KI-Agenten, humanoide Roboter, Smart Factory und Cybersecurity: Die Automation NEXT Conference 2026 zeigte bei Bosch Rexroth in Ulm, welche Technologien bereits industriell einsetzbar sind – und welche Voraussetzungen Unternehmen für die nächste Automatisierungsstufe schaffen müssen.
Redaktion Automation NEXTRedaktionAutomation NEXT
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Die Automation NEXT Conference 2026 fand in der Modellfabrik CU.BE von Bosch Rexroth in Ulm statt. Dort standen KI in der Produktion, Physical AI, Robotik und die Future Factory im Mittelpunkt.Automation NEXT
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Wie verändert Künstliche Intelligenz die Automatisierung? Wo steht die Industrie beim Einsatz humanoider Roboter? Und wie lässt sich aus einer bestehenden Produktion eine Smart Factory entwickeln? Diese Fragen standen am 30. September bei der zweiten Automation NEXT Conference im Mittelpunkt. Austragungsort war das Kunden- & Innovationscenter CU.BE von Bosch Rexroth in Ulm. Die rund 500 qm große Modellfabrik bot dabei nicht nur die Kulisse: Bereits vor dem eigentlichen Vortragsprogramm konnten die Teilnehmer in Führungen erleben, wie flexible Automation, vernetzte Produktion und digitale Technologien praktisch zusammenspielen.
Die Konferenz gliederte sich anschließend in drei Themenblöcke: „KI in der Produktion“, „Physical AI, flexible Robotik und KI-Agenten“ sowie „Future Factory“. Im Fokus standen damit weniger langfristige Zukunftsbilder als konkrete Anwendungen, technische Voraussetzungen und Erfahrungen aus Industrieprojekten.
KI verändert die Arbeit in der Automatisierung
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Gleich zum Auftakt stellte Steffen Winkler, CSO der Business Unit Automation bei Bosch Rexroth, eine provokante Frage: Bedeutet KI den „Tod des SPS-Programmierers“? Seine Antwort fiel deutlich differenzierter aus. Statt das Berufsbild verschwinden zu lassen, verändere KI vor allem dessen Aufgaben. Weniger reine Programmierung, dafür mehr Spezifizieren, Prüfen und Verantworten – so beschrieb Winkler die Verschiebung.
Steffen Winkler von Bosch Rexroth eröffnete den Themenblock „KI in der Produktion“ mit einem Realitätscheck: Er zeigte, wie KI die Aufgaben von SPS-Programmierern verändert.Automation Next
Prof. Jens Fürst von der FAU Erlangen-Nürnberg weitete anschließend den Blick auf die Produktionsarchitektur. Seine zentrale These: Intelligenz wandert zunehmend aus zentralen Serverstrukturen direkt in Maschinen und Produktionssysteme. Konnektivität und Computing wachsen damit enger zusammen, während KI-Agenten zu Bestandteilen integrierter Produktionssysteme werden können.
Dass KI nicht nur die Produktion, sondern auch das Engineering verändert, machte Dr. Axel Zein von WSCAD mit seinem Vortrag „CAD ist tot – was kommt jetzt?“ deutlich. Es ging um neue Entwicklungsprozesse und die Frage, welche Rolle klassische CAD-Systeme künftig noch spielen. Einen weiteren Praxisblick lieferte Dr. Markus Kaupper von Siemens Healthineers: Am Beispiel des neuen High-Energy-Photonics-Centers in Forchheim zeigte er, wie Echtzeit-Konnektivität, digitale Zwillinge und KI zusammengeführt werden können. KI-Agenten und immersive Technologien sollen dabei den Weg zu stärker kollaborativen Formen der Intelligenz ebnen.
Der zweite Konferenzblock machte deutlich, wie stark sich derzeit die Grenze zwischen digitaler und physischer KI verschiebt. Stefan Becke, Field CTO bei SoftServe, zeigte anhand konkreter Industrieprojekte mit Nvidia-Technologien, wie Physical AI bereits in Produktion und Logistik eingesetzt wird. Digitale Zwillinge, Simulationen, synthetische Daten, Robotik-KI und KI-Agenten gehören dabei zusammen. Entscheidend sind jedoch nicht nur technische Möglichkeiten, sondern ebenso organisatorische und wirtschaftliche Voraussetzungen.
