Robotik & Cybersecurity

Vertrauen wird bei Cobots zum entscheidenden Kaufkriterium

Software entscheidet heute maßgeblich über Sicherheit, Funktionalität und Zukunftsfähigkeit moderner Roboter. Unternehmen sollten deshalb nicht nur auf Leistung und Preis achten, sondern auch auf die Herkunft der Software, langfristigen Support und rechtliche Sicherheit – insbesondere vor dem Hintergrund des Cyber Resilience Act.

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Kollaborative Roboter übernehmen zunehmend anspruchsvolle Aufgaben wie das Schweißen – für Betreiber werden dabei Software-Herkunft, Sicherheit und langfristiger Support zu zentralen Beschaffungskriterien.
Kollaborative Roboter übernehmen zunehmend anspruchsvolle Aufgaben wie das Schweißen – für Betreiber werden dabei Software-Herkunft, Sicherheit und langfristiger Support zu zentralen Beschaffungskriterien.

Software spielt bei Robotern eine zunehmend wichtige Rolle: Bewegungssteuerung, Sicherheitsfunktionen, Diagnostik und Updates hängen heute maßgeblich von Code ab. Für Unternehmen verändert sich damit die Beschaffung: Entscheidend ist nicht mehr nur, was ein Roboter leisten kann, sondern auch, woher seine Software stammt, wie sie gepflegt wird und ob sie langfristig unterstützt wird.

Der EU Cyber Resilience Act unterstreicht diesen Wandel. Er soll Verbraucher und Unternehmen beim Kauf von Hard- und Softwareprodukten mit digitalen Elementen besser schützen; laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik greifen ab dem 11. September 2026 neue Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle.

Wie konkret solche Fragen werden können, zeigt unser aktueller Rechtsstreit in Deutschland: Ein Gericht in Hamburg im Rahmen eines Urheberrechtsverfahrens eine einstweilige Verfügung im Zusammenhang mit mutmaßlich kopierter Robotersoftware erlassen. Der Fall ist noch nicht abschließend entschieden, macht aber deutlich: Software-Herkunft, geistiges Eigentum und langfristiger Support sind bei der Auswahl von Robotern längst keine Randthemen mehr.

Auf den ersten Blick mag das wie eine juristische Spezialfrage wirken. Tatsächlich betrifft es jede Beschaffungsentscheidung in der Automatisierung — besonders dann, wenn kollaborative Roboter nah am Menschen arbeiten und über Jahre hinweg Teil der Produktion werden.

Kopierte Technologie kann zum Risiko für Kunden werden

Denn wenn geschützte Robotersoftware oder technische Lösungen ohne Genehmigung kopiert werden, betrifft das nicht nur den ursprünglichen Hersteller. Das Risiko kann sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken — bis hin zu Unternehmen, die solche Systeme im eigenen Betrieb einsetzen.

Für Kunden kann daraus ein konkretes Geschäftsrisiko entstehen. Automatisierungssysteme sind langfristige Investitionen, die oft tief in Produktionsprozesse eingebunden werden. Rechtliche Unsicherheit auf Lieferantenseite kann sich deshalb direkt auf den Shopfloor übertragen: etwa durch Unsicherheit bei Nutzung, Service, Ersatzteilen, Updates oder langfristiger Verfügbarkeit.

Im schlimmsten Fall drohen gerichtliche Maßnahmen, Betriebsunterbrechungen oder die Notwendigkeit, bereits eingesetzte Systeme kurzfristig stillzulegen oder zu entfernen. Was zunächst wie ein Streit zwischen Anbietern wirkt, kann damit unmittelbare Auswirkungen auf Produktionsplanung, Investitionssicherheit und Betriebskontinuität haben.

Doch rechtliche Risiken sind nur ein Teil der Gleichung. Gerade bei kollaborativen Robotern geht es immer auch um Sicherheit — und die lässt sich nicht an äußerer Ähnlichkeit ablesen.

