KI und Robotik wachsen zusammen – und verändern die industrielle Automatisierung grundlegend. Plattformbasierte Software ermöglicht es, Roboteranwendungen schneller zu planen, herstellerübergreifend zu skalieren und auch in bestehenden Produktionslinien effizient einzusetzen.
Katharina JessaKatharinaJessaKatharina JessaChief Revenue Officer bei Wandelbots
3 min
Softwaredefinierte Automatisierung: KI-basierte Plattformen ermöglichen es, Roboteranwendungen schneller zu planen, zu simulieren und herstellerübergreifend in die Produktion zu bringen.Stock.adobe.com - KHIAR.PROJECTS
Anzeige
Faktoren wie steigende
Produktionskosten, zunehmend komplexere Produkte und wirtschaftspolitische
Herausforderungen zwingen Industrieunternehmen, neue Wege zu finden, um auf dem
Weltmarkt wettbewerbsfähig zu sein. Softwaredefinierte Automatisierung ist in
dieser Konstellation alternativlos. Viele Unternehmen zögern dennoch, KI und
Robotik zusammenbringen: Sie gehen von hohen Investitionskosten und
Produktionsstopps aus, die bei neuen Lösungen anfallen können.
Diese Bedenken gelten
insbesondere für Bestandsanlagen. Bisher war die direkte Programmierung von
Robotern in der Fertigung oft so komplex, dass Automatisierungsprojekte viel
Zeit beanspruchten und nur begrenzt auf andere Standorte übertragbar waren. Denn
die Programmierlogik unterscheidet sich meist je Hersteller. Durch plattformbasierte
IT-OT-Layer, leistungsfähige Komponenten und erfahrene Systemintegratoren
lassen sich diese Hürden zunehmend abbauen.
Anzeige
Deutschland ist zwar Robotik-Standort:
Es gehört mit der weltweit drittgrößten Roboterdichte zu den Top-Playern in der
Automatisierung, das zeigt eine aktuelle Untersuchung der International
Federation of Robotics (IFR). Doch Roboter allein genügen nicht, um tatsächlich
zukunftsfähige, intelligente Automatisierungslösungen zu schaffen. Erst
angereichert durch KI entfaltet Robotik ihr gesamtes Potenzial und trägt so maßgeblich
zur internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bei.
Homescreen von Wandelbots Nova Operating SystemWandelbots
Ein Beispiel für intelligente Automatisierung ist
TPGen, die neue KI-gestützte Inspektionslösung von Grid Dynamics für die Plattform Wandelbots Nova. Offline-Software und
Simulation als Teil einer durchgängigen Plattform-Governance spielen hier eine
tragende Rolle: Sie sorgen dafür, dass Produktionsstillstände kein Thema mehr
sind, wenn Unternehmen von fortschrittlicher, flexibel skalierbarer
Automatisierung profitieren wollen. Der Plattformansatz von Wandelbots Nova ist nicht an
einen bestimmten Hersteller gebunden, erlaubt globale Standardisierung,
Wiederverwendung und bietet insgesamt eine Roll-out-Fähigkeit auf
Enterprise-Ebene, etwa den Einsatz in verschiedenen Werken eines Unternehmens.
Dadurch verkürzen sich die Planungszeiten und das Betriebsrisiko sinkt.
Beispielanwendung: Oberflächen und Schweißnähte effizient prüfen
Anzeige
Ein beispielhaftes Einsatzszenario und Einstiegspunkt für zahlreiche weitere Use Cases ist die Inspektion von Schweißnähten und Oberflächen, die sich durchintelligente Automatisierung verbessern lässt. Dieser Bereich ist ein Klassiker für Reibungsverluste im Maschinenbau: Die Analyse komplexer Werkstückgeometrien, die Planung von Sensor- und Roboterbahnen sowie die sichere Ausführung der Bewegungsabläufe beschäftigte Fachleute früher oft über Tage oder sogar Wochen. Durch die gezielte Verknüpfung von Software und Robotik lässt sich dieses Prüfverfahren deutlich effizienter gestalten und das vorhandene Fertigungspotenzial besser ausschöpfen.
