Case Study Bosch Rexroth

Intelligente Informationsbereitstellung für ctrlX Automation

Bosch Rexroth treibt mit der Plattform ctrlX Automation die Öffnung klassischer Automatisierungsarchitekturen voran. Parallel dazu muss auch die technische Informationsbereitstellung neu gedacht werden. Statt monolithischer PDF-Dokumente setzt das Unternehmen heute auf ein webbasiertes Content-Delivery-Portal (CDP) von Empolis, das Informationen kontextbezogen und modular bereitstellt.

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Das Content Delivery Portal i-views von Empolis Intelligent Views unterstützt Rexroth bei der Umsetzung von ctrlX Automation.
Das Content Delivery Portal i-views von Empolis Intelligent Views unterstützt Rexroth bei der Umsetzung von ctrlX Automation.

Mit ctrlX Automation hat Bosch Rexroth 2020 eine Automatisierungsplattform eingeführt, die auf einem Linux-Echtzeitbetriebssystem, offenen Standards und App-Technologie basiert. Ziel ist es, Engineering-Aufwände zu reduzieren und die Time-to-Market neuer Maschinen zu verkürzen. Dabei können Anwender sowohl Apps von Bosch Rexroth als auch Applikationen von Drittanbietern oder selbst erstellte Apps nutzen. Drittanbieter können durch den Multiplikator ihre Geschäftsmodelle und die Reichweite ihrer Lösungen erweitern.

Die Herausforderung

Mit der technologischen Neuausrichtung wuchs auch der Anspruch an die Informationsbereitstellung. Bislang standen hierfür monolithische Inhalte als PDFs zur Verfügung. Die Schwachstelle lag hier im Auffinden relevanter Inhalte. So brachten den Nutzer intuitive Sucheingaben und Navigation durch abstrakte und doppelte Begriffe einer Kategorie oft nicht zum Ziel. „Technische Informationen zu den Produkten waren schwer auffindbar“, erinnert sich Berthold Strucken, Engineering Project-Office and Infrastructure, Translation and Product Documentation bei Bosch Rexroth.

Für ctrlX Automation war diese Form der Informationsbereitstellung nicht mehr zeitgemäß. Entsprechend war das Kundenfeedback, das oft so ausfiel: „Wenn ich nicht weiß, wie das Produkt heißt, finde ich es nicht“; „Man sucht ewig, um die richtigen Infos zu finden“; „Da gibt es einen Katalog von 600 Seiten und auf Seite 317 findest du die Info“. Im Vordergrund der neuen Lösung standen eine bessere Durchsuchbarkeit und schnelleres Auffinden von relevantem Inhalt.

Bosch Rexroth definierte folgende klare Anforderungen an die neue Lösung:

  • Webbasierte Bereitstellung der Informationen
  • Einfache und intuitive Navigation sowie Filtermöglichkeiten
  • Schnelle Suche nach technischer Information
  • Modulare Informationsobjekte statt monolithischer Dokumente
  • Strukturierung der Information und Wissensmodellierung

Im Mittelpunkt stand die Idee, Informationen nicht mehr dokumentenzentriert, sondern themen- und kontextorientiert bereitzustellen.

Content Delivery Portal mit Knowledge Graph

Zum Einsatz kommt bei Bosch Rexroth das webbasierte Content-Delivery-Portal i-views von Empolis Intelligent Views, das Inhalte unterschiedlicher Quellen über gemeinsame Metadaten zusammenführt und integriert – darunter Altbestände, Dokumentationen aus Redaktionssystemen sowie weitere Informationsquellen. Kern der Lösung ist ein Knowledge Graph. Diese semantische Technologie vernetzt technische Dokumentationsdaten mit Produkt- und Nutzerwissen. Ziel ist es, Informationen kontextbezogen auszuspielen – abhängig von Produkt, Rolle oder Anwendungsszenario.

Das soll den unterschiedlichen Informationsbedarfe entgegenkommen: So benötigt beispielsweise ein Instandhalter bei einer Warnmeldung konkrete Hinweise zur Fehlerursache und eine Anleitung zur Behebung. Oder ein Inbetriebnehmer sucht Informationen zur Referenzierung eines Antriebs. Und ein Monteur benötigt einen Überblick zu Geräten, Verdrahtung und Parametrierung einer Sicherheitszone. Um diese Fragen zu beantworten, müssen die technischen Informationen aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und die Erkenntnisse daraus vereint werden. Dies geschieht zum Beispiel durch eine Vernetzung der technischen Dokumentationsdaten sowie des Produkt- und Nutzerwissens.

Relevante Bezüge zwischen den vorliegenden Informationen und den Nutzeranfragen können so analysiert und sichtbar gemacht werden:

  • Welche Kapitel sind für den betreffenden Nutzer tatsächlich relevant?
  • Was sind eventuell nächste Schritte, die der Nutzer in diesem Kontext tun wird, und wie kann man ihn dahingehend auch noch unterstützen?
  • Wenn er die Funktionsweise einer Komponente prüft, an welcher Stelle muss er ebenfalls eine Prüfprozedur durchführen?

