International Federation of Robotics
Rekordmarke geknackt: Die Robotik-Trends 2026
Mit einem weltweiten Marktwert von 16,7 Mrd. US-Dollar erreichen installierte Industrie-Roboter einen historischen Höchststand. Doch was treibt dieses massive Wachstum an?
Roboter helfen dabei, den Arbeitsplatz für junge Menschen attraktiver zu machen. Unternehmen und Regierungen fördern Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme, um Arbeitnehmern zu helfen, mit den sich ändernden Anforderungen an ihre Fertigkeiten Schritt zu halten und in einer von Automatisierung geprägten Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben.
Marco Manchia
Der
Marktwert installierter Industrie-Roboter hat mit 16,7 Mrd. US$ weltweit einen
neuen Höchststand erreicht. Die Nachfrage wird durch technologische
Innovationen, neue Marktentwicklungen und die Erschließung neuer
Geschäftsfelder weiter angetrieben. Die International Federation of Robotics
berichtet über die wichtigsten Trends, die die Robotik und Automation im Jahr
2026 prägen werden:
1 – KI
und Autonomie in der Robotik
Roboter, die
mithilfe künstlicher Intelligenz selbständig arbeiten, werden immer häufiger
eingesetzt. Wichtigster Vorteil KI-gesteuerter Roboter ist eine deutlich
verbesserte Autonomie, die von verschiedenen KI-Arten unterstützt wird:
Analytische
KI
hilft bei der Verarbeitung großer Datensätze und Mustererkennung und liefert
Erkenntnisse zur praktischen Umsetzung. Roboter können damit beispielsweise in
intelligenten Fabriken eigenständig mögliche Ausfälle prognostizieren oder in
der Intralogistik die Tourenplanung und Ressourcenzuweisung übernehmen.
Generative
KI
ermöglicht hingegen einen Wandel von regelbasierter Automatisierung hin zu
intelligenten, sich selbst weiterentwickelnden Systemen. GenAI kreiert dafür
eigenständig neue Lösungswege und ermöglicht Robotern, neue Fähigkeiten und die
Erledigung von Aufgaben autonom erlernen zu können sowie Trainingsdaten durch
Simulation zu generieren. Dadurch wird auch eine neue Art der
Mensch-Roboter-Interaktion mittels natürlicher Sprache und Gestensteuerung
ermöglicht.
Ein wichtiger
Trend zur Weiterentwicklung der Autonomie in der Robotik ist Agentic AI. Diese
Technologie kombiniert analytische KI für strukturierte Entscheidungsfindung
und generative KI für Anpassungsfähigkeit. Der hybride Ansatz zielt darauf ab,
moderne Robotik in die Lage zu versetzen, selbstständig in komplexen Umgebungen
der realen Welt zu arbeiten.
2 – IT
vernetzt mit OT macht Roboter vielseitiger
Eine steigende
Nachfrage nach möglichst vielseitig einsetzbaren Robotern spiegelt sich im
Markttrend zur verstärkten Konvergenz von Informationstechnologie (IT) und operativer
Technologie
(OT) wider. Die Vernetzung der Datenverarbeitungsleistung der IT mit den
physischen Steuerungsfähigkeiten der OT steigert die Vielseitigkeit der Robotik
durch Echtzeit-Datenaustausch, Automatisierung und fortschrittliche Analysen.
Diese Integration bildet ein grundlegendes Element des digitalen Unternehmens
und der Industrie 4.0. Die IT/OT-Konvergenz bricht dabei Silos auf und schafft
einen nahtlosen Datenfluss zwischen der digitalen und der physischen Welt, was
die Fähigkeiten und die Vielseitigkeit der Robotik erheblich verbessert.
3
–Zuverlässigkeit und Effizienz für humanoide Roboter
Die humanoide
Robotik wächst rasant. Humanoide Roboter für den industriellen Einsatz
gelten als vielversprechende Technologie, wenn Flexibilität gefragt ist,
typischerweise in Umgebungen, die für Menschen konzipiert sind. Vorreiter ist
die Automobilindustrie, aber auch Anwendungen in der Lagerhaltung und Fertigung
rücken weltweit in den Fokus.
Unternehmen
und Forschungseinrichtungen gehen inzwischen über Prototypen hinaus und
arbeiten am Einsatz humanoider Roboter in der realen Welt. Schlüssel zum Erfolg
sind dabei Zuverlässigkeit und Effizienz: Im Wettbewerb mit der traditionellen
Automatisierung müssen humanoide Roboter den hohen industriellen Anforderungen
hinsichtlich Zykluszeiten, Energieverbrauch und Wartungskosten gerecht werden.
