Sieb & Meyer setzt beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz auf einen klar strukturierten, ganzheitlichen Ansatz. Statt auf schnelle Effekte zielt das Unternehmen auf nachhaltigen Nutzen in Entwicklung, Produktion und Verwaltung. KI unterstützt dabei den Umgang mit wachsender Komplexität, sichert Wissen im Unternehmen und beschleunigt Prozesse – bei voller Kontrolle über sensible Daten.
Markus FinselbergerMarkusFinselbergerMarkus FinselbergerLeiter Vertrieb Antriebselektronik, Sieb & Meyer
4 min
Künstliche Intelligenz wird bei Sieb & Meyer nicht zum Selbstzweck betrieben, sondern als strategisches Werkzeug genutzt. In der Produktion unterstützt KI die Identifikation von Optimierungspotenzialen, die mit klassischen Methoden nicht erfasst werden können.Sieb & Meyer / Stock.adobe.com - Parsudi
Anzeige
Die Entwicklungsabteilung von Sieb &
Meyer in naher Zukunft: Ein Ingenieur öffnet ein internes KI-gestütztes
Wissensmanagementsystem. Statt sich durch alte Dokumentationen zu kämpfen,
tippt er eine präzise Frage ein. Sekunden später liegt die Antwort vor:
fundiert, kontextbezogen und mit Querverweisen zu allen relevanten Daten. „Auf
diese Weise werden wir nicht nur Zeit sparen, sondern auch Fehler vermeiden“,
prognostiziert Torsten Blankenburg, CTO des Unternehmens. „Das ist einer der
Punkte, an dem KI einen echten Mehrwert bietet.“
KI als Werkzeug – kein Hype, sondern Praxis
Anzeige
Künstliche Intelligenz wird bei Sieb
& Meyer nicht zum Selbstzweck betrieben, sondern als strategisches Werkzeug
genutzt. Im Kern geht es dabei um:
die Automatisierung und Optimierung von Standardprozessen
eine schnellere Recherche und Wissensbereitstellung
die Strukturierung komplexer Datenmengen
eine gezielte Kundenkommunikation sowie
um neue Produktfeatures.
„Wir sehen die KI als Hebel, um Wissen im
Unternehmen besser nutzbar zu machen und es gleichzeitig für die nächste
Generation von Mitarbeitern zu sichern“, erklärt Torsten Blankenburg. Die
Technologie ist also kein Ersatz für Fachleute, sondern ein kluges Hilfsmittel,
das Arbeitsprozesse unterstützen, beschleunigen und verbessern kann.
Anzeige
Dabei verfolgt der Hersteller von Drive
Controllern eine ganzheitliche KI-Strategie, die verschiedene
Unternehmensbereiche einbindet. Mit den Einsatzoptionen ergeben sich jeweils
Vorteile.
Gleichzeitig müsse aber auch die (aktuellen) Hürden berücksichtigt werden, die die Möglichkeiten heute zum Teil noch limitieren:
Vorteile und Hürden beim Einsatz von KI in den verschiedenen Unternehmensbereichen bei Sieb & Meyer.Sieb & Meyer / Stock.adobe.com - Parsudi
In der Verwaltung
können Routineaufgaben wie Übersetzungen durch den Einsatz von KI automatisiert
werden, was eine deutliche Effizienzsteigerung ermöglicht. Eine zentrale
Herausforderung bleibt jedoch die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden sowie die
reibungslose Integration in bestehende Software-Systeme.
Im Bereich
Marketing bietet KI die Chance, Kunden gezielter anzusprechen und
Content automatisch zu erstellen. Einschränkungen bestehen allerdings bei
Spezialthemen und Nischenanwendungen, da Large-Language-Modelle hier aufgrund
mangelnder Trainingsdaten an ihre Grenzen stoßen können.
Auch bei
den Produkten gibt es Potenzial. So lassen sich mit sinnvollen
KI-gestützten Funktionen Alleinstellungsmerkmale gegenüber dem Wettbewerb
schaffen. Gleichzeitig fehlen jedoch gerade bei Nischenanwendungen ausreichend
Datenmengen, um spezifische Modelle wirksam zu trainieren, da diese nicht
zugänglich sind oder die Datenhoheit bei den Endkunden liegt.
In der
eigenen Produktion unterstützt KI die Identifikation von
Optimierungspotenzialen, die mit klassischen Methoden nicht erfasst werden
können. Eine Hürde stellt hier für Sieb & Meyer die Abhängigkeit vom
Maschinenhersteller bei der Integration entsprechender Lösungen dar.
Großes
Potenzial sieht das Unternehmen im KI-Einsatz in der eigenen Entwicklungsabteilung.
