Additive Fertigung mit PC-based Control

Metallteile industriell reproduzierbar fertigen

IRPD setzt bei seiner additiven Werkzeugmaschine Impact 4530 auf PC- und EtherCAT-basierte Steuerungs- und Antriebstechnik von Beckhoff. So entstehen Metallteile im LPBF-Verfahren mit hohem Durchsatz, stabiler Prozessführung und durchgängiger Überwachung.

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Bauraum der additiven Werkzeugmaschine mit einem komplexen Metallbauteil
Bauraum der additiven Werkzeugmaschine mit einem komplexen Metallbauteil

Hauptkundensegmente des Mutterkonzerns United Machining Solutions und damit auch Anwendungsbereiche der additiven Werkzeugmaschinen sind Automobilhersteller und -zulieferer sowie die Luftfahrtindustrie und Schneidwerkzeughersteller „In der additiven Fertigung müssen Teile bei Anschlussflächen oft nachbearbeitet werden. Unser Mutterkonzern liefert hierfür die passenden Anlagen, was die vertikale Integration des Produktionsprozesses erleichtert und dem Kunden eine durchgängige Lösung bietet“, erklärt Stefan Lang, CEO von IRPD. 

Dr. Kai Gutknecht, Leiter Prozess- und Softwareentwicklung bei IRPD, ergänzt: „In unseren Zielmärkten wird vor allem ein durchgängig effizienter Prozess gefordert. Dementsprechend lag der Fokus bei der Maschinenentwicklung insbesondere auf einer hohen Anzahl sowie der reproduzierbar hohen Qualität der produzierten Teile. Das beginnt mit dem großen Baufeld, den vier 1.000-W-Faserlasern, dem auf schnelle Job- und Materialwechsel ausgerichteten Containerkonzept und reicht bis zur thermisch und mechanisch stabilen Produktionsumgebung, zur Vorbereitung für die Automation und zur vollständigen Überwachung des Produktionsprozesses.“

LPBF-Anlage mit Werkzeugmaschinenstandard

Herzstück der Komplettanlage Impact Fab ist die Werkzeugmaschine Impact 4530 zur additiven Herstellung von Metallteilen. Dabei ermöglicht die Laser Powder Bed Fusion (LPBF) die flexible Fertigung qualitativ hochwertiger Teile aus unterschiedlichsten Metallen. Hinzu kommt die Entpulverungs- und Recyclinganlage PM1, die das übrig gebliebene Metallpulver aus dem Baubehälter entfernt, unter inerten Bedingungen siebt und für künftige Aufgaben in den Pulverbehälter befördert. Weitere Anlagenkomponenten sind die Ladestation LS1, mit der die Bauplatten aus dem Container gehoben werden, sowie das Handlingmodul HM1, um die Container zwischen den einzelnen Produktionstationen zu bewegen.

Die IRPD-Experten (2.-4.v.l.) Stefan Lang, CEO, Dr. Kai Gutknecht, Leiter Prozess- und Softwareentwicklung, Dominik Lenherr, Software-Ingenieur Automation. Vor der Werkzeugmaschine Impact 4530 und zwischen René Zuberbühler (l.), Geschäftsführer Beckhoff Schweiz, und Christoph Nessler (r.), Leiter des Beckhoff Vertriebsbüros Arbon
Die IRPD-Experten (2. bis 4. v.l.) Stefan Lang, CEO, Dr. Kai Gutknecht, Leiter Prozess- und Softwareentwicklung, Dominik Lenherr, Software-Ingenieur Automation. Vor der Werkzeugmaschine Impact 4530 und zwischen René Zuberbühler (l.), Geschäftsführer Beckhoff Schweiz, und Christoph Nessler (r.), Leiter des Beckhoff Vertriebsbüros Arbon

Die Impact 4530 selbst besteht aus zwei Hauptkomponenten: den Maschinenkern für den eigentlichen additiven Fertigungsprozess sowie die Versorgungseinheit zur Aufbereitung diverser Medien. „Der Maschinenkern ist größtenteils als Gusskonstruktion ausgeführt, um thermisch und mechanisch einen stabilen und reproduzierbaren Prozess sicherzustellen. Das Rüsten der Maschine erfolgt über zwei würfelförmige Container, einerseits für den Bauprozess und andererseits für das Bevorraten des Metallpulvers als Ausgangsmaterial. Durch das automatisierte Einbringen und Andocken der Container wird der Rüstprozess beschleunigt und vereinheitlicht, sodass sich minimale Stillstandzeiten ergeben und der Start eines Baujobs reproduzieren lässt“, erläutert Dominik Lenherr, Software-Ingenieur Automation bei IRPD, den Prozessablauf.