Industriestandards definieren zudem Sicherheitsniveaus, Haltbarkeitskriterien
und konsistente Leistungskriterien von Humanoiden in der Fabrikhalle. Humanoide
Roboter, die dabei helfen sollen, fehlende Fachkräfte bei bestimmten Aufgaben
zu kompensieren, müssen zudem eine dem Menschen vergleichbare Geschicklichkeit
und Produktivität erreichen – ebenfalls wichtige Kriterien, um ihre Effizienz
in der Praxis unter Beweis zu stellen.
4 –
Sicherheit und Schutz in der Robotik
Da Roboter
zunehmend neben Menschen in Fabriken und Dienstleistungsbereichen eingesetzt
werden, ist die Gewährleistung ihres sicheren
Betriebs für die Robotikbranche nicht nur wichtig, sondern
unerlässlich. Mit der KI-gesteuerten Autonomie von Robotern verändert sich die
Sicherheitslandschaft grundlegend, was Tests, Validierungen und die menschliche
Aufsicht wesentlich komplexer, aber auch notwendig macht. Dies wird besonders
deutlich beim vorgesehenen Einsatz humanoider Roboter. Robotersysteme müssen
gemäß der ISO-Sicherheitsstandards und klar definierten Haftungsrahmen
konzipiert und zertifiziert werden.
Insbesondere
im Zusammenhang mit KI in
der Robotik und der Konvergenz
von IT und OT ergeben sich eine Reihe von Sicherheitsbedenken,
die eine robuste Governance mit klaren Haftungsregeln erfordern. Die rasche
Verbreitung von Robotersystemen in Cloud-vernetzte und KI-gesteuerte Umgebungen
setzt die industrielle Produktion einer wachsenden Zahl von
Cybersicherheitsbedrohungen aus. Experten verweisen auf eine Zunahme von
Hacking-Versuchen, die auf Robotersteuerungen und Cloud-Plattformen abzielen
und unauthorisierten Zugriff sowie potenzielle Systemmanipulationen
ermöglichen. Da Roboter zunehmend in Arbeitsplätze integriert werden, wachsen
auch die Bedenken hinsichtlich der gesammelten sensiblen Daten – darunter
Video-, Audio- und Sensorströme. Deep-Learning-Modelle, die oft als „Black
Boxes” bezeichnet werden, können Ergebnisse liefern, die selbst für ihre
eigenen Entwickler schwer oder gar nicht nachvollziehbar sind. Die rechtlichen
und ethischen Unklarheiten hinsichtlich der Haftung hat Forderungen nach klaren
Rahmenbedingungen für den Einsatz von KI laut werden lassen.
5 –
Roboter als Verbündete gegen den Fachkräftemangel
Der Fachkräftemangel ist für Arbeitgeber weltweit
ein Problem. Diese unbesetzten Stellen führen dazu, dass die bestehende
Belegschaft zusätzliche Schichten übernehmen muss. Das führt
branchenübergreifend zu Stress und Ermüdung der Beschäftigten. Der gezielte
Einsatz von Robotik und Automation ist eine wichtige Strategie, um dem
Fachkräftemangel zu begegnen. Arbeitgeber profitieren davon, ihre
Mitarbeitenden möglichst frühzeitig in den Transformationsprozess mit
einzubeziehen. Schon bei der Einführung von Robotern spielt die enge
Zusammenarbeit mit der Belegschaft eine entscheidende Rolle, um die Akzeptanz
sicherzustellen – sowohl in der industriellen Fertigung als auch in den
vielfältigen Dienstleistungsanwendungen. Die Vorteile, die Roboter bieten, den
Fachkräftemangel zu kompensieren, Routineaufgaben zu übernehmen oder neue
Karrieremöglichkeiten zu eröffnen, führen dazu, dass sie als Verbündete am
Arbeitsplatz akzeptiert werden. Gleichzeitig helfen Roboter dabei, den
Arbeitsplatz für junge Menschen attraktiver zu machen. Unternehmen und
Regierungen fördern Qualifizierungs- und Weiterbildungsprogramme, um
Arbeitnehmern zu helfen, mit den sich ändernden Anforderungen an ihre
Fertigkeiten Schritt zu halten und in einer von Automatisierung geprägten
Wirtschaft wettbewerbsfähig zu bleiben.