Nachbericht zur Automation NEXT Conference 2025: Kognitive Robotik als Gamechanger
So arbeiten Mensch und Maschine künftig zusammen
Robin Kaufmann von Neura Robotics plädierte in seinem Vortrag auf der Automation NEXT Conference 2025 für eine neue Ära der Mensch-Roboter-Kollaboration und argumentierte, dass Deutschland in der kognitiven Robotik aufholen muss, um nicht den Anschluss zu verlieren. Zudem gab er Einblicke in die „Neura Gyms“ und das Neuraverse.
Robin Kaufmann stellte in seinem Vortrag die Vision und den aktuellen Stand von kognitiver Robotik vor - einem Bereich, der humanoide Roboter mit sensorischer und kognitiver Wahrnehmung ausstattet.Ultima Media
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An den Anfang seiner Argumentation, warum wir kognitive
Roboter brauchen, stellt Robin Kaufmann, Head of Business Partner Manager bei
Neura Robotics, eine Betrachtung des Themas Künstlicher Intelligenz (KI). Seiner
Meinung nach wird der technische Fortschritt durch KI kontrovers diskutiert.
Viele Menschen in Deutschland und Europa sind skeptisch gegenüber KI, nicht
zuletzt aufgrund von Datenschutzbedenken und dystopischen Zukunftsszenarien aus
Filmen wie „Terminator“ oder „I, Robot“. Gleichzeitig sehen die Menschen, wie
KI bereits heute kreative Prozesse wie Musikkomposition oder Bildgestaltung
revolutioniert.
Doch trotz dieser beeindruckenden Entwicklungen bleibt ein
entscheidender Punkt ungelöst: KI kann zwar kreative Tätigkeiten übernehmen,
aber nicht die ungeliebten, oft körperlich anstrengenden Aufgaben, die im
Alltag oder in der Industrie anfallen – etwa das Müllrausbringen oder das
Sortieren von Materialien. Hier fehlt es an physischen Fähigkeiten und vor
allem an Autonomie.
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Klassische Industrierobotik – Grenzen und Probleme
Traditionelle Industrieroboter sind meist spezialisierte
Bewegungsmaschinen, die auf vorprogrammierten Abläufen basieren. Ihre
Programmierung ist komplex, teuer und erfordert Expertenwissen – von
Roboterprogrammierern über SPS-Programmierer bis hin zu Sicherheitsexperten.
Zudem sind sie kaum flexibel und nicht autonom im eigentlichen Sinne.
Der fehlende „Körper“ mit integrierter Sensorik (Sehen,
Hören, Tasten) verhindert eine intuitive und sichere Interaktion mit der
Umwelt. Diese Defizite führen dazu, dass Roboter vielfach nur in streng
kontrollierten Industrieumgebungen eingesetzt werden können und im Alltag kaum
eine Rolle spielen.
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Kognitive Roboter sind in der Lage, ihre Umgebung zu verstehen sowie durch Interaktion zu lernen und können somit direkt mit Menschen zusammenarbeiten.
Robin Kaufmann, Neura Robotics
Robotik und die Themen Demografie &
Arbeitskräftemangel
Eine der dringlichsten aktuellen Herausforderungen in der
Industrie ist der globale Fach- und Arbeitskräftemangel. Prognosen zeigen:
Robin Kaufmann, Head of Business Partner Manager bei Neura Robotics, auf der Automation NEXT ConferenceUltima Media
Bis 2030 werden in Deutschland etwa 30 Millionen Menschen
über 60 Jahre alt sein.
Europa fehlen rund 7 Millionen Arbeitskräfte.
China und Japan stehen vor ähnlichen demografischen
Entwicklungen.
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Roboter könnten diese Lücke schließen, indem sie körperlich
anstrengende oder monotone Aufgaben übernehmen. Die chinesische Regierung hat
beispielsweise das Ziel ausgegeben, dass bis 2030 10 Prozent der Arbeitskräfte
durch Roboter ersetzt oder ergänzt werden sollen – eine enorme Zahl im
Vergleich zum aktuellen Robotikmarkt.
