Multi-Kamera-Systeme verbessern Sicht und Steuerung von Gabelstaplern und Flurförderzeugen. Das steigert die Sicherheit im Lager, beschleunigt Abläufe und ermöglicht durch neue Prozessoren flexible, skalierbare Automatisierung.
Andreas WilligAndreasWilligAndreas WilligProduktmanager bei TQ-Embedded
4 min
Multi-Kamera-Systeme helfen der Lagerlogistik zu besseren Durchlaufzeiten.Shutterstock/N.N.
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Lager vor Ort gewinnen
wieder an Bedeutung, da Konzepte wie Just-in-Time durch Störungen in der
Logistikkette ausgehebelt werden: Havarierte Schiffe blockieren Transportwege,
Hafenarbeiter und Lastwagenfahrer fehlen und das Hin und Her bei Zollauflagen
treibt nicht nur die Buchhaltung zur Verzweiflung. Die oftmals zu kleinen Lager
können aber durch schnellere Umschlagszeiten mehr Kapazität auf gleichen Raum
bieten.
Rückgrat vieler
Lager sind Gabelstapler, allerdings bergen sie aufgrund ihrer Größe und ihres
Gewichts ein erhöhtes Unfallpotenzial. Sichtbehinderungen durch die Last oder
die Mastkonstruktion können zu gefährlichen Situationen führen, sowohl für den
Fahrer als auch für Personen in der Nähe. Zu den häufigsten Unfällen zählen
Kippunfälle, Kollisionen mit Personen oder Hindernissen (Anfahrunfälle) oder herabfallende
Lasten. All diese potenziellen Gefahren eint die schlechte Sicht des Fahrers, weil
er die Ladung nicht zu 100 % sieht und einschätzen kann, ob diese sicher auf
einer Palette steht, weil der Weg nicht frei ist, speziell beim Rangieren oder weil
die Last in großer Höhe platziert ist.
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Schneller und gleichzeitig sicherer laden dank Multi-Kamera-Lösungen.123rf.com/Baloncici
Multi-Kamera-Systeme erhöhen nicht nur die Sicherheit, sondern bieten
auch einen Mehrwert für die gesamte Lagerautomation, zum Beispiel eine Effizienzsteigerung
der Arbeitsabläufe. Sie können die Sicht des Fahrers deutlich verbessern, speziell
im toten Winkel oder für den Rundumblick um oder auf die Last. In
Zusammenarbeit mit modernen Sensoren wie Ultraschall oder Lidar sind diese
vielen „Augen“ die Grundlage für Assistenzsysteme analog zu Einparkhilfen bei Pkw
– so wird das Rangieren mit unübersichtlichen Waren/Lasten erleichtert.
Darüber hinaus
bieten solche Assistenzsysteme eine Effizienzsteigerung der Arbeitsabläufe,
wenn etwa ein autonomer Palettenroboter selbständig entscheiden kann eine neue
Route einzuschlagen, da seine ursprüngliche Route durch ein Hindernis blockiert
ist. Durch diese flexible Routentour wird ein flüssiger Ablauf sichergestellt
und der Warenzugang beziehungsweise die Belieferung bricht nicht ab, und es entstehen
keine Engpässe. Entsprechend steigert dies die Gesamtproduktivität.
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Weitere Vorteile
von kamerabasierten Fahrzeugen ist die bessere Raumnutzung. KI-gestützt erkennen
sie, ob der vom Lagerverwaltungssystem vorgeschlagene Platz zu klein ist. Hier
kommen oft 3D-Scan-Methoden zum Einsatz, mit deren Hilfe nicht nur die
Stellfläche, sondern auch das Volumen automatisch und genau erfasst werden. Durch
die exakten Daten können Waren ideal eingelagert werden und das automatisierte
Lagersystem entscheidet selbst, an welchen Lagerort eingelagert wird. Das
beschleunigt nicht nur die Einlagerung, sondern auch die Durchlaufzeit vom
Wareneingang bis zur Verwendung in der Produktion.
Das oberste Ziel: Der Materialfluss muss am Laufen gehalten werden.123rf.com/Baloncici
Zusätzlich
erhöht sich auch die Qualität, durch schnelle visuelle Inspektion/Dokumentation
im Wareneingang der einzelnen Transportschritte: Der aktuelle Zustand wird
schnell erfasst und eventuelle Beschädigungen/Verschmutzungen oder falsch
aufgebrachte Labels direkt erkannt. Somit lässt sich frühzeitig selektieren,
und der Materialfluss wird nicht durch fehlerhafte oder defekte Teile gestört. Diese
durchgängige Nachvollziehbarkeit/Traceability nutzt auch den Kunden, da sie eine
Steigerung der gelieferten Qualität mit sich bringt.
