Neues Paper des Forschungsbeirats Industrie 4.0
Physical AI in der Industrie: Der Schlüssel zur autonomen Fabrik?
Insbesondere mithilfe von Digitalen Zwillingen als virtuelle Repräsentation von Produktionssystemen und -prozessen kann Physical AI den Weg zu autonomen Anlagen ebnen. Durch den kontinuierlichen Austausch zwischen realer und digitaler Welt wird die Produktion flexibler, energieeffizienter und resilienter.
Digitale Vernetzung in der Produktion: Physical AI nutzt Echtzeitdaten und Digitale Zwillinge, um industrielle Prozesse autonom zu optimieren.
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Die
dritte Ausgabe von „Industrie 4.0 Forschung in Kürze“ des Forschungsbeirats Industrie 4.0 widmet sich den
Möglichkeiten von Physical Artificial Intelligence (Physical AI) in der
Industrie. Das Papier „Industrie 4.0 Forschung in
Kürze“ zum Thema „Physical AI
in der Industrie: Der Schlüssel zur autonomen Fabrik?“ demonstriert anhand eines Use Case,
wie Physical AI in der Industrie sinnvoll eingesetzt werden kann. Es beleuchtet
den Status quo der Technologie und ihrer Anwendung sowie offene Fragen zu
Forschung und Entwicklung.
Physical AI
bezeichnet den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in cyber-physischen
Systemen, die mit der physischen Umwelt interagieren. Sie erfassen
Umgebungsinformationen und Daten anderer Systeme, werten diese mithilfe von KI
aus, leiten daraus eigenständig Handlungen ab und setzen diese um. Entscheidend
ist die Verbindung mit dem Digitalen Zwilling, also dem virtuellen Abbild von
Maschinen, Anlagen oder Prozessen. So verknüpfen Physical-AI-Systeme
Simulationen und Realität durch einen kontinuierlichen Datenfluss und passen
ihre Entscheidungen an reale Bedingungen an.
Use
Case: Automatisierte Prozessanlage mit Physical AI zeigt Potenziale auf
Aktuell
befindet sich die Einbindung von KI in physische Systeme noch im
Forschungsstadium. Demonstratoren und Modellfabriken verdeutlichen die
Potenziale. Ein exemplarischer Use Case demonstriert in der Publikation, wie
bei einer Prozessanlage ein Digitaler Zwilling und agentische KI
zusammenarbeiten: Mit Echtzeitdaten aus der Anlage werden Simulationen
durchgeführt, die beste Strategie berechnet und anschließend mithilfe von
agentischer KI die Steuerung der Anlage optimiert. Durch die Kombination von Digitalem
Zwilling und agentischer KI kann die Anlage zunehmend eigenständig
Entscheidungen über ihre Betriebsführung treffen.
Damit solche
Anwendungen in realen Produktionsumgebungen funktionieren, müssen die zugrunde
liegenden KI-Modelle flexibel auf neue Situationen reagieren können. Ein
lernfähiger Roboter sollte beispielsweise nicht für jede einzelne Schraube oder
jedes Werkstück vollständig neu trainiert werden müssen. Spezielle
Trainingsverfahren wie Continuous Learning oder Transfer Learning sollen
KI-Anwendungen anpassungsfähiger machen, damit sie in komplexen
Produktionssystemen funktionieren.
Physical
AI braucht Verantwortung und Vertrauen
Damit Physical
AI zu einem integralen Bestandteil industrieller Prozesse werden kann, müssen
die Systeme vertrauenswürdig, nachvollziehbar und menschzentriert sein.
Verantwortlichkeiten sind klar zuzuordnen. Neben technischen Lösungen braucht
es dafür prozessuale Standards und Zertifizierungsverfahren.
Auch die
Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ist entscheidend: Fachkräfte füttern
Physical-AI-Systeme mit Prozesswissen, fällen Entscheidungen in
Grenzsituationen und überwachen die KI. Gleichzeitig muss die KI von
menschlicher Expertise lernen und ihre Entscheidungen für Menschen verständlich
machen.