TPGen illustriert diesen Ansatz in der
Praxis. Entwickelt wurde der automatische Tool-Path-Generator von Grid
Dynamics, einem Softwareunternehmen mit breiter Erfahrung in KI und
physikalischen Anwendungen wie der Robotik. Über Wandelbots Nova lässt sich
TPGen auf mehr als 300 Robotermodelle anwenden, was übergeordnet den Weg für
eine unternehmensweite Standardisierung und eine breit angelegte
Roll-out-Strategie ebnet. Das System unterstützt unterschiedliche Inspektions-
und Verarbeitungsprozesse, etwa automatische Machbarkeitsanalysen und die
Generierung von Werkzeugbahnen, die bislang manuell und zeitaufwendig erfolgen
mussten.
Anzeige
Nova fungiert dabei als
herstellerübergreifende Automatisierungsplattform für Robotik und spannt den
gesamten Bogen von der Geometrielogik bis zu den Roboterbahnen im System. Als
roboterunabhängige Lösung eröffnet Nova Softwareunternehmen wie Grid Dynamics
die Möglichkeit, flexibel softwaregesteuerte Roboteranwendungen zu entwickeln.
Ein Anwendungsszenario ist die automatische Pfadgenerierung aus CAD-Daten, die
selbst bei komplexen Bauteilen funktioniert. Dies impliziert etwa die
Optimierung nach Qualitäts- und Zykluskriterien, damit die besten Bewegungsabläufe
für Roboter entwickelt werden können. Abgerundet wird dies durch eine
Machbarkeitsprüfung, die bewertet, ob sich ein Werkstück mit dem vorhandenen
Sensor oder Roboter prüfen lässt und wo eine Schweißnaht platziert werden kann.
TPGen App auf Wandelbots NovaWandelbots
TPGen ruht auf zwei zentralen Komponenten: Es vereint geometrische
Algorithmen (3D-Analyse, Sichtbarkeits- und Erreichbarkeitsberechnungen,
Pfadoptimierung) mit Robotikfunktionen (Kollisionstests, Bewegungsplanung,
Erreichbarkeitsprüfungen). Die dafür benötigten APIs – etwa für
Reichweitenprüfungen und kollisionsfreie Trajektorien – sind in Nova
eingebunden, sodass TPGen die komplette Prozesskette abdecken kann. SmartRay,
Spezialist für 3D-Sensortechnik, setzt TPGen ein, um seine eigenen
vollintegrierten Lösungen für die Schweißnahtprüfung schneller zu planen und
noch zuverlässiger zu betreiben.
Risikoarm automatisieren
Gerade
für bereits laufende Produktionslinien eröffnet dies eine neue Dimension von
Automatisierung: Die Programmierung findet nicht mehr direkt am Roboter statt,
sondern wird in Software- und Simulationsumgebungen verlagert. Dadurch sinkt das Risiko von Produktionsunterbrechungen, sondern schafft auch eine bessere
Steuerbarkeit, klare Governance-Konformität und eine höhere Vorhersagbarkeit
über Standorte und Systeme hinweg. Ein weiterer Pluspunkt: Haben sich
Bewegungsabläufe bewährt, lassen sich diese auf verschiedene Standorte
übertragen.
Anzeige
Varianten und Toleranzen
lassen sich mit einer derartigen CAD-gestützten Bahngenerierung einfacher
handhaben: Bereits in der Planung werden Unterschiede zwischen Bauteilen und
Vorrichtungen einbezogen. Die Lösung kann aber weit mehr als nur die
Schweißnahtprüfung: Dank ihrer offenen Architektur lassen sich die Algorithmen
und Robotikbausteine ebenso für kamerabasierte Inspektionen, Klebe- und
Lackierapplikationen oder andere Oberflächenbearbeitungen nutzen. So schafft
eine Investition in das System Mehrwert für zahlreiche zukünftige
Einsatzszenarien.
