Das Azimut-System ist entscheidend für die Verfügbarkeit von Windkraftanlagen – wird aber oft nicht überwacht. Mit dem CMFS bietet Nabtesco ein Condition-Monitoring-System, das auch Stillstandsbelastungen erfasst, Überlastungen verhindert und die Lebensdauer erhöht. Eine intelligente Lösung für mehr Sicherheit und Effizienz im Windparkbetrieb.
Jennifer HagmeyerJenniferHagmeyerJennifer HagmeyerTeam Lead Marketing, Nabtesco Precision Europe
3 min
Das Condition-Monitoring-System mit Fail-Safe-Funktion (CMFS) von Nabtesco schützt das Azimut-System von Windkraftanlagen vor Ausfällen.Stock.adobe.com - MH / Nabtesco Precision Europe
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Windparkbetreiber
setzen verstärkt auf Condition-Monitoring-Konzepte für ihre Anlagen. Treiber sind die hohen Kosten bei einem Ausfall, der Mangel an qualifiziertem
Fachpersonal für Reparaturen sowie der Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit und
Ressourcenschonung. Im Fokus stehen dabei typischerweise die Rotorblätter, die Generatoren und
die Getriebe. Das Azimut-System wird zwar ebenfalls als kritische
Komponente eingestuft, jedoch häufig aus Condition-Monitoring-Strategien
ausgeklammert, weil Störungen im Vergleich seltener auftreten.
Das kann schwerwiegende Folgen haben. Kommt es in diesem
Bereich dennoch zu einem Schadensfall, entstehen oft besonders hohe Kosten – verbunden
mit langen Stillstandzeiten und aufwendigen Reparaturen, vor allem bei
Offshore-Anlagen. „Angesichts der steigenden Verfügbarkeitsanforderungen und
der wirtschaftlichen Risiken ungeplanter Ausfälle wird die Überwachung des
Azimut-Systems zu einem Schlüsselfaktor für verlässlichen Windparkbetrieb“, betont
Daniel Steinhoff, Key Account Manager bei der Nabtesco Precision Europe,
und ergänzt: „Unser Condition-Monitoring-System mit Fail-Safe-Funktion (CMFS)
bietet das entscheidende Plus an Sicherheit.“
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Das Azimut-System: Der Schlüssel zu langfristiger
Sicherheit
Belastungen im Stillstand können ebenso hoch sein wie während der Verstellung.Stock.adobe.com - MH / Nabtesco Precision Europe
Das Azimut-System übernimmt die horizontale
Windrichtungsnachführung und stellt sicher, dass die Gondel jederzeit optimal im
Wind steht – eine zentrale Voraussetzung für maximale Energieausbeute. Prozess-
und applikationsbedingt kommt es in der Regel zu einer ungleichmäßigen
Lastverteilung zwischen den einzelnen Azimut-Antrieben. Dadurch ist vorzeitiger
Verschleiß vorprogrammiert und das Ausfallrisiko steigt.
Muss das Azimut-System
ausgetauscht werden, muss geschultes Fachpersonal die komplizierten und
kostenintensiven Reparaturen durchführen. Bei Offshore-Anlagen, die
deutlich schwerer zugänglich sind, kommen häufig Spezialschiffe oder sogar
Hubschrauber zum Einsatz – mit entsprechend hohen Kosten. Diese Risiken lassen
sich deutlich reduzieren, wenn die Lasten gleichmäßig auf alle
Antriebseinheiten des Azimut-Systems verteilt werden. Das schafft die Basis für
einen sicheren, langlebigen und wirtschaftlichen Betrieb der Windkraftanlage.
