Welche Roboter arbeiten in der Fabrik der Zukunft?
Eine aktuelle Robotik-Studie von Reichelt Elektronik zeigt einen Blick in die Produktionsstätten der deutschen Industrie: Welche Arten von Robotern werden dort am häufigsten eingesetzt und lösen Cobots klassische stationäre Roboter in Zukunft ab?
Redaktion Automation NEXTRedaktionAutomation NEXT
3 min
Humanoide Roboter und Cobots übernehmen in der Fabrik der Zukunft immer mehr Aufgaben – von der Montage bis zum Materialtransport.Stock.adobe.com - umut hasanoglu
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Als
eines der Länder mit der größten Roboterdichte weltweit ist es nicht
verwunderlich, dass 85 Prozent der befragten deutschen Unternehmen Roboter einsetzen.
Mehr als die Hälfte (55 %) nutzt stationäre Roboter, die typischerweise
festinstalliert und automatisch in eingehausten oder abgegrenzten Bereichen und
ohne direkte Berührung mit dem Menschen arbeiten. Zudem haben bereits 41
Prozent kleinere, leichtgewichtigere Modelle wie Cobots oder andere Roboterarme
im Einsatz. Diese können flexibel eingesetzt werden und sind oft ausdrücklich
für das Arbeiten Seite an Seite mit Menschen konzipiert.
Fast
ebenso viele (39 %) setzten mobile Roboter, wie etwa selbstfahrende Plattformen
oder mobile Manipulatoren ein. Darunter versteht man rollende oder laufende
Roboter, die mit einem zusätzlichen Greifarm ausgestattet sind. Sieben Prozent
haben sogar schon in einen humanoiden Roboter investiert – also einem Roboter,
der in Körperform und Bewegungsart einem Menschen nachempfunden ist.
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Auch
die Pläne für Investitionen in Robotik zeigen das hohe Interesse der
Unternehmen. Die meisten (41 %) planen innerhalb der nächsten zwei Jahre die
Anschaffung von Cobots, während mehr als ein Drittel (36 %) über den Kauf eines
mobilen Roboters nachdenkt. Die Investition in stationäre Roboter steht dagegen
nur bei 32 Prozent auf dem Plan. Jedes fünfte Unternehmen (20 %) möchte
innerhalb der nächsten zwei Jahre einen humanoiden Roboter kaufen.
Lösen Cobots die stationären Roboter ab?
Laufen
Cobots den stationären Robotern also den Rang ab? Fast zwei Drittel (63 %) der
Befragten gibt an, in Zukunft Roboterarme den stationären Robotern vorzuziehen.
Diese Entscheidung ist nicht allein dem niedrigeren Preis geschuldet. Zwar
geben 57 Prozent an, dass ihre Entscheidung für den Cobot primär preisgetrieben
war, doch noch mehr (74 %) finden, dass Cobots Fähigkeiten bieten, die
klassische Roboter nicht haben.
„Ohne
Frage erleben die kleineren, flexibel einsetzbaren Roboterarme derzeit großes
Interesse“, kommentiert Malte Janßen, Product Management, Robotics &
Electromechanical Components bei Reichelt Elektronik. „Mit den rasant
fortschreitenden technischen Neuerungen der letzten Jahre haben sie sich einen
festen Platz in den Fabriken erworben. Besonders für kleinere und
mittelständische Unternehmen eröffnen Cobots neue Möglichkeiten. So zeigt die
Umfrage, dass 57 Prozent keine Roboter im Einsatz hatten, bevor sie in Cobots
investierten. Besonders für schwere Lasten oder hohe Leistungsanforderungen
wird man stationäre Roboter zwar immer brauchen, doch die Umfrage zeigt
eindeutig (88 % Zustimmung): Cobots haben sich als wichtige Ergänzung zu den
klassischen stationären Robotern etabliert.“
Neue Technologien erweitern Einsatzgebiete
63 Prozent der befragten Unternehmen bevorzugen künftig Cobots gegenüber stationären Robotern.Reichelt Elektronik
Die
meisten Unternehmen setzen auf Roboter, wenn Arbeitsschritte körperlich
besonders fordernd (53 %) oder repetitiv (45 %) sind. Am häufigsten führen sie
dabei Pick-and-Place-Arbeitsschritte (46 %) durch oder transportieren
Gegenstände (44 %). Jedoch gibt es auch eine Vielzahl von spezialisierteren
Arbeitsschritten, für die sie regelmäßig eingesetzt werden – darunter
Schneiden, Löten, Palettieren, Verpacken oder Zusammenfügen. Humanoide Roboter,
die derzeit erst selten eingesetzt werden, sollen Menschen bei physisch
anstrengenden Aufgaben unterstützen (54 %) oder repetitive Aufgaben übernehmen.