Hier bietet KI die Möglichkeit, Entwicklungszyklen deutlich zu verkürzen und
damit die „Time to Market“ zu verbessern. Voraussetzung für einen Einsatz ist
jedoch der zuverlässige Schutz sensibler Entwicklungsdaten.
Anzeige
Gebrauchsanweisung für den KI-Einsatz
Wer den Weg von Sieb & Meyer nachvollziehen möchte, sollte vier
Grundsätze beachten:
KI als strategisches Projekt begreifen,
nicht als isolierte Maßnahme.
Datenhoheit sichern – sensible Daten
gehören in interne Systeme.
Akzeptanz schaffen – Mitarbeitende
müssen eingebunden werden.
Schrittweise vorgehen – kleine
Pilotprojekte ebnen den Weg für den breiten Einsatz.
Die Einsatzmöglichkeiten von KI-Tools in
der Produktentwicklung stoßen derzeit allgemein auf großes Interesse – nicht
zuletzt, weil viele Unternehmen mit großen Herausforderungen konfrontiert sind.
Der demographische Wandel führt dazu, dass wertvolles Erfahrungswissen mit dem
Ausscheiden älterer Mitarbeiter verloren zu gehen droht. Gleichzeitig nimmt die
Komplexität moderner Produkte stetig zu, sodass einzelne Mitarbeitende kaum
noch in der Lage sind, Systeme in ihrer Gesamtheit zu überblicken. Hinzu kommen
verschärfte regulatorische Anforderungen, die aufwendige Dokumentationen und
Nachweise erfordern, sowie steigende Erwartungen seitens der Kunden, die
schnellere Entwicklungszyklen und kürzere Iterationen verlangen.
Großes Potenzial sieht Sieb & Meyer im KI-Einsatz in der eigenen Entwicklungsabteilung. Hier bietet KI die Möglichkeit, Entwicklungszyklen deutlich zu verkürzen und damit die „Time to Market“ zu verbessern.Sieb & Meyer / Stock.adobe.com - Parsudi
An genau diesen Punkten kann der Einsatz
von KI unmittelbar ansetzen. Intelligente Wissensmanagementsysteme ermöglichen
es, das Know-how erfahrener Ingenieure systematisch zu sichern und für
nachfolgende Generationen nutzbar zu machen. Automatisierte Dokumentenprüfungen
reduzieren den Aufwand bei regulatorischen Themen und schaffen Freiräume für
wertschöpfende Tätigkeiten. KI-gestützte Recherchen beschleunigen
Entwicklungsphasen erheblich, ohne dass dabei sensible Daten das Unternehmen
verlassen müssen. Darüber hinaus kann KI in der Softwareentwicklung
unterstützen – etwa beim Code-Review oder bei Abnahmetests – und so die
Qualitätssicherung effizienter gestalten.
„Früher brauchten wir Tage, um
regulatorische Dokumente zu prüfen. Mit einer KI-basierten Lösung gelingt das
in Stunden“, sagt Torsten Blankenburg. „Diese Geschwindigkeit macht uns
handlungsfähiger – und unsere Kunden profitieren unmittelbar davon.“
Anzeige
Wissensmanagement – drei Wege, eine Entscheidung
Sieb & Meyer hat sich intensiv mit
dem Aufbau eines KI-basierten Wissensmanagements beschäftigt und in diesem
Zusammenhang drei mögliche Ansätze überprüft:
Integration in bestehende Systeme wie Microsoft 365 – wirtschaftlich und schnell umsetzbar, aber fehlende Datenhoheit. Gerade für erste Pilotprojekte eignet sich dieser Weg, da er mit geringen Investitionen schnelle Ergebnisse ermöglicht.
Cloudbasierte Wissensplattformen: Nutzung von Diensten wie Google Cloud AI – verfügbar und skalierbar, aber keine Datenhoheit und Abhängigkeit von US-Firmen. Besonders interessant ist hier die Möglichkeit, flexibel Rechenleistung und neue KI-Funktionen nach Bedarf hinzuzubuchen.
Inhouse-Lösungen: Entwicklung maßgeschneiderter KI-Wissensplattformen beispielsweise mittels Retrieval Augmented Generation (RAG) oder eigenen „nachtrainierten“ KI-Modellen – aufwendig in der Erstellung und Pflege, aber maximale Kontrolle. Dadurch lassen sich sensible Entwicklungs- und Fertigungsdaten vollständig im eigenen Unternehmen schützen und langfristig strategische Unabhängigkeit sichern.
Letztendlich fiel bei Sieb & Meyer die
Wahl auf eine maßgeschneiderte Inhouse-Lösung, unterstützt durch eine
Industrie-Promotion mit der Leuphana Universität, Lüneburg. Auf diese Weise
entsteht aktuell ein System, das unternehmensspezifisches Fachwissen verfügbar
macht, ohne dabei die Datenhoheit zu verlieren.
