Vertrauen wird bei Cobots zum entscheidenden Kaufkriterium
Software entscheidet heute maßgeblich über Sicherheit, Funktionalität und Zukunftsfähigkeit moderner Roboter. Unternehmen sollten deshalb nicht nur auf Leistung und Preis achten, sondern auch auf die Herkunft der Software, langfristigen Support und rechtliche Sicherheit – insbesondere vor dem Hintergrund des Cyber Resilience Act.
David BrandtDavidBrandtVice President R&D und CTO, Universal Robots
3 min
Kollaborative Roboter übernehmen zunehmend anspruchsvolle Aufgaben wie das Schweißen – für Betreiber werden dabei Software-Herkunft, Sicherheit und langfristiger Support zu zentralen Beschaffungskriterien.Universal Robots
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Software
spielt bei Robotern eine zunehmend wichtige Rolle: Bewegungssteuerung,
Sicherheitsfunktionen, Diagnostik und Updates hängen heute maßgeblich von Code
ab. Für Unternehmen verändert sich damit die Beschaffung: Entscheidend ist
nicht mehr nur, was ein Roboter leisten kann, sondern auch, woher seine Software
stammt, wie sie gepflegt wird und ob sie langfristig unterstützt wird.
Der
EU Cyber Resilience Act unterstreicht diesen Wandel. Er soll Verbraucher und
Unternehmen beim Kauf von Hard- und Softwareprodukten mit digitalen Elementen
besser schützen; laut Bundesamt für Sicherheit in der
Informationstechnik
greifen ab dem 11. September 2026 neue Meldepflichten für aktiv ausgenutzte
Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle.
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Wie
konkret solche Fragen werden können, zeigt unser aktueller
Rechtsstreit in Deutschland: Ein Gericht in Hamburg im Rahmen eines Urheberrechtsverfahrens eine
einstweilige Verfügung im Zusammenhang mit mutmaßlich kopierter Robotersoftware
erlassen. Der Fall ist noch nicht abschließend entschieden, macht aber
deutlich: Software-Herkunft, geistiges Eigentum und langfristiger Support sind
bei der Auswahl von Robotern längst keine Randthemen mehr.
Auf
den ersten Blick mag das wie eine juristische Spezialfrage wirken. Tatsächlich
betrifft es jede Beschaffungsentscheidung in der Automatisierung — besonders
dann, wenn kollaborative Roboter nah am Menschen arbeiten und über Jahre hinweg
Teil der Produktion werden.
Kopierte Technologie kann zum Risiko für Kunden werden
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Denn wenn
geschützte Robotersoftware oder technische Lösungen ohne Genehmigung kopiert
werden, betrifft das nicht nur den ursprünglichen Hersteller. Das Risiko kann
sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette auswirken — bis hin zu
Unternehmen, die solche Systeme im eigenen Betrieb einsetzen.
Für
Kunden kann daraus ein konkretes Geschäftsrisiko entstehen.
Automatisierungssysteme sind langfristige Investitionen, die oft tief in
Produktionsprozesse eingebunden werden. Rechtliche Unsicherheit auf
Lieferantenseite kann sich deshalb direkt auf den Shopfloor übertragen: etwa
durch Unsicherheit bei Nutzung, Service, Ersatzteilen, Updates oder
langfristiger Verfügbarkeit.
Im
schlimmsten Fall drohen gerichtliche Maßnahmen, Betriebsunterbrechungen oder
die Notwendigkeit, bereits eingesetzte Systeme kurzfristig stillzulegen oder zu
entfernen. Was zunächst wie ein Streit zwischen Anbietern wirkt, kann damit
unmittelbare Auswirkungen auf Produktionsplanung, Investitionssicherheit und
Betriebskontinuität haben.
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Doch
rechtliche Risiken sind nur ein Teil der Gleichung. Gerade bei kollaborativen
Robotern geht es immer auch um Sicherheit — und die lässt sich nicht an äußerer
Ähnlichkeit ablesen.