Herkömmliche Conditon-Monitoring-Systeme für das
Azimut-System arbeiten meist mit virtueller Sensorik. Dabei werden über die Drehmomentmessung
am Motor Rückschlüsse auf die Belastung des gesamten Antriebsstrangs gezogen. Das funktioniert jedoch nur, solange sich der Motor dreht – also nicht in
den Phasen, in denen die Gondel im Wind steht und das System hält. „Über einen
Großteil der Betriebszeit werden die Belastungen also gar nicht erfasst“, so Daniel
Steinhoff und macht deutlich: „Belastungen im Stillstand
können jedoch ebenso hoch sein wie während der Verstellung, denn auch dann
wirken Winddruck und Turbulenzen in erheblichem Maß auf die
Verzahnung des Azimut-Zahnkranzes.“ Neben dem indirekten Ansatz gibt
es Systeme, die reale Sensoren nutzen, um das Drehmoment zwischen Motor und
Getriebe zu messen – doch auch sie erfassen lediglich die Beanspruchungen
während der Verstellbewegung, nicht die oft kritischen Lasten im Stillstand.
Permanente, lückenlose Zustandsüberwachung
Das CMFS ermöglicht eine präzise Analyse, ein intelligentes Lastmanagement sowie einen wirksamen Schutz vor Überlast.Stock.adobe.com - pkproject
Mit dem Condition-Monitoring-System mit Fail-Safe-Funktion (CMFS)
von Nabtesco steht eine Lösung zur Verfügung, die die Grenzen herkömmlicher
Ansätze deutlich erweitert. Sie ermöglicht eine permanente, lückenlose
Zustandsüberwachung des Azimut-Systems von Windkraftanlagen – sowohl während des
Betriebs als auch in den Phasen, in denen die Azimut-Antriebe nicht aktiv
bewegt werden. Das System überwacht die einzelnen Antriebseinheiten, erkennt
Überlastsituationen und stellt automatisiert eine gleichmäßige Lastverteilung
sicher. Darüber hinaus erlaubt es die Identifikation der am stärksten
belasteten Zähne sowie die Berechnung der Lebensdauer der Zahnräder – und damit
eine zuverlässige Prognose geeigneter Wartungszeitpunkte und notwendiger
Austauschmaßnahmen.
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Das CMFS besteht aus vier Komponenten –
Schrauben-Dehnungssensor, Signalwandler, Steuergerät sowie
Stromversorgungseinheit – und ist innerhalb kurzer Zeit eingebaut. Der
hochpräzise Dehnungssensor misst die externen Kräfte. Diese werden durch das
Steuergerät verarbeitet und analysiert. Übersteigen die Werte kritische
Parameter, sorgt das Steuergerät selbsttätig durch kurzzeitiges Lösen
der elektromagnetischen Bremse an der betroffenen Antriebseinheit für
eine Reduzierung der Belastung. Alle Daten werden regelmäßig in die Cloud gesendet,
sodass der Anwender jederzeit via PC, Handy oder Tablet Echtzeit-Informationen
über die Belastungszustände erhält. Eine nachträgliche Installation in
bestehende Windräder ist durch den einfachen Austausch der
Befestigungsschrauben durch die Dehnungssensor-Schrauben einfach möglich.
Steuergerät und Stromversorgungseinheit werden pro Anlage nur einmal benötigt.
84 % weniger Überlastsituationen
Zwei Referenzprojekte zeigen
eindrucksvoll das Potenzial des Condition-Monitoring-Systems mit Fail-Safe-Funktion
(CMFS). „Beide Windparkbetreiber betreiben ihre Anlagen an Standorten mit sehr
anspruchsvollen Windbedingungen. Mithilfe unseres CMFS konnten wir eindeutig
identifizieren, welche Zähne der jeweiligen Zahnkränze am stärksten belastet
sind. Diese Bereiche waren in der Vergangenheit überdurchschnittlich häufig von
Reparaturen betroffen und werden durch das installierte CMFS nun gezielt
entlastet“, erzählt Daniel Steinhoff und ergänzt: „Bei einem der Kunden haben
wir das CMFS zunächst ohne aktive Bremsenregelung betrieben, also
ausschließlich zur Zustandsüberwachung. Anschließend wurde die
Fail-Safe-Funktion zugeschaltet. In der Auswertung konnten wir die Anzahl der
Überlastsituationen nachweislich um 84 % reduzieren. Das wirkt sich direkt
positiv auf die Lebensdauer der mechanischen Komponenten im Antriebsstrang aus
– insbesondere auf den Zahnkranz auf dem Schwerlastring, dessen Austausch im
Schadensfall mit sehr hohen Kosten verbunden ist.“
Das CMFS besteht aus wenigen Komponenten und ist innerhalb kurzer Zeit eingebaut.Stock.adobe.com - MH / Nabtesco Precision Europe
Im Zuge der Energiewende übernehmen Windparks immer mehr
Systemverantwortung für eine stabile, zuverlässige Stromversorgung. Das setzt
voraus, dass alle kritischen Komponenten – einschließlich des Azimut-Systems –
dauerhaft verfügbar bleiben. Die gezielte Überwachung der Belastungen im
Azimut-System ermöglicht es, Überlastspitzen zu reduzieren, die Beanspruchung
der Verzahnung gezielt zu steuern und damit Lebensdauer, Verfügbarkeit und
Wirtschaftlichkeit der Windenergieanlagen deutlich zu verbessern.