Florian Francke vom Fraunhofer IPT ordnete anschließend die Robotik der nächsten Generation ein. Gerade humanoide Systeme sorgen derzeit für große Aufmerksamkeit, doch für Industrieunternehmen stellt sich vor allem die Frage, welche Anwendungen bereits sinnvoll umsetzbar sind. Francke gab deshalb einen Überblick über Markt und Technik sowie einen Leitfaden für Unternehmen, die sich mit Next-Gen Robotics beschäftigen.
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Florian Francke vom Fraunhofer IPT ordnete den Stand von Next-Generation Robotics ein und zeigte mögliche industrielle Einsatzfelder.Automation Next
Wie humanoide Robotik in der betrieblichen Praxis aussehen kann, zeigte Alexander Mühlens von Igus nach der Mittagspause. Direkt auf die Steuerungsebene zielte dagegen Oliver Roth von Grossenbacher Systeme: Sein Vortrag behandelte Embedded-AI-Agenten und die Frage, ob KI klassische SPS-Funktionen künftig ergänzen oder teilweise übernehmen kann. Small Language Models auf Controller-Ebene, skalierbare Hardware und No-Code-Werkzeuge zeigen, wie weit KI inzwischen in die klassische Automatisierung hineinreicht. Der Weg zur Smart Factory beginnt im Brownfield
Der dritte Themenblock rückte die Umsetzung im bestehenden Fabrikumfeld in den Mittelpunkt. Steffen Krippendorf und Pia Schoeppl von Driventic zeigten, warum Digitalisierung die Voraussetzung dafür ist, Automatisierung und KI überhaupt sinnvoll einzusetzen. Ihr Praxisbericht aus einer bestehenden Fabrik verdeutlichte zugleich: Vernetzung allein macht noch keine Smart Factory. Entscheidend ist, Daten so aufzubereiten und zu nutzen, dass daraus tatsächlicher Mehrwert für die Produktion entsteht.
Wie Unternehmen aus der Vielzahl möglicher Digitalisierungsprojekte die richtigen auswählen können, erklärte Prof. Dr. Lukas Budde von der Universität St. Gallen. Der von ihm vorgestellte Smart Factory Navigator basiert auf der Analyse von mehr als 900 Digitalisierungsprojekten und bündelt über 40 standardisierte Anwendungsfälle. Ziel ist es, Unternehmen bei der strukturierten Auswahl und Umsetzung geeigneter Smart-Factory-Use-Cases zu unterstützen.
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Dass Automatisierung nicht zwangsläufig mit Großprojekten beginnen muss, war die Botschaft von Victor Dienstbier von Wilo. Unter dem Motto „Einfach. Pragmatisch. Wirksam.“ richtete er den Blick besonders auf mittelständische Unternehmen und auf Ansätze, mit denen sich Automatisierung schrittweise in der betrieblichen Praxis umsetzen lässt.
Cybersecurity wird Teil der Automatisierungsstrategie
Christopher Kaufmann und Eduard Just von Groz-Beckert zeigten, wie Unternehmen die Anforderungen des Cyber Resilience Act praktisch angehen können.Automation Next
Zum Abschluss rückte mit der Cybersecurity ein Thema in den Mittelpunkt, das mit zunehmender Vernetzung weiter an Bedeutung gewinnt. Christopher Kaufmann und Eduard Just von Groz-Beckert zeigten, wie insbesondere kleine und mittlere Unternehmen mit den Anforderungen des Cyber Resilience Act umgehen können. Damit endete der Konferenztag dort, wo viele Digitalisierungs- und Automatisierungsprojekte inzwischen zwangsläufig ankommen: bei der Frage, wie vernetzte Systeme nicht nur leistungsfähig, sondern auch sicher betrieben werden können.
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Die Automation NEXT Conference 2026 zeigte damit vor allem eines: Bei KI, Physical AI und Smart Factory verschiebt sich die Diskussion zunehmend vom grundsätzlichen „Ob“ zum konkreten „Wie“. Von KI-Agenten auf der Controller-Ebene über humanoide Robotik bis zur Digitalisierung bestehender Werke standen Technologien und Methoden im Mittelpunkt, die bereits heute erprobt werden oder den Sprung in die industrielle Anwendung vorbereiten. Der Mix aus Modellfabrik, Praxisberichten, Forschung und Erfahrungsaustausch machte dabei sichtbar, wie eng Software, Automation, Robotik und IT/OT-Sicherheit inzwischen miteinander verbunden sind.