Cobot-Schweißen ohne Robotikexpertise

Fraunhofer IPA gewinnt renommierten Robotik-Award 

Fraunhofer IPA, Trumpf und Lorch haben mit einer No-Code-Lösung für Cobot-Schweißen den euRobotics Technology Transfer Award gewonnen. Die Entwicklung macht automatisiertes Schweißen bei kleinen Losgrößen deutlich einfacher und wirtschaftlicher.

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Dank der No-Code-Lösung brauchen Schweißfachkräfte kein spezifisches Roboterwissen und das Schweißen mit Cobot lohnt sich somit auch bei kleinen Stückzahlen und hoher Bauteilvarianz.

Das Fraunhofer IPA hat gemeinsam mit Trumpf und Lorch eine Technologie entwickelt, die kollaborative Schweißroboter revolutioniert: Ein intelligentes Sensor-Add-on ermöglicht erstmals die vollautomatische initiale Planung der Roboterbahn ganz ohne vorherige Programmierung. Mit dieser Lösung bewarb sich das Entwicklungsteam unter dem Projektnamen "TR4CE-Weld – Tracing in Realtime 4 Cobot-Enhanced Welding" für den diesjährigen euRobotics Technology Transfer Award. 

Gestiftet vom europäischen Roboterverband euRobotics und jährlich verliehen auf dem »European Robotics Forum«, setzte sich die Bewerbung mit einem schriftlichen Teil und einem Vortrag direkt auf dem ERF, dieses Jahr im norwegischen Stavanger, durch.  Der Award würdigt seit 2004 herausragende Leistungen beim Transfer von Robotiktechnologie aus der Forschung in die Industrie. Er unterstreicht die entscheidende Rolle des Technologietransfers dabei, die europäische Robotik an der Spitze des globalen Wettbewerbs zu halten. 

Passgenaue Lösung: Knapp dreistellige Anzahl realisierter Roboterzellen

Die prämierte Lösung traf einen entscheidenden Marktbedarf, denn demografischer Wandel und Fachkräfteengpässe verschärfen den Mangel an qualifiziertem Schweißpersonal dramatisch. Automatisierung wird daher auch für kleinere Stückzahlen unverzichtbar, war aber bisher kaum wirtschaftlich umsetzbar – insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Die Kooperation zwischen Forschung und Industrie liefert hier eine praxisgerechte Antwort: Die Handhabung bleibt einfach und schnell – auch ohne tiefgreifendes Expertenwissen.

Die Fachkraft positioniert den Roboter lediglich am Startpunkt der Naht. Ein vorgeschalteter Lasertriangulationssensor erfasst dann die Fügezone selbstständig. Die Software berechnet in Echtzeit Schweißbahn und Brennerausrichtung, sodass der Einsatz innerhalb weniger Sekunden beginnen kann. Der entscheidende Durchbruch: Während bisherige Sensorik-Systeme lediglich vorprogrammierte Bahnen aufgrund von Toleranzen korrigieren, übernimmt die neue Entwicklung die komplette Erstprogrammierung. Abweichungen bei Folgebauteilen werden automatisch kompensiert. Diese Innovation erschließt die effiziente Produktion kleiner Losgrößen mit Cobots auf einem völlig neuen Niveau.

Vertreterinnen und Vertreter des Gewinnerteams vom Fraunhofer IPA sowie von Trumpf und Lorch.

Beide Industriepartner haben Lizenzen erworben und bringen die Technologie bereits seit wenigen Jahren auf den Markt: Trumpf integrierte das System unter dem Namen Smart Seam Tracking in die prämierte Lichtbogen-Schweißzelle TruArc Weld 1000. Lorch bietet die Erweiterung als Seam Pilot für seinen kollaborativen Schweißroboter an.

Bestätigung für intensive Forschungsarbeit

Für das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA ist die Auszeichnung eine Bestätigung für sehr gute praxisnahe Forschung. Die technologischen Grundlagen für diesen Erfolg wurden im Rahmen des KI-Fortschrittszentrums "Lernende Systeme und Kognitive Robotik" mit Förderung des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus des Landes Baden-Württemberg gelegt. So konnte eine exemplarische Lösung entwickelt werden, die vielen Unternehmen einen Mehrwert bietet.

Außerdem existiert zwischen dem Fraunhofer IPA und der Firma Trumpf bereits eine langjährige Kooperation im Rahmen des "S-TEC Lab Flexible Blechfertigung". Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, Forschungsergebnisse erfolgreich in unternehmerische Anwendungen zu überführen. Im Rahmen dessen wurde auch der Transfer der prämierten Lösung ermöglicht.

Weiterentwicklung der Technologie

Der Award beweist, dass selbst in einer der ältesten Robotikdisziplinen wie dem Schweißen noch Innovationspotenzial steckt. Doch das Ende der Fahnenstange ist längst nicht erreicht. So arbeitet das Team am Fraunhofer IPA bereits an einem Transfer auf andere adaptive Roboterprozesse, am Mehrlagenschweißen und auch an der Integration von optischer Qualitätsprüfung in den Cobot. Interessierte Unternehmen mit entsprechenden Use Cases oder Fragestellungen können gern auf das Team des Fraunhofer IPA für einen Proof of Concept zugehen.

FAQ: Cobot-Schweißen von Fraunhofer IPA

1. Wofür wurden Fraunhofer IPA, Trumpf und Lorch ausgezeichnet?
Das Fraunhofer IPA hat gemeinsam mit Trumpf und Lorch den „euRobotics Technology Transfer Award“ gewonnen. Ausgezeichnet wurde der erfolgreiche Transfer einer No-Code-Lösung für das Cobot-Schweißen aus der Forschung in die industrielle Praxis.

2. Was ist das Besondere an der Schweißlösung?
Die Lösung ermöglicht es, kollaborative Schweißroboter ohne Robotikexpertise einzusetzen. Ein Sensor-Add-on erfasst die Fügezone automatisch, während die Software in Echtzeit Schweißbahn und Brennerausrichtung berechnet. Dadurch ist keine vorherige Programmierung der Roboterbahn nötig.

3. Warum ist die Technologie für Unternehmen so relevant?
Die Entwicklung ist vor allem für kleine und mittlere Unternehmen interessant, die kleine Losgrößen wirtschaftlich schweißen wollen. Sie reagiert auf Fachkräftemangel und demografischen Wandel, weil sie Automatisierung deutlich einfacher und schneller nutzbar macht.

4. Wie wird die Technologie bereits am Markt eingesetzt?
Beide Industriepartner haben Lizenzen erworben und die Lösung bereits in ihre Angebote integriert. Trumpf nutzt sie als „Smart Seam Tracking“ in der Schweißzelle „TruArc Weld 1000“, Lorch bietet sie als „Seam Pilot“ für seinen kollaborativen Schweißroboter an.