Umwälzungen in Industrie und Service
KI in der Robotik: Vision und Marktmotor zugleich
KI-gestützte Roboter entwickeln sich vom programmierten Werkzeug zum lernfähigen Akteur industrieller Wertschöpfung. Ein neues Positionspapier der International Federation of Robotics zeigt, wie KI in der Robotik Märkte, Technologien und Geschäftsmodelle neu ordnet.
KI verleiht Robotern Wahrnehmung und Entscheidungsfähigkeit – ein Technologiesprung, der Industrie, Logistik und Service nachhaltig verändert.
Stock.adobe.com - Nanang
Für die neue Generation KI-gestützter Roboter, die
aktuell aus den Forschungslabors in die reale Welt Einzug hält, wird von KITechnologieunternehmen und Analysten mit einem zukünftigen Marktwert von mehreren
Billionen Dollar beziffert. Die Vision ist es, künstlicher Intelligenz eine Gestalt zu geben.
Die International Federation of Robotics (IFR) hat ein neues Positionspapier zu den Trends,
Herausforderungen und kommerziellen Anwendungen von „KI in der Robotik“
veröffentlicht.
„KI verändert die Robotik rasant“, sagt Takayuki Ito, Präsident der International Federation of
Robotics. „Mit der Integration von KI in die Robotik lassen sich Fähigkeiten verbessern,
Effizienzen steigern und Anpassungsfähigkeit erhöhen. Diese Entwicklung verwandelt KI von
einer unterstützenden Technologie in einen leistungsstarken Wegbereiter und öffnet damit
Türen für einen breiteren Einsatz von Robotik über alle Branchen hinweg.“
Vorreiter-Branchen
Derzeit gibt es mehrere Schlüsselbranchen, die bei der Integration von KI und Robotik eine
Vorreiterrolle einnehmen:
Logistik- und Lagerhaltung werden häufig als führender Bereich genannt. Dies ist auf die
hohe Nachfrage, verfügbare Investitionen und relativ kontrollierbare Umgebungen
zurückzuführen. Zu den Anwendungsbereichen gehören Logistik, Lagerhaltung und Intralogistik
sowie die weitere Lieferkette. Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit und seines
Wachstumspotenzials zieht der Sektor verstärkte Aufmerksamkeit auf sich.
Die Fertigungs- und Industrieautomation bildet einen weiteren Investitionsschwerpunkt: Da
Unternehmen bestrebt sind, ihre Abläufe zu rationalisieren und die Produktionsqualität zu
verbessern, spielen KI und Robotik eine immer zentralere Rolle in modernen
Fertigungsstrategien. Der Sektor umfasst eine Vielzahl von Branchen wie die
Automobilindustrie, die Elektronikindustrie und allgemeine Industriezweige wie die
Pharmaindustrie. Schwerpunkte liegen auf hochqualifizierten Produktionsprozessen,
Fabrikautomatisierungssystemen und präzisen Montageaufgaben.
Der Dienstleistungssektor gehört ebenfalls zu den führenden Kundenbranchen, die KI und
Robotik einsetzen. KI unterstützt hier unter anderem die Mensch-Roboter-Interaktion,
ermöglicht beispielsweise eine natürliche Kommunikation und macht die Roboter
personalisierter und benutzerfreundlicher. Die Nachfrage wird von steigenden Kosten und den
Arbeitskräftemangel getrieben. Das gilt insbesondere in Bereichen, in denen nach der
Pandemie offene Stellen nicht mehr besetzt werden können. Restaurantbetriebe
experimentieren zum Beispiel mit Roboter-Kellnern und Küchenassistenzrobotern. Die Zukunft
liegt in hybriden Modellen, bei denen Roboter repetitive Aufgaben übernehmen und Menschen
für die persönliche Ansprache sorgen.
Neue Vision für KI in der Robotik
Roboter- und Chiphersteller investieren derzeit verstärkt in spezielle Hard- und Software, die
reale Umgebungen simulieren. Diese sogenannte „physische KI“ ermöglicht es Robotern, sich
in virtuellen Umgebungen selbst zu trainieren und anhand ihrer Erfahrungen zu agieren, anstatt
für Einzelaufgaben programmiert zu werden. Die Begeisterung für diese „Embodied AI“ hat das
Interesse großer Technologieunternehmen und Regierungen auf der ganzen Welt auf sich
gezogen.
In den USA kündigten Unternehmen wie Amazon, Tesla und NVIDIA Rekordinvestitionen an.
Das Risikokapital fließt in ein wachsendes Ökosystem von Start-ups, die sich auf spezialisierte
Roboteranwendungen konzentrieren.
In Europa unterzeichnete ABB jüngst eine Vereinbarung zur Veräußerung seines
Robotikbereichs an die japanische SoftBank Group. Mit dem Zusammenschluss sollen die
Kompetenzen im KI-Bereich von ABB Robotics mit denen von SoftBank gebündelt werden.
In China kündigte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie (MIIT) einen
speziellen Aktionsplan zur Beschleunigung der „Embodied AI“ an und hat diese als
„Zukunftsindustrie“ eingestuft, die für Chinas wirtschaftliche Transformation von entscheidender
Bedeutung sein soll.
FAQ: KI in der Robotik
1. Was versteht die IFR unter „KI in der Robotik“?
Die International Federation of Robotics beschreibt „KI in der Robotik“ als die Integration künstlicher Intelligenz in Robotersysteme, um deren Fähigkeiten deutlich zu erweitern. Roboter können dadurch lernen, sich an veränderte Umgebungen anpassen und eigenständig Entscheidungen treffen. KI entwickelt sich von einer unterstützenden Technologie zu einem zentralen Wegbereiter moderner Robotik.
2. Welche Branchen gelten als Vorreiter beim Einsatz von KI-Robotik?
Zu den führenden Branchen zählen Logistik und Lagerhaltung, die Fertigungs- und Industrieautomation sowie der Dienstleistungssektor. Besonders Logistik und Intralogistik profitieren von kontrollierbaren Umgebungen und hohem Investitionsvolumen. In der Industrie stehen produktive, präzise und flexible Fertigungsprozesse im Fokus, während im Servicebereich hybride Modelle aus Mensch und Roboter an Bedeutung gewinnen.
3. Welche technologische Entwicklung steht aktuell im Mittelpunkt?
Im Zentrum steht die sogenannte „physische KI“ oder „Embodied AI“. Dabei trainieren Roboter in virtuellen Umgebungen und lernen aus Erfahrungen, statt für einzelne Aufgaben programmiert zu werden. Diese Entwicklung ermöglicht eine höhere Autonomie und Anpassungsfähigkeit und beschleunigt den Übergang von Forschungslaboren in reale Anwendungen.
4. Wie bewertet die IFR den wirtschaftlichen Ausblick von KI in der Robotik?
Die IFR erwartet, dass KI in den kommenden fünf bis zehn Jahren breit in Robotikanwendungen eingesetzt wird. Durch Effizienzsteigerungen, geringere Fehlerquoten und reduzierte Wartungskosten können KI-basierte Systeme einen schnelleren Return on Investment erzielen als klassische Automatisierungslösungen. Der Markt wird von Analysten auf ein Volumen von mehreren Billionen Dollar geschätzt.
Ausblick
In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird KI voraussichtlich in verschiedenen
Robotikanwendungen breit eingesetzt werden. Durch Effizienzsteigerung, Fehlerreduktion und
Senkung von Wartungskosten, verspricht es Unternehmen im Vergleich zu Nicht-KI-Systemen
oft einen schnelleren Return on Investment (ROI).