MES ist etabliert – doch die Skalierung bleibt die Hürde
Manufacturing Execution Systems sind in der Industrie weit verbreitet. Eine Studie von Rockwell Automation und Plex zeigt jedoch: Viele Unternehmen betreiben ihre MES-Lösungen weiterhin isoliert. Fehlende Integration erschwert die unternehmensweite Nutzung von Daten, KI und standardisierten Prozessen.
Der Report von Rockwell Automation und Plex zeigt: MES sind in der Industrie weit verbreitet, doch die unternehmensweite Integration, Datennutzung und Skalierung bleiben zentrale Herausforderungen.
Rockwell Automation
Manufacturing Execution Systems (MES) gehören inzwischen für viele Industrieunternehmen zur digitalen Grundausstattung. Laut dem Report „Scaling MES Across the Enterprise“ verfügen 93 Prozent der befragten Hersteller über ein MES. Doch nur 28 Prozent haben die Systeme unternehmensweit ausgerollt. Weitere 51 Prozent haben MES über mehrere Standorte hinweg standardisiert.
Für den Report wurden weltweit 1.560 Entscheidungsträger für Hardware, Software und Dienstleistungen aus der Fertigung und industriellen Produktion befragt. Sie stammen aus 17 führenden Industrieländern und aus Unternehmen der diskreten, prozess- und hybriden Fertigung. 58 Prozent arbeiten in Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde US-Dollar.
MES-Systeme arbeiten häufig noch isoliert
Die hohe Verbreitung allein bedeutet dem Report zufolge noch nicht, dass Unternehmen das Potenzial ihrer MES-Lösungen vollständig ausschöpfen. Lediglich 23 Prozent der Befragten verfügen nach eigenen Angaben über ein vollständig integriertes MES.
Der Report empfiehlt, MES frühzeitig mit ERP-, Qualitäts- und OT-Systemen zu verbinden, damit Daten unternehmensweit fließen können. Fehlende Integration führt dagegen zu getrennten Systemlandschaften, die den standortübergreifenden Datenfluss und die Transparenz in der Produktion einschränken.
33 Prozent der Unternehmen bezeichnen die Datenintegration im Zusammenhang mit MES als eine ihrer größten Herausforderungen. Entsprechend hoch ist die Bedeutung des Themas bei Investitionsentscheidungen: 44 Prozent nennen die Integrationsfähigkeit als wichtigstes Kriterium beim Kauf eines MES. Damit ist sie zugleich die am häufigsten genannte Anforderung und Modernisierungsherausforderung.
KI-Ambitionen treffen auf unzureichende Datenstrukturen
Die Integration der Produktionssysteme gewinnt auch durch den zunehmenden Einsatz künstlicher Intelligenz an Bedeutung. Die befragten Hersteller erwarten, dass bereits innerhalb eines Jahres 42 Prozent ihrer Fertigungsprozesse durch KI unterstützt werden. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 54 Prozent steigen. Die dafür benötigte Datenbasis ist jedoch vielerorts noch nicht ausreichend entwickelt. 43 Prozent der Hersteller räumen ein, die von ihnen erhobenen Daten nicht effektiv zu nutzen.
Unternehmen, die mit ihren Daten bereits einen messbaren Nutzen erzielen, setzen sie unter anderem für KI- und Machine-Learning-Anwendungen ein. 38 Prozent dieser Unternehmen nennen entsprechende Anwendungen als Einsatzfeld. Weitere Schwerpunkte sind das Qualitätsmanagement mit 36 Prozent und die Prozessoptimierung mit 35 Prozent.
Cybersicherheit wird zur MES-Anforderung
Mit der Vernetzung von Werken, Systemen und Lieferketten wächst zugleich die Angriffsfläche. 46 Prozent der befragten Hersteller waren nach eigenen Angaben innerhalb des vergangenen Jahres von einem Cybervorfall betroffen. Sicherheit und Compliance rangieren deshalb inzwischen direkt hinter der Integrationsfähigkeit. 43 Prozent bewerten beide Aspekte als wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines MES.
Der Report empfiehlt, Widerstandsfähigkeit nicht nachträglich auf bestehende Systeme aufzusetzen. Sicherheits-, Compliance- und Anpassungsfunktionen sollten vielmehr von Beginn an in die Systemarchitektur und die operativen Prozesse integriert werden.
Hersteller berichten von messbaren Ergebnissen
Der Report nennt mehrere Anwendungsbeispiele für umfassend integrierte MES-Lösungen. Portland Bottling Company erreichte demnach eine Bestandsgenauigkeit von 99 Prozent und eine Versandgenauigkeit von 100 Prozent. Gleichzeitig sei die Produktivität um zehn Prozent gestiegen.
Moldtech reduzierte laut dem Bericht seine Ausschusskosten um 50 Prozent und verbesserte die Effizienz um bis zu 20 Prozent. Allein im ersten Quartal seien Einsparungen von 25.000 US-Dollar erzielt worden.
Als Grundlage dieser Ergebnisse nennt der Report unter anderem Echtzeitinformationen zu Lagerbeständen, Produktionskennzahlen und Ausschuss sowie eine einheitliche Datenbasis für Kostenberechnungen.
Sieben Schritte für die unternehmensweite MES-Nutzung
Für die Skalierung von MES-Lösungen leitet der Bericht konkrete Handlungsschritte ab. Zunächst sollten Unternehmen ihre MES-Strukturen standortübergreifend standardisieren und die Integration mit ERP-, Qualitäts- und OT-Systemen von Beginn an berücksichtigen.
Darüber hinaus sollten Zuständigkeiten zwischen IT, OT und Produktion abgestimmt sowie gemeinsame Kennzahlen definiert werden. Daten müssten nicht nur gesammelt, sondern direkt in operative Entscheidungen, Warnmeldungen und automatisierte Abläufe eingebunden werden.
Weitere Schritte sind der Aufbau einer vernetzten und kontextbezogenen Datenumgebung für KI-Anwendungen sowie die Integration von Sicherheit und Compliance in die Systemarchitektur.
Der letzte Punkt betrifft die Beschäftigten. 37 Prozent der Hersteller sehen das Change Management als wesentliches Hindernis für ihre Belegschaft. Im Durchschnitt nahmen 40 Prozent der Beschäftigten im vergangenen Jahr an Weiterbildungs- oder Umschulungsprogrammen teil. 39 Prozent der Unternehmen setzen KI und Machine Learning ein, um Qualifikationslücken zu adressieren.
FAQ: MES in der Industrie
1. Wie viele Hersteller setzen bereits ein MES ein?
Laut dem Report verfügen 93 Prozent der befragten Hersteller über ein Manufacturing Execution System.
2. Wie viele Unternehmen haben ihr MES unternehmensweit ausgerollt?
28 Prozent haben MES unternehmensweit implementiert. Weitere 51 Prozent nutzen standardisierte Lösungen an mehreren Standorten.
3. Was ist die größte Herausforderung bei der MES-Skalierung?
Die Integration mit anderen Unternehmens- und Produktionssystemen gilt als zentrale Herausforderung. Nur 23 Prozent verfügen über ein vollständig integriertes MES.
4. Welche Rolle spielt MES für künstliche Intelligenz?
MES kann die Datenbasis für KI-Anwendungen bereitstellen. Voraussetzung sind jedoch integrierte Systeme sowie verfügbare, kontextbezogene und nutzbare Produktionsdaten.
5. Warum werden Sicherheit und Compliance wichtiger?
Mit zunehmender Vernetzung wächst die Angriffsfläche. 46 Prozent der befragten Hersteller berichteten von einem Cybervorfall innerhalb des vergangenen Jahres.