Ein Zusammenspiel
aus zuverlässiger Hardware, validierter Software, zertifizierten Funktionen,
klar definierten Grenzen und sauberer Dokumentation sorgt dafür, dass kollaborierende
Industrieroboter sicher eingesetzt werden können. Ein
Roboter, der einem anderen System äußerlich ähnelt oder sich ähnlich verhält,
verfügt nicht automatisch über dasselbe Sicherheitsprofil. Gerade im
kollaborativen Einsatz kann eine solche Annahme gefährlich werden. Wenn Mensch
und Maschine eng zusammenarbeiten, zählen geprüfte Funktionen, belastbare
Entwicklungsprozesse und nachvollziehbare technische Nachweise — nicht der
äußere Eindruck.
Oberflächliche
Ähnlichkeit kann ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen. Für Betreiber
bedeutet das: Sie sollten genau prüfen, welche Technologie tatsächlich hinter
einem System steht, wie sie validiert wurde und ob die sicherheitsrelevanten
Funktionen belastbar dokumentiert sind. Neben
Sicherheit spielt ein weiterer Faktor eine zentrale Rolle: die tatsächlichen
Kosten über den gesamten Lebenszyklus. Denn was beim Kauf günstig erscheint,
kann im Betrieb schnell teuer werden.
Der
Anschaffungspreis eines Roboters lässt sich leicht vergleichen. Die
langfristigen Kosten sind deutlich schwieriger zu beurteilen. Wenn
unklar ist, wie ein Anbieter seine Technologie entwickelt, pflegt und
absichert, entstehen für Kunden mehrere Risiken: Gibt es langfristig
Software-Updates? Bleibt der Service verfügbar? Werden Sicherheitslücken
zuverlässig geschlossen? Sind Ersatzteile und Support über Jahre hinweg
gesichert?
Diese
Fragen werden immer relevanter, weil moderne Roboter softwaregetriebene
Maschinen sind. Bewegungssteuerung, Kraftbegrenzung, Diagnostik und
Sicherheitslogik hängen maßgeblich von Software ab. Wenn Unternehmen nicht
nachvollziehen können, woher diese Software stammt, wem sie gehört und wie sie
weiterentwickelt wird, entsteht Unsicherheit im laufenden Betrieb.
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Was beim
Kauf zunächst günstig erscheint, kann später teuer werden — durch Stillstand,
fehlende Updates, Compliance-Probleme oder ungeplante Umrüstungen. In der
Automatisierung sind vermeintliche Abkürzungen deshalb oft nur auf den ersten
Blick günstiger. Die
Entscheidung für oder gegen bestimmte Technologien bleibt dabei nicht auf den
einzelnen Betrieb beschränkt. Sie beeinflusst auch, welche Art von Wettbewerb
sich im Automatisierungsmarkt langfristig durchsetzt.
Kaufentscheidungen prägen den Automatisierungsmarkt
Jede
Investition in Automatisierung sendet ein Signal an den Markt. Unternehmen
entscheiden damit auch, welche Art von Wettbewerb sie unterstützen:
langfristige Entwicklung, geprüfte Sicherheit und verlässliche Produktpflege —
oder kurzfristige Nachahmung. Original
entwickelte und rechtmäßig bereitgestellte Technologie schafft Anreize für
Forschung, Qualitätssicherung und kontinuierliche Verbesserung.
Copycat-Technologie kann diese Anreize schwächen. Sie verschiebt den Wettbewerb
weg von Innovation, Verantwortung und Verlässlichkeit hin zu äußerlicher
Ähnlichkeit und Preis.
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Kollaborative Roboter entlasten Beschäftigte bei wiederkehrenden Aufgaben wie dem Palettieren – entscheidend sind dabei geprüfte Sicherheit und verlässliche Unterstützung über den gesamten Lebenszyklus.Universal Robots
Langfristig
betrifft das nicht nur einzelne Anbieter. Wenn der Markt Nachahmung toleriert,
wächst die Unsicherheit im gesamten Robotik-Ökosystem — für Hersteller,
Integratoren, Kunden und Regulierungsbehörden. Verlässliche Plattformen, die
über Jahre hinweg unterstützt und weiterentwickelt werden, werden dadurch
schwerer planbar.