Herausforderungen
und offene Fragen
Eine
Herausforderung bei Physical-AI-Systemen in der Industrie 4.0 stellt der
Unterschied zwischen Simulation und Realität dar: Modelle, die im Labor gut
funktionieren, treffen in der realen Fabrik auf Faktoren wie Sensorrauschen,
Materialverschleiß, Störungen und andere dynamische Umweltbedingungen. Der
Digitale Zwilling hilft hier weiter, indem er kontinuierlich Feedback aus der
realen Umgebung in das Modell integriert und es verbessert.
Weitere offene
Fragen im Kontext von Physical AI reichen von der Datenqualität über
Schnittstellen und technologische Standards bis zur Qualifikation von
Mitarbeitenden und der Frage, wie auch kleine und mittlere Unternehmen Zugang
zu Physical AI bekommen.
„Physical AI
ist ein äußerst wichtiges – in meinen Augen sogar das zentrale – Element, um
die autonome Fabrik von einer Vision in eine profitable Realität des
industriellen Alltags zu überführen. Maschinen und Anlagen erhalten dadurch
eine völlig neue Form kognitiver Intelligenz: Sie verstehen ihre Umgebung in
Echtzeit, treffen autonome Entscheidungen und reagieren selbstständig auf
Unvorhergesehenes. Durch die Verschmelzung von Hardware und Künstlicher
Intelligenz entstehen völlig neue Dimensionen industrieller Wertschöpfung.
Damit wird der Weg für eine neue Ära der industriellen Produktion geebnet“,
fasst Jan-Henning Fabian, Head of Research Center Germany bei ABB und Mitglied
des Forschungsbeirats, zusammen.
„Physical AI macht Maschinen und Anlagen
handlungsfähig. Sie sehen, verstehen und entscheiden selbst – direkt in der
Produktion. So werden Anlagen flexibler und robuster. Mittels Physical AI
gelingt uns der Schritt von der klassischen Automatisierung hin zu echter
Autonomie von Produktionssystemen“, ergänzt Matthias Weigold, Leiter des
Instituts für Produktionsmanagement, Technologie und Werkzeugmaschinen an der
Technischen Universität Darmstadt und Mitglied des Forschungsbeirats Industrie
4.0.
FAQ: Physical AI in der Industrie 4.0
1. Was versteht man unter Physical AI?
Physical AI bezeichnet den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in cyber-physischen Systemen, die mit der realen Welt interagieren. Diese Systeme erfassen Daten, analysieren sie und treffen eigenständig Entscheidungen zur Steuerung von Prozessen.
2. Welche Rolle spielen Digitale Zwillinge bei Physical AI?
Digitale Zwillinge dienen als virtuelle Abbilder von Maschinen und Prozessen. Sie ermöglichen Simulationen auf Basis von Echtzeitdaten und bilden die Grundlage dafür, dass Physical-AI-Systeme fundierte Entscheidungen treffen und kontinuierlich optimiert werden.
3. Wie kann Physical AI Produktionsanlagen verbessern?
Durch die Kombination aus Echtzeitdaten, Simulation und KI können Anlagen ihre Betriebsweise selbstständig anpassen. Das führt zu höherer Effizienz, mehr Flexibilität und einer besseren Reaktion auf Störungen.
4. Welche Herausforderungen gibt es bei der Umsetzung?
Zu den größten Herausforderungen zählen Unterschiede zwischen Simulation und Realität, Datenqualität, fehlende Standards sowie die Integration in bestehende Systeme. Auch die Qualifikation von Fachkräften spielt eine wichtige Rolle.
5. Warum sind Vertrauen und menschliche Kontrolle wichtig?
Damit Physical AI erfolgreich eingesetzt werden kann, müssen Systeme nachvollziehbar und sicher sein. Menschen bleiben entscheidend, um Systeme zu überwachen, Entscheidungen in Grenzfällen zu treffen und die KI mit Fachwissen zu unterstützen.