Die
Skalierbarkeit der Lagerautomatisierung spielt eine sehr große Rolle und bietet
damit für jeden Anwendungsfall eine Erleichterung und Optimierung der
Arbeitsschritte. Sie reicht von teilautomatisierten Hubwagen bis hin zu
vollautomatisierten Schwerlaststaplern. Kamerabasierte Systeme tragen aus den
genannten Gründen erheblich dazu bei, die Skalierbarkeit voranzutreiben, und
sind für verschiedenste Anwendungsfälle geeignet.
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Ansprüche an
Komponenten sind hoch
Diese
Funktionen stellen besondere Ansprüche an die Elektronik und Funktionalität der
integrierten CPU, wie die Verarbeitung von sehr großen Datenmengen in Echtzeit.
Darüber hinaus muss diese sehr robust designt sein und Umwelteinflüsse
jeglicher Art wie Vibration, Kälte und Hitze verkraften. Die neuen AM67x-Prozessoren
von Texas Instruments entsprechen perfekt dem Anforderungsprofil der Logistikbranche.
Diese CPU-Familie bildet über ihre Skalierbarkeit die ideale Basis als
Herzstück für intelligente kamerabasierte Lösungen in Gabelstaplern oder
autonomen Flurfahrzeugen.
Die AM67x-Familie
verfügt über eine Multi-Core-Architektur, die sich aus den bis zu vier Cortex-A53-Cores
und einen Cortex-R5F zusammensetzt. Diese Kombination eignet sich für komplexe
Steuerungen mit echtzeit- und sicherheitskritischen Aufgaben. Wahlweise sind die
AM67x-Prozessoren mit Bildverarbeitungsbeschleunigern ausgestattet, zum
Beispiel einen Vision Processing Accelerator mit eingebauten ISP (Image Signal
Processor). Dieser verarbeitet Bildinhalte und ermöglicht diverse Auflösungen sowie
die Nutzung von Wide Dynamic Range (WDR), die speziell bei wechselnden Helligkeitsbedingungen,
etwa den Übergang von einer Halle in den Außenbereich, hilfreich ist. Hinzu
kommt eine Linsenverzehrungskorrektur bei Weitwinkelobjektiven mittels Lens
Distortion Correction (LDC): Zwar sollen Fischaugen-Kameraobjektiven einen
möglichst großen Bereich aufnehmen, aber aufgrund der Wölbung der Linse kommt es
auch zu einer Fehleinschätzung von Distanzen – hier hilft LDC, das Bild korrekt
auszuwerten. Speziell für autonome Fahrzeuge wie einem Palettenstapler oder
Flurförderfahrzeug ist der Depth and Motion Processing Accelerator (DMPAC)
interessant, da dieser Beschleuniger für das räumliche Sehen über Stereokameras
und der Einschätzung von Raum und Bewegung essenziell ist.
Das Embedded-Modul TQMa67xx verfügt neben zahlreichen Kamera- und Sensoreingängen auch über die entsprechenden Bildverarbeitungsbeschleuniger.TQ-Group
Entscheidend für
viele Multi-Kameraanwendungen ist die Anzahl der verfügbaren
Kameraschnittstellen. Hier punktet der AM67x, der unter anderem bis zu vierfach
MIPI-CSI zur direkten Anbindung von Kamerasensoren anbietet. Diese sind speziell
bei autonomen Flurförderfahrzeugen oder Staplern interessant, sei es als
Rückfahrkamera zum sicheren Rangieren mit Waren, oder für die Einschätzung, ob
der vorgeschlagene Lagerplatz die entsprechende Größe vorhält oder ob ein
Hindernis die geplante Fahrtroute blockiert. Mehr Kameras bieten auch mehr
Sicherheit, da der Rundumblick des Fahrers erweitert wird und beispielsweise
eine 360°-Darstellung angeboten werden kann, analog zu einem Pkw-Assistenzsystem:
Die Einlagerhilfe zeigt dem Bediener den Einschlagwinkel auf dem Display an,
damit dieser ohne anzuecken die Ware ins Hochlager legen kann.
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Vielfältige
Schnittstellen sind unabdingbar
Darüber hinaus
benötigt die Elektronik eine Vielzahl unterschiedlicher Schnittstellen, wie
CAN-FD, um Sensoren anzubinden, sowie Display-Schnittstellen wie LVDS oder DSI,
um ein oder mehrere Displays anzusteuern und verschiedene Inhalte, wie Konfigurationslisten
oder die Rückfahrkamera, abzubilden. All dies erleichtert die Navigation durch die
Waren. Über PCIe können mobile Netzwerkverbindungen wie WLAN, Bluetooth oder
GPS angebunden und zur Vernetzung der Flurförderfahrzeuge verwendet werden. Hierüber
lassen sich neue Aufträge oder Aufgaben verteilen und die Lagerdurchlaufzeit
optimieren: Durch genaue Positionsbestimmung und optimierte Route können die
Wege kurzgehalten und optimale Stellflächen genutzt werden.