Parallel produzieren und automatisieren
Die Zusammenarbeit macht deutlich, wie offene
Plattformarchitekturen den Einstieg in die industrielle Automatisierung
erleichtern. Auf diese Weise lassen sich KI- und Software-Kompetenz direkt in
bestehende Produktionsumgebungen einbinden, ein wichtiger Parameter für mehr
Effizienz und optimierte Prozesse in der zukunftsfähigen industriellen
Fertigung.
Anzeige
Die Verbindung von KI und Robotik ist ein
Meilenstein in der Industrie. Jetzt, wo die Technologie bereitsteht, ist es
entscheidend, diese auch in Roboterumgebungen zu integrieren. Mit offenen
Plattformen lassen sich ausgereifte KI-Modelle nun auch effizient in realen
Automatisierungsszenarien einsetzen und weiterentwickeln.
Software-first-Konzepte schlagen die Brücke
zwischen KI-Expertise und tatsächlich einsatzbereiter Automatisierung in der
Produktion. In bestehenden Anlagen werden künftig weniger spektakuläre Roboter
im Vordergrund stehen, sondern die Möglichkeit, Lösungen schnell, sicher und
herstellerübergreifend in die Fertigung zu bringen und laufend an neue
Anforderungen anzupassen. Genau hier setzt das Zusammenspiel von TPGen und Wandelbots
Nova an. Wer heute Retrofit-Projekte plant oder Testprozesse skalieren möchte,
sollte frühzeitig auf softwarenative Plattformen setzen, um den Weg für
KI-Anwendungen zu ebnen und so Zeitaufwand und Kosten deutlich zu reduzieren.
FAQ: Softwaredefinierte Automatisierung und die Zukunft der Robotik
1. Was bedeutet softwaredefinierte Automatisierung? Softwaredefinierte Automatisierung beschreibt einen Ansatz, bei dem Roboteranwendungen nicht mehr primär direkt an der Maschine programmiert werden, sondern über offene, plattformbasierte Software gesteuert, geplant und skaliert werden. Dadurch lassen sich Automatisierungsprozesse schneller umsetzen, flexibler anpassen und herstellerübergreifend ausrollen.
2. Warum gewinnt die Verbindung von KI und Robotik in der Industrie an Bedeutung? Weil Industrieunternehmen unter hohem Wettbewerbsdruck stehen: steigende Produktionskosten, komplexere Produkte und wirtschaftspolitische Unsicherheiten verlangen effizientere Prozesse. Erst durch die Kombination von Robotik mit KI entstehen intelligente Automatisierungslösungen, die Produktivität, Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit deutlich verbessern können.
3. Welche Vorteile bietet der Plattformansatz von Wandelbots Nova? Wandelbots Nova ermöglicht eine herstellerunabhängige Automatisierung über viele Robotermodelle hinweg. Das erleichtert Standardisierung, Wiederverwendung und Roll-outs auf Enterprise-Ebene, etwa in mehreren Werken eines Unternehmens. Zusätzlich verkürzt der Ansatz Planungszeiten, senkt Betriebsrisiken und unterstützt die Umsetzung ohne längere Produktionsstillstände.
4. Was ist TPGen und wofür wird es eingesetzt? TPGen ist ein von Grid Dynamics entwickelter KI-gestützter Tool-Path-Generator für Inspektions- und Bearbeitungsprozesse. Die Lösung kann unter anderem Schweißnähte und Oberflächen prüfen, Machbarkeitsanalysen durchführen und automatisch Werkzeugbahnen aus CAD-Daten erzeugen. Damit werden Aufgaben automatisiert, die bislang oft manuell, aufwendig und zeitintensiv waren.
5. Warum ist dieser Ansatz besonders für bestehende Produktionslinien interessant? Weil die Programmierung und Planung in Software- und Simulationsumgebungen verlagert wird, statt direkt am Roboter in der laufenden Fertigung stattzufinden. Das reduziert das Risiko von Produktionsunterbrechungen, erhöht die Planbarkeit und erleichtert die Übertragung bewährter Abläufe auf andere Standorte. Gleichzeitig können Unternehmen bestehende Anlagen schrittweise und risikoarm modernisieren.