Der
Schutz original entwickelter Technologie bedeutet dabei nicht, Wettbewerb
einzuschränken. Im Gegenteil: Er schafft die Grundlage dafür, dass Wettbewerb
auf echter Innovation, geprüfter Sicherheit und Verantwortung basiert — und
dass Kunden mit Vertrauen in Automatisierung investieren können. Damit
schließt sich der Kreis zur eigentlichen Beschaffungsfrage: Am Ende geht es
nicht nur um Technik, sondern um Vertrauen.
Vertrauen wird zum Beschaffungskriterium
Die
Auswahl eines Roboters ist deshalb mehr als eine technische Entscheidung. Sie
ist auch eine Vertrauensentscheidung. Käufer
müssen darauf vertrauen können, dass ein System rechtlich belastbar,
ordnungsgemäß zertifiziert und langfristig unterstützt ist. Vertrauen entsteht
durch Transparenz, Verantwortung und tiefes technisches Verständnis — nicht
durch Behauptungen oder optische Ähnlichkeit.
Je
zentraler Automatisierung für moderne Fertigungsprozesse wird, desto wichtiger
werden Fragen nach Originalität, Sicherheit und Integrität. Der Cyber
Resilience Act unterstreicht diesen Wandel: Die Europäische Kommission
beschreibt ihn als Regelwerk, das Verbraucher und Unternehmen beim Kauf von
Hard- und Softwareprodukten mit digitalen Elementen besser schützen soll. Die
Hauptpflichten gelten ab Dezember 2027; die Meldepflichten für aktiv
ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle greifen
bereits ab September 2026.
Wer
Roboter kauft oder bestehende Flotten erweitert, sollte daher nicht nur fragen,
was ein System leisten kann. Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Können
wir darauf vertrauen, woher diese Technologie kommt — und dass sie langfristig
zuverlässig unterstützt wird?
FAQ: Robotik und Software
1. Warum wird Software bei der Auswahl von Industrierobotern immer wichtiger? Weil moderne Roboter in hohem Maße softwaregesteuert sind. Bewegungssteuerung, Sicherheitsfunktionen, Diagnostik und Updates hängen von der Software ab und beeinflussen Sicherheit, Verfügbarkeit und den langfristigen Betrieb.
2. Welche Risiken können Copycat-Roboter für Unternehmen mit sich bringen? Neben möglichen rechtlichen Unsicherheiten können fehlende Software-Updates, eingeschränkter Support, Probleme bei Ersatzteilen oder sogar Betriebsunterbrechungen entstehen. Dadurch wird die Investitionssicherheit gefährdet.
3. Warum bedeutet ein ähnliches Robotersystem nicht automatisch dieselbe Sicherheit? Äußere Ähnlichkeit sagt nichts über validierte Software, zertifizierte Sicherheitsfunktionen oder dokumentierte Entwicklungsprozesse aus. Gerade bei kollaborativen Robotern sind diese Faktoren entscheidend für den sicheren Betrieb.
4. Welche Bedeutung hat der Cyber Resilience Act für die Robotik? Der Cyber Resilience Act verschärft die Anforderungen an Hard- und Software mit digitalen Komponenten. Bereits ab September 2026 gelten Meldepflichten für aktiv ausgenutzte Schwachstellen und schwerwiegende Sicherheitsvorfälle.
5. Welche Kriterien sollten Unternehmen bei der Roboterbeschaffung künftig stärker berücksichtigen? Neben Anschaffungskosten und Leistungsdaten gewinnen Software-Herkunft, langfristige Produktpflege, Cybersecurity, rechtliche Absicherung sowie die Verfügbarkeit von Updates und Support zunehmend an Bedeutung.