„Ähnlich“ bedeutet nicht automatisch sicher

Kollaborative Roboter übernehmen präzise Arbeitsschritte in der Elektronikfertigung – umso wichtiger werden nachvollziehbare Software-Herkunft, geprüfte Sicherheit und langfristig gesicherter Support.
Kollaborative Roboter übernehmen präzise Arbeitsschritte in der Elektronikfertigung – umso wichtiger werden nachvollziehbare Software-Herkunft, geprüfte Sicherheit und langfristig gesicherter Support.

Ein Zusammenspiel aus zuverlässiger Hardware, validierter Software, zertifizierten Funktionen, klar definierten Grenzen und sauberer Dokumentation sorgt dafür, dass kollaborierende Industrieroboter sicher eingesetzt werden können. Ein Roboter, der einem anderen System äußerlich ähnelt oder sich ähnlich verhält, verfügt nicht automatisch über dasselbe Sicherheitsprofil. Gerade im kollaborativen Einsatz kann eine solche Annahme gefährlich werden. Wenn Mensch und Maschine eng zusammenarbeiten, zählen geprüfte Funktionen, belastbare Entwicklungsprozesse und nachvollziehbare technische Nachweise — nicht der äußere Eindruck.

Oberflächliche Ähnlichkeit kann ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Für Betreiber bedeutet das: Sie sollten genau prüfen, welche Technologie tatsächlich hinter einem System steht, wie sie validiert wurde und ob die sicherheitsrelevanten Funktionen belastbar dokumentiert sind. Neben Sicherheit spielt ein weiterer Faktor eine zentrale Rolle: die tatsächlichen Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Denn was beim Kauf günstig erscheint, kann im Betrieb schnell teuer werden.

Ein niedriger Preis kann später teuer werden

Der Anschaffungspreis eines Roboters lässt sich leicht vergleichen. Die langfristigen Kosten sind deutlich schwieriger zu beurteilen. Wenn unklar ist, wie ein Anbieter seine Technologie entwickelt, pflegt und absichert, entstehen für Kunden mehrere Risiken: Gibt es langfristig Software-Updates? Bleibt der Service verfügbar? Werden Sicherheitslücken zuverlässig geschlossen? Sind Ersatzteile und Support über Jahre hinweg gesichert?

Diese Fragen werden immer relevanter, weil moderne Roboter softwaregetriebene Maschinen sind. Bewegungssteuerung, Kraftbegrenzung, Diagnostik und Sicherheitslogik hängen maßgeblich von Software ab. Wenn Unternehmen nicht nachvollziehen können, woher diese Software stammt, wem sie gehört und wie sie weiterentwickelt wird, entsteht Unsicherheit im laufenden Betrieb.

Was beim Kauf zunächst günstig erscheint, kann später teuer werden — durch Stillstand, fehlende Updates, Compliance-Probleme oder ungeplante Umrüstungen. In der Automatisierung sind vermeintliche Abkürzungen deshalb oft nur auf den ersten Blick günstiger. Die Entscheidung für oder gegen bestimmte Technologien bleibt dabei nicht auf den einzelnen Betrieb beschränkt. Sie beeinflusst auch, welche Art von Wettbewerb sich im Automatisierungsmarkt langfristig durchsetzt.

Kaufentscheidungen prägen den Automatisierungsmarkt

Jede Investition in Automatisierung sendet ein Signal an den Markt. Unternehmen entscheiden damit auch, welche Art von Wettbewerb sie unterstützen: langfristige Entwicklung, geprüfte Sicherheit und verlässliche Produktpflege — oder kurzfristige Nachahmung. Original entwickelte und rechtmäßig bereitgestellte Technologie schafft Anreize für Forschung, Qualitätssicherung und kontinuierliche Verbesserung. Copycat-Technologie kann diese Anreize schwächen. Sie verschiebt den Wettbewerb weg von Innovation, Verantwortung und Verlässlichkeit hin zu äußerlicher Ähnlichkeit und Preis.

Kollaborative Roboter entlasten Beschäftigte bei wiederkehrenden Aufgaben wie dem Palettieren – entscheidend sind dabei geprüfte Sicherheit und verlässliche Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus.
Kollaborative Roboter entlasten Beschäftigte bei wiederkehrenden Aufgaben wie dem Palettieren – entscheidend sind dabei geprüfte Sicherheit und verlässliche Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus.

