Thema Leichtbau auf die Spitze getrieben werden, um den Schwerpunkt des Schiffes nicht zu weit nach oben zu treiben.
Auch bei dem Unterhaltungsprogramm innerhalb des Aquadome kommt ausgefeilte Technik zum EInsatz. Dazu gehören vier Knickarmroboter, die auf der Bühne die Artisten unterstützen oder ein computergesteuertes Seilwindensystem, durch das zwei Künstler gleichzeitig in einer Art pas de deux durch die Luft tanzen können.
So hat alles angefangen: Skizze des AquaDome auf einer Papierserviette(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Für den Einbau auf dem Schiff musste der AquaDome vom Heck Richtung Bug transportiert werden(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Wirkt fast wie ein UFO: Der AquaDome beim Transport per Kran(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Für einen sicheren Transport musste der 363 Tonnen schwere AquaDome an eine 150 Tonnen schwere Gitterkonstruktion gehängt werden.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Für einen sicheren Transport musste der 363 Tonnen schwere AquaDome an eine 150 Tonnen schwere Gitterkonstruktion gehängt werden.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Der Aquadome nach dem Einbau auf der Icon of the Seas(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Der AquaDome nach seiner Fertigstellung an Land(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Der AquaDome nach dem Absetzen auf dem Schiff(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Elektrisch bewegte Dreicke aus Aluminium steuern, wieviel Licht von Außen in den AquaDome strömt.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Im Inneren des Aquadome befindet sich eine Show-Bühne - unter anderem mit vier Knickarm-Robotern.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Das Bild zeigt den AquaDome auf der Icon of the Seas von oben.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Zu den Attraktionen des AquaDome gehört auch ein 17 Meter hoher Wasserfall, der seine Form verändern kann.(Bild: Youtube / Royal Carribean)
Automation NEXT Conference
(Bild: ANXC)
Entdecken Sie die Zukunft der Automatisierung auf der Automation NEXT Conference. Diese Veranstaltung bringt Branchenexperten zusammen, um über neueste Trends und Technologien in der Automatisierung zu diskutieren.
Die Themenbereiche umfassen Künstliche Intelligenz, Industrie 4.0, Cybersicherheit, Edge Computing, Robotik und nachhaltige Automatisierungslösungen. Die Veranstaltung bietet eine einzigartige Plattform für Wissensaustausch, Netzwerken und Inspiration für Fachleute aus der Automatisierungsbranche.
Interessiert? Dann melden Sie sich gleich an! Hier gibt es weitere Informationen Automation NEXT Conference.
KI hilft bei der Automatisierung des Schiffes
Anzeige
Die Icon of the Seas ist ohne Zweifel ein Kind des KI-Zeitalters. Methoden der künstlichen Intelligenz kommen auf dem Schiff in vielfältiger Form zum Einsatz:
Auf der Brücke der Icon of the Seas kommt KI zur Planung möglich energieeffizienter Routen zu Einsatz.
Im Bereich der Kabinen wird KI verwendet, um vorherzusagen, wann Passagiere ihre Kabinen für wie lange verlassen. Mit diesen Informationen lassen sich einerseits die Klimaanlagen möglichst ökologisch steuern und zum anderen die Dienstpläne des Reinigungs-Personals zu optimieren.
In einer anderen Anwendungen werden die 22 Aufzüge an Bord so koordiniert, dass die Wartezeit für Passagiere minimiert wird - und zugleich die kinetische Energie eines nach unten fahrenden Aufzugs zurückgewonnen und für einen nach oben fahrenden Lift verwendet werden kann.
Was die Icon of the Seas für Passagiere zu bieten hat
Blick auf die Icon of the Seas aus der Vogelperspektive(Bild: Royal Carribean)
An Bord des Kreuzfahrtschiffes befinden sich sieben Pools und neun Whirlpools...(Bild: Royal Carribean)
...dazu kommen nicht weniger als sechs Wasserrutschen(Bild: Royal Carribean)
Der Gipfel der Unterbringung an Bord sind die Ultimate Family Townhouses, die sich über drei Etagen erstrecken....(Bild: Royal Carribean)
...und eine eingebaute Rutsche haben.(Bild: Royal Carribean)
Nachtaufnahme der Icon of the Seas(Bild: Royal Carribean)
Veranstaltung im AquaDome(Bild: Royal Carribean)
Blick aus dem AquaDome(Bild: Royal Carribean)
Die wichtigsten technischen Daten der "Icon of the Seas"
Länge
365 Meter
Breite
67 Meter
Tonnage
250.800 BRZ
Passagiere
5610-7600 (je nach Kabinenbelegung)
Crew
2350
Antriebsleistung
60 MW
Baukosten
1,65 Mrd. Euro
Geschwindigkeit
22 Knoten (41 km/h)
Der Autor: Peter Koller
(Bild: Anna McMaster)
Gelernter Politik-Journalist, heute News-Junkie, Robotik-Afficionado und Nerd-Versteher. Chefredakteur des Automatisierungsmagazins Automation NEXT. Peter Koller liebt den Technik-Journalismus, weil es das einzige Themengebiet ist, wo wirklich ständig neue Dinge passieren. Treibstoff: Milchschaum mit Koffein.