Das Unternehmen Neura verfolgt vor diesem Hintergrund einen
innovativen Ansatz: Kognitive Roboter, die nicht nur über physische Fähigkeiten
verfügen, sondern auch ihre Umwelt aktiv wahrnehmen, verstehen und darauf
reagieren können. Diese Maschinen sind mit Sensorik ausgestattet, die
menschlichen Sinnen ähnelt – sie sehen, hören und tasten.
Aber kognitive Robotik bedeutet mehr als Sensorik: Es geht
um das Lernen durch physische Interaktion, um intuitive und sichere
Zusammenarbeit mit Menschen. Die Roboter können Aufgaben flexibel ausführen und
sich an neue Situationen anpassen, ohne aufwändige Programmierung.
Ein zentraler Aspekt der kognitiven Robotik ist dabei das
Training der Physical AI. Roboter lernen also nicht nur durch Algorithmen oder
Simulation, sondern durch physisches Vormachen – ähnlich wie Menschen eine neue
Fertigkeit erlernen.
Robin Kaufmann veranschaulichte das an einem Beispiel:
Schwimmen oder Geige spielen könne man nicht allein durch das Anschauen von
Videos oder Lesen von Anleitungen lernen. Erst durch praktische Übung im Wasser
oder am Instrument entwickle man die jeweiligen Fähigkeiten. Entsprechend
müssen Roboter Tätigkeiten wie Greifen, Schweißen oder Sortieren durch
physisches Training erlernen.
Das Neuraverse: Ein Ökosystem für Robotertraining und
-anwendung
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Mit dem Neuraverse hat Neura eine digitale Plattform
geschaffen, die den gesamten Lebenszyklus kognitiver Roboter abbildet. Dazu
gehören:
Digitale Zwillinge der physischen Roboter
Training von Foundation Models durch physische Daten
Integration und Simulation von Applikationen
Überwachung und kontinuierliche Verbesserung der Robotersysteme
Dieses Ökosystem ist offen für Partner, die vielfältige
Anwendungen entwickeln können – von Müllentsorgung über Krankenhausversorgung
bis hin zur industriellen Nutzung. Dadurch entsteht ein App-Store-ähnliches
Modell, das die Skalierung und Flexibilität kognitiver Robotik fördert.
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Kognitive Roboter – Vorteile
Kognitive Robotik steht an der Schwelle, die Art und Weise,
wie Menschen und Maschinen zusammenarbeiten, grundlegend zu verändern. Im
Gegensatz zu klassischen Industrierobotern, die starr und unflexibel agieren,
besitzen kognitive Roboter die Fähigkeit, ihre Umgebung wahrzunehmen, zu
verstehen und durch Interaktion zu lernen. Insbesondere vor dem Hintergrund des
demografischen Wandels und des Fachkräftemangels in Deutschland und weltweit
eröffnen sie neue Chancen für Industrie und Gesellschaft.
Neura Gyms als Trainingszentren
Neura Gyms sind Trainingszentren, in denen Roboter
verschiedene Aufgaben erlernen. Dort tragen Menschen so genannte Motion Suits,
um Bewegungsdaten physisch aufzunehmen, die dann den Robotern als
Trainingsgrundlage dienen.
Anhand einiger Videos zeigte Kaufmann während seines
Vortrags auf der Automation NEXT Confernce eindrucksvoll, wie Roboter,
unabhängig vom Formfaktor (z.B. humanoid oder mit multiplen Achsen), durch
Sprachbefehle einfache Aufgaben wie das Nachbauen von Klötzchen ausführen
können. Obwohl die Bewegungen heute noch langsamer als beim Menschen sind, wird
die autonome Ausführung immer präziser und schneller werden in Zukunft.
Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftsperspektiven
Im globalen Rennen um die Vorherrschaft in der Robotik sind
insbesondere China und die USA führend. Europa und speziell Deutschland hinken
hinterher. Viele Innovationspotenziale bleiben ungenutzt, da die Vision
kognitiver Robotik hierzulande nicht konsequent verfolgt wird.