Langfristig betrifft das nicht nur einzelne Anbieter. Wenn der Markt Nachahmung toleriert, wächst die Unsicherheit im gesamten Robotik-Ökosystem — für Hersteller, Integratoren, Kunden und Regulierungsbehörden. Verlässliche Plattformen, die über Jahre hinweg unterstützt und weiterentwickelt werden, werden dadurch schwerer planbar.

Der Schutz original entwickelter Technologie bedeutet dabei nicht, Wettbewerb einzuschränken. Im Gegenteil: Er schafft die Grundlage dafür, dass Wettbewerb auf echter Innovation, geprüfter Sicherheit und Verantwortung basiert — und dass Kunden mit Vertrauen in Automatisierung investieren können. Damit schließt sich der Kreis zur eigentlichen Beschaffungsfrage: Am Ende geht es nicht nur um Technik, sondern um Vertrauen.

Vertrauen wird zum Beschaffungskriterium

Die Auswahl eines Roboters ist deshalb mehr als eine technische Entscheidung. Sie ist auch eine Vertrauensentscheidung. Käufer müssen darauf vertrauen können, dass ein System rechtlich belastbar, ordnungsgemäß zertifiziert und langfristig unterstützt ist. Vertrauen entsteht durch Transparenz, Verantwortung und tiefes technisches Verständnis — nicht durch Behauptungen oder optische Ähnlichkeit.

Je zentraler Automatisierung für moderne Fertigungsprozesse wird, desto wichtiger werden Fragen nach Originalität, Sicherheit und Integrität. Der Cyber Resilience Act unterstreicht diesen Wandel: Die Europäische Kommission beschreibt ihn als Regelwerk, das Verbraucher und Unternehmen beim Kauf von Hard- und Softwareprodukten mit digitalen Elementen besser schützen soll. Die Hauptpflichten gelten ab Dezember 2027; die Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle greifen bereits ab September 2026.

Wer Roboter kauft oder bestehende Flotten erweitert, sollte daher nicht nur fragen, was ein System leisten kann. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Können wir darauf vertrauen, woher diese Technologie kommt — und dass sie langfristig zuverlässig unterstützt wird?

FAQ: Robotik und Software

1. Warum wird Software bei der Auswahl von Industrierobotern immer wichtiger?
Weil moderne Roboter in hohem Maße softwaregesteuert sind. Bewegungssteuerung, Sicherheitsfunktionen, Diagnostik und Updates hängen von der Software ab und beeinflussen Sicherheit, Verfügbarkeit und den langfristigen Betrieb.

2. Welche Risiken können Copycat-Roboter für Unternehmen mit sich bringen?
Neben möglichen rechtlichen Unsicherheiten können fehlende Software-Updates, eingeschränkter Support, Probleme bei Ersatzteilen oder sogar Betriebsunterbrechungen entstehen. Dadurch wird die Investitionssicherheit gefährdet.

3. Warum bedeutet ein ähnliches Robotersystem nicht automatisch dieselbe Sicherheit?
Äußere Ähnlichkeit sagt nichts über validierte Software, zertifizierte Sicherheitsfunktionen oder dokumentierte Entwicklungsprozesse aus. Gerade bei kollaborativen Robotern sind diese Faktoren entscheidend für den sicheren Betrieb.

4. Welche Bedeutung hat der Cyber Resilience Act für die Robotik?
Der Cyber Resilience Act verschärft die Anforderungen an Hard- und Software mit digitalen Komponenten. Bereits ab September 2026 gelten Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle.

5. Welche Kriterien sollten Unternehmen bei der Roboterbeschaffung künftig stärker berücksichtigen?
Neben Anschaffungskosten und Leistungsdaten gewinnen Software-Herkunft, langfristige Produktpflege, Cybersecurity, rechtliche Absicherung sowie die Verfügbarkeit von Updates und Support zunehmend an Bedeutung.