Sind die Container in der Maschine hermetisch angedockt, wird zeiteffizient eine hochwertige Prozessatmosphäre erstellt. Anschließend trägt eine horizontale Achse Metallpulverschichten auf einer Bauplatte auf, welche im Anschluss von mehreren Lasern aufgeschmolzen und zum gewünschten Bauteilquerschnitt verschweißt werden. Nach dem Absenken der Bauplatte um eine Schichtstärke von typischerweise einigen hundertstel Millimetern wird neues Pulver aufgetragen und der Prozess wiederholt sich. Zentrale Komponenten hierbei sind vor allem die Laser sowie die Galvanometerscanner, mit deren Hilfe der Laserstrahl mikrometergenau und schnell bewegt werden können. Abgerundet wird das System von diversen Überwachungslösungen sowie der intuitiven, bei allen Maschinen von United Machining Solutions eingesetzten Bediensoftware C.O.R.E. (Customer Oriented Revolution), die über eine einfache ADS-Schnittstelle mit der TwinCAT-Steuerung von Beckhoff kommuniziert.

Anforderungen an die Automatisierung

Die One Cable Technology der Beckhoff Servomotoren AM8000 reduziert deutlich den Verkabelungsaufwand und die Gefahr von Verdrahtungsfehlern.
Die One Cable Technology der Beckhoff Servomotoren AM8000 reduziert deutlich den Verkabelungsaufwand und die Gefahr von Verdrahtungsfehlern.

Die optimale Ausgangssituation für die Wahl der passenden Automatisierungstechnik hebt Stefan Lang hervor: „Da mit dem Impact-Projekt für IRPD ein komplett neuer Technologiesektor erschlossen wurde, konnte die Steuerungsplattform genau abgestimmt auf die spezifischen Anforderungen der additiven Fertigung ausgewählt werden. Für PC-based Control mit TwinCAT haben die Systemoffenheit, die moderne Entwicklungsumgebung und die innovativen Produkte von Beckhoff gesprochen. Hinzu kam der PC-basierte Steuerungsansatz an sich, der interessante Möglichkeiten im Hinblick auf eine schlanke, einfach erweiterbare Gesamtsystemarchitektur eröffnet.“

PC-based Control von Beckhoff steuert bei der Impact 4530 alle hardwarebezogenen Maschinenfunktionen bis auf die Bewegung des Lasers über das Pulverbett. Hierzu zählen unter anderem mechanische Achsen, Pneumatik, Maschinensicherheit, Schutzgaszirkulation und Kühlung. Hardwarekern der Steuerung ist der Schaltschrank-Industrie-PC C6675. „Ein Ziel war eine Systemarchitektur mit möglichst wenigen und niederschwelligen Schnittstellen. Grundlage dafür ist ein leistungsstarkes Zentralsystem, das Steuerungs- und Hochsprachensoftware auf einer Hardware abbildet – der C6675. Derzeit nutzen wir dessen hohe Rechenleistung zwar noch nicht voll aus, obwohl darauf neben Windows bereits die SPS sowie die Vision- und die ressourcenintensive C.O.R.E.-Applikation ablaufen. Im Rahmen der Weiterentwicklung werden allerdings noch weitere Applikationen wie die Prozessüberwachung über Kameras, Big-Data- und Machine-Learning-Anwendungen sowie zusätzliche Prozessregelungen hinzukommen“, so Dr. Kai Gutknecht.

Die anwendungsorientierte Lösung von Automatisierungsaufgaben wurde aus Sicht von IRPD auch optimal durch die modulare Software TwinCAT unterstützt. So konnte mit TwinCAT Vision eine Kamera zur Prozessüberwachung schnell und einfach in das Steuerungssystem integriert werden. Hinzu kommt, so Dominik Lenherr, dass durch die direkte Ausführung der Bildverarbeitungsalgorithmen in der Steuerungsumgebung eine taktgenaue und zu den Maschinenabläufen synchrone Bilddatenerfassung möglich ist, ohne dabei umständliche Schnittstellen aufbauen und pflegen zu müssen. „Die TwinCAT-Bibliotheken, wieTwinCAT HMI, Motion und eben Vision, unterstützen mit ihren vorgefertigten Funktionsbausteinen umfassend bei der Programmierung, Inbetriebnahme und Diagnose der verschiedenen Softwarekomponenten. Gerade die durchgängige Fehlersuche und Analyse sehe ich als einen der größten Vorteile im TwinCAT Engineering an. Mit TwinSAFE ist zudem die Maschinensicherheit nahtlos integriert, sodass wir nicht mit verschiedenen Tools arbeiten und nur eine Software pflegen müssen“, so Lenherr.

Die I/O-Ebene umfasst neben den EtherCAT- und TwinSAFE-Klemmen der EL-Serie auch die kompakten und dezentral installierbaren EtherCAT- und TwinSAFE-Box-Module der EP-Serie.
Die I/O-Ebene umfasst neben den EtherCAT- und TwinSAFE-Klemmen der EL-Serie auch die kompakten und dezentral installierbaren EtherCAT- und TwinSAFE-Box-Module der EP-Serie.

