SoftGripping hat in einem ZIM-geförderten Projekt eine kraftflussoptimierte Fingergeometrie für pneumatische Balggreifer entwickelt. Die GorillaFinger-Serie ermöglicht schnelles, schonendes Handling empfindlicher Lebensmittel, von Filets und Backwaren bis hin zu Salatköpfen oder Wassermelonen – auch bei hoher Last und engem Bauraum.
Friederike KrügerFriederikeKrügerInnovation Consultant bei PFIF Partner für Innovation & Förderung
3 min
Weiche Greiferfinger aus FDA-zugelassenem Silikon gewährleisten das schonende Handling empfindlicher Produkte bei hoher Taktrate.SoftGripping
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Die
Automatisierung in der Lebensmittelindustrie steht vor einer besonderen
Herausforderung: Produkte müssen in immer kürzeren Taktzeiten bewegt werden,
ohne dabei Schaden zu nehmen. Während in anderen Branchen Highspeed-Handling
längst Standard ist, stellen empfindliche Lebensmittel konventionelle
Greiftechnologien vor große Probleme.
Besonders
anspruchsvoll wird es, wenn mehrere Anforderungen gleichzeitig erfüllt werden
müssen: hohe Geschwindigkeit bei schweren Objekten, begrenzte Einbauräume an
Deltarobotern, strikte Hygienevorgaben und die Notwendigkeit, unterschiedliche
Produktformen zu handhaben. Mechanische Greifer können zwar präzise zugreifen,
hinterlassen aber oft Druckstellen auf weichen Produkten. Saugnäpfe
funktionieren nur bei glatten, luftdichten Oberflächen und eignen sich nicht für
poröse oder unregelmäßig geformte Lebensmittel wie Backwaren oder Salat.
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Die Folge:
Viele Handhabungsprozesse in der Lebensmittelproduktion werden nach wie vor
manuell durchgeführt – mit entsprechend hohen Personalkosten und
eingeschränkter Skalierbarkeit. Der Druck auf Unternehmen wächst, diese
Prozesse wirtschaftlich zu automatisieren und zugleich bei wechselnden
Produkten, Formaten und Verpackungen flexibel zu bleiben.
Weiche
Greifer als Lösungsansatz
Eine
vielversprechende Alternative bieten weiche, pneumatische Greifer. Sie bestehen
aus elastischen, luftgefüllten Kammern, die sich beim Aufblasen verformen und
dabei Objekte umschließen. Durch Druckluft dehnen sich die Greiffinger aus und
passen sich der Produktgeometrie an. Die nachgiebige Oberfläche schont
empfindliche Lebensmittel, während die pneumatische Kraftübertragung eine
präzise Dosierung der Greifkraft ermöglicht.
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Der Vorteil
liegt in der Anpassungsfähigkeit: Ein und derselbe Greifer kann
unterschiedliche Produktformen handhaben. Die Flexibilität des Materials
kompensiert Formabweichungen und Toleranzen, ohne dass aufwendige Sensorik oder
Regelungstechnik erforderlich ist.
Allerdings
stießen herkömmliche Balggreifer bei hohen Geschwindigkeiten, erhöhter
Materialhärte und engem Bauraum bislang an physikalische Grenzen. Die
Kraftübertragung war nicht optimal, die Materialbeanspruchung hoch und die
erreichbaren Taktzeiten blieben hinter den Anforderungen der Praxis zurück.
Kraftflussoptimierte
Fingergeometrie als Durchbruch
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Hier setzt SoftGripping
an: Im Rahmen eines vom Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) geförderten
Kooperationsprojekts mit einem Universitätsinstitut entwickelte das junge
Unternehmen eine Fingergeometrie, die die Kraftverteilung im Balgfinger gezielt
verbessert, selbst bei hoher Materialhärte und enger Einbausituation.
Die neue Geometrie
basiert auf einer optimierten Gestaltung der Balgstruktur. Durch gezielte
Anpassung von Wandstärken, Krümmungsradien und Faltengeometrie wird der
Kraftfluss innerhalb des Fingers so gesteuert, dass die Greifkraft kontrolliert
und flächig auf das Produkt übertragen wird. Damit lassen sich lokale
Spannungsspitzen vermeiden, die zu Beschädigungen führen könnten, und
gleichzeitig höhere Kräfte im zulässigen Deformationsbereich erzielen.
Das Ergebnis
ist die sogenannte GorillaFinger-Serie: Balggreifer, die sowohl schwere,
unregelmäßig geformte Objekte sicher handhaben als auch leichte, empfindliche Produkte
in Highspeed-Anwendungen besonders schnell bewegen können. So lassen sich mit
den neuen Greifern Sackwaren, beispielsweise Kartoffeln, mit einem Gewicht von bis
zu vier Kilogramm und sogar Wassermelonen, die bis zu acht Kilogramm wiegen,
handhaben. Möglich wird dies durch eine angepasste Geometrie, die höhere
Traglasten erlaubt, ohne die Vorteile der leichten, pneumatischen Bauweise
aufzugeben. Gleichzeitig können leichtere Produkte, etwa 500-Gramm-Filets, mit
hoher Geschwindigkeit bewegt werden. Die Betriebsdrücke bleiben dabei mit 0,2
bis 1,0 bar im gewohnt niedrigen Bereich, sodass die Systeme weiterhin
energieeffizient und produktschonend arbeiten und die Anforderungen an die
Druckluftversorgung überschaubar bleiben.