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„Unser CMFS verlängert die Lebensdauer der Windräder,
verhindert Ausfälle bei der Stromerzeugung und sorgt für eine signifikante
Reduzierung der Reparatur-, Wartungs- und Betriebskosten“, bringt Daniel
Steinhoff die Vorteile auf den Punkt. Nabtesco arbeitet bereits eng mit großen
Windkraftanlagenherstellern, Service-Dienstleistern und Windparkbetreibern
zusammen, um das CMFS als festen Bestandteil moderner Betriebs- und
Instandhaltungsstrategien zu etablieren. „Als Partner der Branche möchten wir
gemeinsam mit unseren Kunden dazu beitragen, die Energieerträge ihrer Windparks
nachhaltig zu steigern“, so Daniel Steinhoff.
FAQ: Condition-Monitoring-System (CMFS) von Nabtesco
1. Warum ist das Azimut-System für Windkraftanlagen so wichtig? Das Azimut-System richtet die Gondel einer Windkraftanlage optimal zum Wind aus und ist damit entscheidend für die Energieausbeute. Gleichzeitig beeinflusst es maßgeblich die Verfügbarkeit der Anlage. Trotz seiner Bedeutung wird es in Condition-Monitoring-Strategien oft vernachlässigt, was im Schadensfall zu hohen Kosten und langen Ausfallzeiten führen kann.
2. Welche Probleme treten bei herkömmlichen Monitoring-Systemen auf? Konventionelle Systeme erfassen meist nur Belastungen während der Bewegung des Azimut-Antriebs. Belastungen im Stillstand – die durch Winddruck und Turbulenzen ebenso hoch sein können – bleiben oft unberücksichtigt. Dadurch entsteht ein unvollständiges Bild der tatsächlichen Beanspruchung.
3. Was unterscheidet das CMFS von Nabtesco von anderen Lösungen? Das CMFS ermöglicht eine permanente und lückenlose Überwachung – sowohl im Betrieb als auch im Stillstand. Es erkennt Überlastungen, sorgt automatisch für eine gleichmäßige Lastverteilung und liefert Echtzeitdaten. Zudem kann es die Lebensdauer von Komponenten prognostizieren und Wartungsbedarfe frühzeitig identifizieren.
4. Wie funktioniert die Fail-Safe-Funktion des Systems? Das System misst mithilfe von Dehnungssensoren die tatsächlichen Belastungen. Werden kritische Werte überschritten, greift es automatisch ein: Durch das kurzzeitige Lösen der elektromagnetischen Bremse wird die Last reduziert und gleichmäßig verteilt. So werden Schäden aktiv verhindert.
5. Welchen konkreten Nutzen bringt das CMFS im Betrieb? Praxisprojekte zeigen, dass sich Überlastsituationen um bis zu 84 % reduzieren lassen. Das führt zu einer deutlich verlängerten Lebensdauer der Komponenten, geringeren Wartungs- und Reparaturkosten sowie einer höheren Verfügbarkeit der Windkraftanlagen.