Effizienz bei Motion Control und EtherCAT-Kommunikation

Von den TwinCAT-Funktionsbausteinen profitiert IRPD auch bei der Bewegungssteuerung: „Wir setzen unter anderem die Standardfunktionen MC_MoveAbsolute, MC_Jog und MC_Reset ein, was für uns den Programmieraufwand deutlich reduziert. Realisiert sind die zugehörigen Servoachsen mit dem sehr kompakten Multiachs-Servosystem AX8000 und den Servomotoren AM8000. Dabei bietet uns insbesondere die One Cable Technology (OCT) Vorteile, da sich damit die Anlagenverkabelung deutlich vereinfacht und bei der Installation weniger Fehler auftreten können. Zudem sieht unsere Anlage für den Transport eine Trennstelle vor, bei der die minimierte Verkabelung beim Auftrennen viel Zeit spart“, erklärt Dr. Gutknecht.

Die EtherCAT-Kommunikation trägt zudem zur Anlageneffizienz bei, insbesondere im Rahmen der Inbetriebnahme. Ein gutes Beispiel sei laut Dominik Lenherr die Hot-Connect-Funktionalität von EtherCAT, die beispielsweise bei einem Beschichter genutzt wird. Dieser stehe in einer Ausführung mit und ohne Antriebsregler zur Verfügung und könne bei Bedarf per Hot Connect einfach und schnell ausgetauscht werden, ohne dass das Gesamtsystem herunterfahren muss beziehungsweise notwendige Diagnosen zu unterbrechen sind. Dies komme zusammen mit der automatischen Teilnehmeradressierung auch hinsichtlich der Modularität von PC-based Control zum Tragen. So könne bei wechselnden Anforderungen zum Beispiel über die EtherCAT-Box-Module der EP-Serie in Schutzart IP67 einfach eine übergeordnete Steuerung hinzukommen, ohne dass eine aufwendige Adressierung erforderlich wäre.

Zum Beckhoff I/O-Portfolio ergänzt er abschließend: „Ein klarer Vorteil der EtherCAT-I/Os von Beckhoff ist deren kompakte Bauweise, die bei der Anlage viel Platz spart. Hinzu kommt das äußerst breite Komponentenspektrum, das wir so am Markt sonst nicht finden konnten. Gute Beispiele sind die Multifunktions-EtherCAT-Box-Module mit ihren kombinierten analogen und digitalen Ein- und Ausgängen sowie die TwinSAFE-Box-Module zum direkten Anschluss der sicheren Feldsensorik.“

Automation NEXT Conference 2026

Datum: 30. September 2026

Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm

Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.

Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.

Themenschwerpunkte:

• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion

• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels

• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und MES-Systeme

• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit

Teilnehmer:

Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.

Besonderheiten:

• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung

• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug

• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe

Weitere Informationen & die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.

FAQ: Additive Fertigung mit PC-based Control

1. Welche Vorteile bietet die additive Werkzeugmaschine Impact 4530 von IRPD?
Die Impact 4530 ermöglicht die industrielle Fertigung von Metallbauteilen im Laser Powder Bed Fusion (LPBF)-Verfahren mit hohem Durchsatz, reproduzierbarer Qualität und einer durchgängigen Prozessüberwachung. Automatisierte Materialwechsel und eine stabile Prozessumgebung reduzieren Stillstandszeiten und erhöhen die Effizienz.

2. Warum setzt IRPD bei der Steuerung auf PC-based Control von Beckhoff?
Nach Angaben von IRPD überzeugten vor allem die Offenheit der Plattform, die moderne TwinCAT-Entwicklungsumgebung sowie die Möglichkeit, Steuerungs- und Hochsprachenanwendungen auf einer gemeinsamen Hardware zu betreiben. Dadurch lässt sich die Maschinenarchitektur schlank und flexibel erweitern.

3. Welche Aufgaben übernimmt die Beckhoff-Automatisierung in der Impact 4530?
Die Steuerung übernimmt nahezu alle hardwarebezogenen Maschinenfunktionen – darunter Achssteuerung, Pneumatik, Schutzgaszirkulation, Kühlung und Maschinensicherheit. Ergänzend unterstützt TwinCAT Vision die kamerabasierte Prozessüberwachung und TwinSAFE integriert die funktionale Sicherheit in die Steuerungsplattform.

4. Wie trägt EtherCAT zur Effizienz der Anlage bei?
EtherCAT vereinfacht unter anderem die Inbetriebnahme und den modularen Anlagenaufbau. Dank Hot-Connect-Funktion können bestimmte Module ausgetauscht oder ergänzt werden, ohne das Gesamtsystem herunterzufahren. Zudem erleichtert die automatische Teilnehmeradressierung spätere Erweiterungen der Anlage.

5. Welche Vorteile bietet die Motion-Control- und Antriebstechnik von Beckhoff in der Anwendung?
IRPD nutzt TwinCAT-Motion-Funktionsbausteine sowie das Multiachs-Servosystem AX8000 mit Servomotoren der AM8000-Serie. Die One Cable Technology (OCT) reduziert den Verkabelungsaufwand, vereinfacht die Installation und minimiert potenzielle Verdrahtungsfehler.