Die neue Fingergeometrie ermöglicht präzises Greifen und Platzieren auch bei hoher Belastung und engem Bauraum.SoftGripping
In der
Praxis zeigt sich die Leistungsfähigkeit der Serie auch bei der Handhabung von
Backwaren – von Brötchen über Baguettes bis zu verpackten Keksen. Die Greifer
passen sich den unterschiedlichen Formaten an, ohne dass das Produkt gequetscht
oder deformiert wird. Auch bei voluminöseren Produkten wie Salatköpfen, die pro
Stück mit bis zu 800 Gramm deutlich schwerer sind, arbeiten die Greifer
zuverlässig. Anwendungen, in denen empfindliche Produkte wie Mozzarella,
Teiglinge oder Gemüse mit hoher Taktrate gehandhabt werden müssen, werden
dadurch automatisierbar.
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Ein weiteres
wichtiges Ergebnis des Projekts ist ein Testsystem, mit dem SoftGripping die
Greifer unter realistischen Produktionsbedingungen prüft. Es dient der
Validierung der Greifkräfte sowie der Bewertung von Belastbarkeit, Präzision
und Langlebigkeit. Die Messergebnisse flossen direkt in die Optimierung der
Fingergeometrie ein und ermöglichten eine schrittweise Verbesserung des Designs.
Förderung
als Innovationstreiber
Damit
SoftGripping dieses Ergebnis erreichen konnte, brauchte es neben technischer
Kompetenz auch die passende Förderstrategie. PFIF Partner für Innovation &
Förderung sichtete die Ausgangslage und identifizierte das ZIM als geeigneten
Rahmen. Die Entwicklung der kraftflussoptimierten Fingergeometrie wurde mit
247.500 Euro über zweieinhalb Jahre gefördert.
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Die
Begleitung durch PFIF umfasste die Ausarbeitung der Projektidee, die Erstellung
der Antragsunterlagen, das Fristen- und Dokumentationsmanagement sowie die
Unterstützung bei der Projektabwicklung. SoftGripping erhielt damit einen
strukturierten Rahmen, um das Entwicklungsvorhaben von der Idee bis zur
Umsetzung durchzuführen und Tests in realen Produktionsumgebungen vorzunehmen.
In einem
gemeinsamen Gespräch zum erfolgreichen Projektabschluss zog Alexey Stepanyuk,
Geschäftsführer von SoftGripping, ein positives Resümee: Die neue Geometrie
erfülle die Anforderungen an Langlebigkeit und Belastbarkeit in
Highspeed-Anwendungen und eröffne dem Unternehmen neue Einsatzmöglichkeiten in
der Lebensmittelindustrie. Über die Markteinführung des neuen Produkts hinaus
habe das Vorhaben einen weiteren Effekt gehabt – die Innovationsprozesse seien
im Unternehmen nachhaltig professionalisiert worden.
Neue
Marktsegmente erschlossen
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Die
verbesserte Greiftechnologie verschiebt die Einsatzgrenzen weicher,
pneumatischer Greifer. Neben der Backwarenindustrie profitieren auch Hersteller
von Convenience-Produkten, Fertiggerichten und verpackten Lebensmitteln.
Überall dort, wo empfindliche oder verpackte Produkte schnell, reproduzierbar
und hygienisch gehandhabt werden müssen, kann die kraftflussoptimierte
Fingergeometrie ihre Stärken ausspielen.
Ein weiterer
Vorteil der neuen Geometrie liegt in der Skalierbarkeit: Die Greifer lassen
sich durch modulare Erweiterungen wie Abstandshalter oder Leitbleche an
unterschiedliche Produktgrößen anpassen. Mit nur einem Greifersystem können Anwender
verschiedene Produkte handhaben – von kleinen Keksen bis zu großen Salatköpfen.
Das reduziert die Variantenvielfalt, vereinfacht die Ersatzteilhaltung und
erhöht die Anlagenverfügbarkeit.
Die
Entwicklung zeigt exemplarisch, wie technologische Innovation und strategische
Förderberatung zusammenspielen können. Durch die Kombination aus gezielter
Forschungs- und Entwicklungsarbeit, geeigneter Förderstrategie und praxisnaher
Validierung konnte SoftGripping eine Lösung realisieren, die konkrete
Anforderungen der Lebensmittelindustrie adressiert – und gleichzeitig neue
Marktsegmente erschließt.
FAQ: Kraftflussoptimierte Greifer im Überblick
1. Welche Herausforderung adressiert die neue Greifertechnologie? In der Lebensmittelindustrie müssen empfindliche, oft unregelmäßig geformte Produkte schnell, reproduzierbar und hygienisch gehandhabt werden. Klassische Greifer oder Saugnäpfe stoßen dabei häufig an Grenzen.
2. Was ist das Besondere an der neuen Fingergeometrie? Die Geometrie verbessert den Kraftfluss im pneumatischen Balgfinger. Dadurch wird die Greifkraft kontrollierter und flächiger übertragen, lokale Spannungsspitzen werden reduziert und Produkte werden schonender gehandhabt.
3. Für welche Produkte eignen sich die GorillaFinger-Greifer? Die Greifer können leichte, empfindliche Produkte wie Filets, Backwaren, Teiglinge, Mozzarella oder Gemüse handhaben, aber auch schwerere Objekte wie Sackwaren, Salatköpfe oder Wassermelonen.
4. Welche Rolle spielte PFIF in dem Projekt? PFIF Partner für Innovation & Förderung begleitete SoftGripping strategisch – von der Projektpräzisierung über die Antragstellung bis zur Abwicklung der ZIM-Förderung.
5. Welchen Nutzen haben Anwender in der Praxis? Anwender profitieren von flexibleren Automatisierungslösungen, geringerer Variantenvielfalt, besserer Anpassbarkeit an verschiedene Produktgrößen und der Möglichkeit, bislang manuelle Handlingprozesse wirtschaftlich zu automatisieren.