Anzeige
Softwareentwicklung: Sicherheit vor Geschwindigkeit
Auch in der Softwareentwicklung setzt das
Unternehmen auf KI – allerdings bewusst vorsichtig. Während viele Unternehmen
cloudbasierte Tools wie Microsoft Copilot nutzen, sieht Sieb & Meyer darin
ein Risiko bezüglich Know-how-Abfluss. Deshalb setzt das Unternehmen
ausschließlich auf interne Modelle in der Entwicklung. „Unsere Daten sind unser
Kapital“, betont Torsten Blankenburg. „Deshalb akzeptieren wir keine Grauzonen.
Wir nutzen KI nur dort, wo wir die volle Kontrolle behalten.“
Für die allgemeine Recherche stehen
Mitarbeitenden aber auch externe Modelle wie ChatGPT und Claude zur Verfügung –
allerdings nur für nicht sensible Anfragen. Für alles, was mit
Entwicklungsdaten oder personenbezogenen Informationen zu tun hat, existieren
interne Modelle. Diese ermöglichen tiefgehende Fragen zu Produkten, Projekten
und Dokumentationen, ohne dass dafür vertrauliche Daten das Unternehmen
verlassen müssen.
Anzeige
Erste Erfolge, große Erwartungen
In wenigen Jahren soll KI bei bei dem Drive-Controller-Hersteller nicht nur punktuell, sondern in allen Bereichen des Unternehmens wirken – von Verwaltung über Produktion bis hin zur Produktentwicklung. Das Ziel: ein vollständig vernetztes Unternehmen, in dem Wissen nahtlos fließt und Entscheidungen schneller, fundierter und transparenter getroffen werden können.Sieb & Meyer / Stpck.adobe.com - Parsudi
Noch sieht sich Sieb & Meyer beim
Thema KI-Nutzung am Anfang. Doch die bisherigen Ergebnisse sind eindeutig und
stimmen optimistisch: „Wir kratzen erst an der Oberfläche der Möglichkeiten“,
betont Torsten Blankenburg. „Aber schon jetzt ist klar: KI wird unser
Unternehmen in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern.“
In fünf Jahren soll KI bei dem Hersteller
nicht nur punktuell, sondern in allen Bereichen des Unternehmens wirken – von
Verwaltung über Produktion bis hin zur Produktentwicklung. Das Ziel: ein
vollständig vernetztes Unternehmen, in dem Wissen nahtlos fließt und
Entscheidungen schneller, fundierter und transparenter getroffen werden können.
Dabei ist KI kein Ersatz für Expertise. Sie ist das Werkzeug, das hilft, Wissen
verfügbar zu machen, Komplexität zu beherrschen und schneller auf Kundenwünsche
zu reagieren.
FAQ: KI im Maschinen- und Anlagenbau bei Sieb & Meyer
1. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz bei Sieb & Meyer? KI wird als strategisches Werkzeug eingesetzt – nicht als Selbstzweck. Sie dient dazu, Prozesse zu automatisieren, Wissen besser nutzbar zu machen, komplexe Daten zu strukturieren und die Produktentwicklung zu beschleunigen.
2. In welchen Unternehmensbereichen kommt KI konkret zum Einsatz? KI wird ganzheitlich genutzt:
in der Verwaltung zur Automatisierung von Routineaufgaben
im Marketing für zielgerichtete Kundenansprache und Content-Erstellung
in der Produktion zur Identifikation von Optimierungspotenzialen
in der Produktentwicklung zur Beschleunigung von Entwicklungsprozessen
3. Welche Herausforderungen gibt es beim Einsatz von KI? Zu den wichtigsten Hürden zählen:
fehlende oder begrenzte Daten (insbesondere bei Nischenanwendungen)
Akzeptanz bei Mitarbeitenden
Integration in bestehende Systeme
Abhängigkeiten von externen Anbietern
Schutz sensibler Unternehmensdaten
4. Wie geht Sieb & Meyer mit sensiblen Daten im KI-Kontext um? Das Unternehmen setzt bewusst auf interne KI-Lösungen, um die volle Kontrolle über Daten zu behalten. Cloud-Tools werden nur eingeschränkt und für nicht sensible Anwendungen genutzt. Datenhoheit hat oberste Priorität.
5. Welche Ziele verfolgt das Unternehmen mit KI langfristig? Langfristig soll KI in allen Bereichen des Unternehmens integriert werden. Ziel ist ein vollständig vernetztes Unternehmen, in dem Wissen effizient fließt und Entscheidungen schneller, fundierter und transparenter getroffen werden können.