Man erkennt schon anhand der Beispiele, dass Treffer durch eine reine Volltextsuche dem Fragensteller nicht weiterhelfen. Um diese Vernetzung herzustellen, nutzt das CDP die integrierte Knowledge-Graph-Technologie von Empolis Intelligent Views. Die semantische Technologie eines Knowledge-Graphen ermöglicht eine umfassende Repräsentation eines Sach- beziehungsweise Wissensgebiets und seiner Logik. Dadurch lassen sich komplexe Fragestellungen beantworten und nachvollziehbar begründen. Knowledge Graphen machen menschliches Wissen maschinenlesbar und digital repräsentierbar. Somit schaffen sie auch die inhaltliche Vernetzung von Themen.

Direkt finden, anstatt zu suchen

Das Wissen, ob eine benötigte Information in einer Bedienungsanleitung oder einer Wartungsanleitung steht, bringt dem Nutzer erstmal keinen Mehrwert: Er müsste ja in zwei verschiedenen Dokumenten nachschauen. Der topic-zentrierte Ansatz lenkt hierbei den Fokus auf den Anwendungskontext und auf die eigentliche Information, die innerhalb eines Kapitels steht. Dem Nutzer wird aus diesem Grund direkt das relevante Kapitel mit der gewünschten Information angezeigt.

i-views liefert Informationen anwendungs- und anwendergerecht an die Nutzer. Neben modularen Informationen aus Redaktionssystemen können auch weitere vielfältige Informationsquellen berücksichtigt werden. Das CDP schafft die Voraussetzung, dass die Dokumentation Teil der digitalen Wertschöpfungskette werden kann. Technische Dokumentation wird zu digitalen Nutzungsinformationen, die Anwender, wie etwa Service-Mitarbeiter, auf mobilen Endgeräten, am Bildschirm, an der Maschine oder am Firmen-PC lesen und durchsuchen können. Sie haben auch die Möglichkeit, einzelne Kapitel als PDF zu speichern, flexibel zu einer Sammlung zusammenzuführen und anschließend Ihren Kollegen zur Verfügung zu stellen.

FAQ: Intelligente Informationsbereitstellung für ctrlX Automation

1. Warum hat Bosch Rexroth die bisherige PDF-Dokumentation abgelöst?
Weil monolithische PDFs das Auffinden relevanter Inhalte erschwert haben: Nutzer scheiterten oft an unklaren Produktbezeichnungen, redundanten Begriffen und langwieriger Suche („600 Seiten … auf Seite 317“). Ziel der neuen Lösung war eine deutlich bessere Durchsuchbarkeit und schnelleres Finden passender Informationen.

2. Was waren die zentralen Anforderungen an die neue Informationsbereitstellung?
Bosch Rexroth hat u. a. eine webbasierte Bereitstellung, intuitive Navigation und Filter, schnelle Suche, modulare Informationsobjekte statt monolithischer Dokumente sowie Strukturierung/Wissensmodellierung definiert – mit dem Leitgedanken „themen- und kontextorientiert statt dokumentenzentriert“.

3. Was ist das Content-Delivery-Portal (CDP) i-views – und was macht es anders als klassische Doku?
i-views ist ein webbasiertes Content-Delivery-Portal von Empolis, das Inhalte aus unterschiedlichen Quellen über gemeinsame Metadaten zusammenführt (z. B. Altbestände, Redaktionssysteme, weitere Informationsquellen) und modular ausspielt.

4. Welche Rolle spielt der Knowledge Graph – und welchen Nutzen hat er für Anwender?
Der Knowledge Graph vernetzt technische Doku-Daten mit Produkt- und Nutzerwissen, um Informationen kontextbezogen auszuspielen (z. B. abhängig von Produkt, Rolle, Anwendungsszenario). So erhalten unterschiedliche Nutzergruppen (Instandhalter, Inbetriebnehmer, Monteur) gezielter die Informationen, die sie im jeweiligen Kontext wirklich brauchen.

5. Was waren die wichtigsten Implementierungs-Herausforderungen – und wie wurden sie adressiert?
Ein zentraler Punkt war die Bereitstellung der PuD-Daten (Parameter- und Diagnose-Daten): Lesbarer Content lag zunächst nicht vollständig vor, relevante Teilinformationen lagen in zwei getrennten Systemen und mussten erst zusammengeführt werden. Dazu werden u. a. parametrisierte Topics aus dem Redaktionssystem mit Daten aus einer separaten Datenbank kombiniert. Wichtig war außerdem, dass diese Zusammenführung flexibel und dynamisch anpassbar bleibt, sodass Verantwortliche Inhalte/Struktur/Layout eigenständig weiterentwickeln können.

Mit i-views stellt Empolis Intelligent Views ein webbasiertes, zentrales Content Delivery Portal (CDP) zur Verfügung, mit dessen Hilfe Nutzer müssen nicht mehr ewig in Anleitungen und in hunderten von Seiten suchen müssen, sondern sofort die gewünschte Information finden.