Neura sieht sich laut Kaufmann als Vorreiter in Europa und
setzt auf deutsche Ingenieurskunst und das einzigartige Know-how, um kognitive
Robotik marktreif zu machen. Das Ziel ist, die physischen Fähigkeiten von
Robotern weiterzuentwickeln und sie in Service- und Industrieanwendungen breit
einzusetzen.
Fazit und konkrete Handlungsempfehlung für Unternehmen
Kognitive Robotik stellt einen bedeutenden Fortschritt
gegenüber herkömmlicher Industrierobotik dar, indem sie physische Interaktion
mit sensorischer Wahrnehmung und KI kombiniert. Dies ermöglicht autonome,
flexible und sichere Roboter, die ungeliebte oder schwierige Aufgaben
übernehmen können. Angesichts demografischer Herausforderungen und des
internationalen Wettbewerbs ist die Entwicklung solcher Systeme dringend
notwendig. Neura verfolgt mit seinem innovativen Trainingsansatz und dem
Ökosystem Neuraverse das Ziel, die kognitive Robotik in Deutschland und Europa
voranzutreiben und so eine neue Art der Zusammenarbeit zwischen Mensch und
Maschine einzuleiten.
Nach Ansicht von Robin Kaufmann sollten Unternehmen und
Investoren jetzt in kognitive Robotik investieren, um im internationalen
Wettbewerb nicht den Anschluss zu verlieren. Gleichzeitig gelte es, die
Akzeptanz in der Gesellschaft durch transparente Kommunikation und praxisnahe
Anwendungen zu fördern. Nur so könne Deutschland seine Rolle als
Innovationsstandort behaupten und eine neue Ära der
Mensch-Maschine-Zusammenarbeit einläuten.
Das Wichtigste in Kürze
Neue Erkenntnisse
1) Roboter benötigen einen physischen Körper, um KI
nützlich zu machen: KI allein ohne physische Aktorik kann keine ungeliebten
physischen Aufgaben (z.B. Müll rausbringen) übernehmen.
2) Training von Robotern erfolgt physisch und nicht
rein virtuell: Physisches Vormachen ist essenziell, da Simulationen und
Datensätze allein nicht ausreichen, um komplexe Bewegungen oder Aufgaben zu
erlernen.
3) Skalierungsvorteil durch Transfer von
trainierten Fähigkeiten: Ein einmal trainierter Roboter kann seine Fähigkeiten
problemlos auf andere Roboter übertragen – ein Vorteil gegenüber menschlichem
Lernen.
4) China plant, bis 2030 circa 10 Prozent der
Arbeitskräfte durch Roboter zu ersetzen oder zu ergänzen: Das ist eine sehr
große Zahl und zeigt das massive Engagement Chinas in diesem Bereich.
5) Neura entwickelt eine Plattform (Neuraverse) als
Ökosystem für Robotik-Applikationen: Vergleichbar mit App-Stores großer
Tech-Konzerne, um vielfältige Anwendungen auf Roboter zu bringen.
Kernbotschaften
1) Kognitive Robotik ist der nächste Game Changer: Nur durch
kognitive Fähigkeiten (Sehen, Hören, Tasten) können Roboter wirklich autonom
und flexibel agieren.
2) Roboter müssen Tätigkeiten übernehmen, die Menschen nicht
erledigen wollen: So gewinnen Menschen Zeit für kreativere und
zwischenmenschlich wichtige Dinge.
3) Europa muss jetzt handeln, um nicht technologisch
abzuhängen: Deutschland und Europa sollten die Entwicklung kognitiver Robotik
vorantreiben, anstatt hinter China und den USA zurückzufallen.
4) Training und Weiterentwicklung von Robotern ist
entscheidend: Nur durch physisches Training und kontinuierliches Lernen können
Roboter bessere Leistungen erzielen.
5) Neura sieht sich als Vorreiter und Partner für die
Zukunft der Robotik: Das Unternehmen baut humanoide und andere Roboter und
stellt die Infrastruktur für das Training und die Applikationen bereit.