Die CPU bietet auch
diverse Sicherheitsfunktionen wie Secure Boot oder Verschlüsselungen von Daten:
Diese schützen nicht nur aufgenommene Bildinhalte vor fremden Zugriff und
Missbrauch, sondern stellen auch sicher, dass unter anderem die Firmware der
Flurförderfahrzeuge nicht manipuliert werden kann. Speziell bei
batteriebetriebenen Systemen wie Staplern ist die Energieeffizienz ein sehr
wichtiges Thema. Sie müssen im Mehrschichtbetrieb lang durchhalten und
benötigen deshalb lange Batterielaufzeiten – entsprechend sparsam muss auch die
Elektronik sein. Die AM67x-Familie ist trotz ihrer beschriebenen Leistungsfähigkeit
sehr energieeffizient mit durchschnittlich circa 6 W Leistungsaufnahme.
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Die
AM67x-CPU-Familie ist die optimale Grundlage für Multi-Kamera-Systeme, denn sie
bietet spezialisierte Bildverarbeitung mit verschiedenen Beschleunigern, eine
große Anzahl industrieller Schnittstellen und die Unterstützung mehrerer
Displays. All dies erleichtert dem Fahrer die Wahrnehmung von Aufgaben und der
Umgebung. Zukunftssicher durch optionale KI-Beschleuniger, bietet diese
Plattform auch noch Potenzial, um ein Upgrade auf sich ändernde Gegebenheiten
oder Anforderungen zu machen.
Der
Elektronikspezialist TQ bietet zwei Formfaktoren auf Basis des AM67x an: als
Stecker- und LGA-Modul (Lötmodul). Dank ihrer kompakten Bauweise (64 x 34 mm/44 x 44 mm) lassen sich die Designs in die unterschiedlichsten Anwendungen der
Logistikbranche integrieren – sei es als Nachrüstung oder als fester
Bestandteil der Steuerelektronik von Flurförderfahrzeugen.
FAQ: Multi-Kamera-Systeme in der Lagerlogistik
1. Warum gewinnen Multi-Kamera-Systeme in Lagern zunehmend an Bedeutung? Multi-Kamera-Systeme verbessern die Sichtverhältnisse für Fahrer von Gabelstaplern und Flurförderzeugen erheblich. Da Lager durch gestörte Lieferketten wieder wichtiger werden, ermöglichen diese Systeme eine effizientere Nutzung des vorhandenen Raums und tragen dazu bei, Umschlagszeiten zu verkürzen. Gleichzeitig reduzieren sie Unfallrisiken durch bessere Übersicht.
2. Welche Sicherheitsprobleme lösen Multi-Kamera-Systeme? Sie adressieren vor allem Sichtprobleme, die durch Lasten oder Fahrzeugkonstruktionen entstehen. Dadurch werden typische Gefahren wie Kollisionen, Kippunfälle oder herabfallende Lasten reduziert. Besonders in unübersichtlichen Situationen – etwa beim Rangieren oder Einlagern in großer Höhe – erhöhen sie die Sicherheit deutlich.
3. Wie steigern Multi-Kamera-Systeme die Effizienz im Lager? Durch bessere Sicht und KI-gestützte Auswertung ermöglichen sie optimierte Prozesse, etwa flexible Routenplanung bei autonomen Fahrzeugen oder eine präzisere Einlagerung. Zusätzlich verkürzen sie Durchlaufzeiten und verbessern die Raumnutzung, da Lagerplätze genauer bewertet werden können.
4. Welche zusätzlichen Vorteile bieten kamerabasierte Systeme über die Sicherheit hinaus? Neben Effizienzgewinnen ermöglichen sie Qualitätskontrollen im Wareneingang, etwa durch visuelle Inspektion von Schäden oder falschen Labels. Außerdem sorgen sie für bessere Rückverfolgbarkeit (Traceability) entlang der gesamten Lieferkette und erhöhen so die Gesamtqualität der Prozesse.
5. Welche technischen Anforderungen stellen Multi-Kamera-Systeme an die Hardware? Die Systeme benötigen leistungsfähige und robuste Prozessoren, die große Datenmengen in Echtzeit verarbeiten können. Zusätzlich sind zahlreiche Schnittstellen für Kameras, Sensoren und Displays erforderlich. Gleichzeitig müssen Energieeffizienz, Sicherheit (z. B. Verschlüsselung) und Skalierbarkeit gewährleistet sein, um unterschiedlichste Anwendungen im Lager abzudecken.