Bei den Metadaten, die die Filterung und eine noch bessere Auffindbarkeit im CDP gewährleisten, kann es sich zum Beispiel um Produktversionen, -merkmale und -komponenten handeln, aber auch um Zielgruppen und Anwendungen. Dabei müssen sie sich die Metadaten nicht neu ausdenken, denn diese können einfach aus externen Systemen wie ihrem PIM oder ERP synchronisiert werden. Unternehmenseigene und iiRDS-Metadaten (Intelligent Information Request and Delivery Standard) werden ebenfalls unterstützt und bei Bedarf harmonisiert.

Herausforderungen und Vorgehensweise bei der Implementierung

Grundsätzlich gab es zwei wesentliche Herausforderungen bei der Implementierung des Produktinformationsportals. Ein sehr wichtiger Punkt ist die Verfügbarmachung der sogenannten PuD-Daten (Parameter- und Diagnose-Daten) im CDP. Dabei handelt es sich unter anderem technische Dokumentationsinhalte, in denen Problemdiagnosen zur Verfügung gestellt werden, die für bestimmte Produkte und Situationen gelten. Diese sollen dem Nutzer bei der Lösung seines Problems helfen und ihn anleiten. Die Herausforderungen bei der Bereitstellung der PuD-Informationen waren, dass lesbarer Inhalt hierfür noch nicht vorlag. Die Teilinformationen für den Inhalt befanden sich in zwei getrennten Systemen. Erst im Zusammenspiel werden diese zu wertvollem und vor allem verwertbarem Inhalt für den Nutzer.

Hierzu werden die Flexibilität und die Funktionalitäten des CDP zu hilfreichen Assets, da hier die Informationen aus verschiedenen Systemen zusammenlaufen und harmonisiert werden. Ein Teil der benötigten Informationen wird im Redaktionssystem erstellt. Dabei handelt es sich um parametrisierte Topics mit den PuD-Beschreibungen. Erst durch das Zusammenbringen mit Daten aus einer separaten Access-Datenbank kommen hier die relevanten Informationen, wie etwa Software, Hardware und Release, ins Spiel.

Sehr wichtig ist für Bosch Rexroth, dass diese Zusammenführung kein festgelegtes Ergebnis liefert, sondern flexibel und dynamisch anpassbar ist. Durch genaue Dokumentation der Content-Erzeugung im Backend des CDP können verantwortliche Mitarbeiter selbstständig Änderungen und Erweiterungen sowohl am Inhalt als auch am Layout und der Struktur vornehmen.

Für die Ausarbeitung der Anwendungsfälle und des Metadatenkonzepts nach dem Standard iiRDS setzte Bosch Rexroth auf die Zusammenarbeit mit unserem langjährigen Partner, dem Ingenieurbüro Katzenmeier in Mainz. „Uns war besonders wichtig, die verschiedenen Anwendungsfälle genau herauszuarbeiten und die Rexroth-Produktwelt im semantischen Wissensnetz abzubilden. So können wir jederzeit andere Systeme und Plattformen integrieren, um weitere Nutzungsszenarien zu ermöglichen“, erklärt Thomas Katzenmeier vom Ingenieurbüro Katzenmeier.

Der iiRDS-Standard definiert ein einheitliches Vokabular für die Metadaten technischer Dokumentation und ein Paketformat für die Auslieferung von Inhalten samt Metadaten. Das Vokabular beschreibt Metadaten, mit denen technische Dokumentation zu intelligenten Informationen veredelt wird, und die Beziehungen dieser Metadaten untereinander. Das Paketformat ermöglicht den hersteller- und systemübergreifenden Austausch von Informationslieferungen.

Zugang aus anderen Rexroth-Anwendungen und Presales-Aktivitäten

Ein weiteres wichtiges Thema bei der Einführung des Informationsportals war der Zugang aus anderen Rexroth-Anwendungen. Dies kann mit dem CDP unkompliziert ohne aufwendige Schnittstellenanbindungen geschehen. Hier wurden bereits kurzfristig sehr gute Erfolge erzielt, indem beispielsweise von Systemsteuerungsgeräten und der Online-Hilfe direkt auf das Informationsportal und auf die kontextuell relevanten Inhalte zugegriffen werden kann.

Diese Welten können ebenfalls miteinander verheiratet werden. Unterschiedliche Abteilungen in einer Firma verwenden oftmals unterschiedliche Redaktionssysteme. i-views Content kann mit den verschiedenen Formaten umgehen, diese zu iiRDS konvertieren und sie damit in Verbindung bringen und vernetzen, sodass das Unternehmenswissen zusammenwachsen kann.

Das System kommt bei den Mitarbeitern von Bosch Rexroth gut an. Es gibt bereits jetzt viele Anfragen aus anderen Abteilungen (andere Produktreihen und auch der Service), in i-views ihre Dokumente zur Verfügung zu stellen und für Nutzer bereitzustellen.