Einzelne Unternehmen gaben zudem an, humanoide Roboter in KI-gesteuerten
Testumgebungen zu nutzen, um weitere Arbeitsschritte zu automatisieren.
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Zwei
Technologien haben den Unternehmen in den letzten Jahren am meisten geholfen,
um ihren Einsatz von Robotern noch effizienter zu gestalten: Die Nutzung von
KI, durch die Roboter noch komplexere Aufgaben ausführen können (42 %) und
bessere Sensortechnologie, die Roboter die Umgebung noch besser erkennen lässt
(auch 42 %). Weitere nützliche Technologien sind Sensoren, die Robotern einen
noch genaueren Tastsinn geben (32 %) und leistungsfähigere Software, durch die
Roboter komplexere Aufgaben umsetzen können (31 %). Dazu zählt zum Beispiel die
Steuerung von Roboterarmen mit mehreren Gelenken und in unterschiedliche
Richtungen.
Auf dem Weg zur Dark Factory – bald zu 100 Prozent
automatisch?
Heute
führen Roboter in den meisten Unternehmen (69 %) bis zu 40 Prozent der Aufgaben
durch. Knapp zehn Prozent lassen mehr als 60 Prozent des Herstellungsprozesses
von Robotern ausführen. Das soll sich nach Meinung der meisten Unternehmen
ändern. Schon in fünf Jahren, so meinen 59 Prozent der Befragten, wird der
Herstellungsprozess vollständig automatisiert laufen. Fast ebenso viele (56 %)
stimmen auch zu, dass Robotik der Schlüssel ist, um den Fachkräftemangel jetzt
und in der Zukunft zu bekämpfen.
Bereits
in den letzten Jahren hat sich das Budget für Robotik-Investitionen in knapp
jedem dritten Unternehmen (62 %) erhöht und für 16 Prozent sogar signifikant. Um
noch einfacher in Robotik investieren zu können, wünschen sich die Unternehmen
vor allem günstigere Modelle (38 %), einfachere Programmierung (28 %), mehr
Möglichkeiten, Roboter für individuelle Anwendungsfälle zu personalisieren
(27 %) sowie einen einfacheren Zugang zu Fördermitteln (auch 27 %).
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FAQ: Roboter in der Fabrik der Zukunft
1. Welche Robotertypen werden in deutschen Fabriken aktuell am häufigsten eingesetzt? Am häufigsten kommen stationäre Roboter zum Einsatz: 55 Prozent der befragten Unternehmen nutzen sie bereits. Danach folgen Cobots und andere Roboterarme mit 41 Prozent sowie mobile Roboter mit 39 Prozent. Humanoide Roboter spielen bislang mit sieben Prozent noch eine untergeordnete Rolle.
2. Warum gewinnen Cobots in der Industrie an Bedeutung? Cobots sind flexibel einsetzbar, leichter in bestehende Prozesse zu integrieren und oft für die Zusammenarbeit mit Menschen ausgelegt. Laut Studie planen 41 Prozent der Unternehmen, in den kommenden zwei Jahren in Cobots zu investieren. Viele sehen in ihnen zudem Fähigkeiten, die klassische stationäre Roboter nicht in gleicher Weise bieten.
3. Für welche Aufgaben werden Roboter in der Produktion eingesetzt? Roboter übernehmen vor allem körperlich anstrengende und repetitive Tätigkeiten. Besonders häufig werden sie für Pick-and-Place-Prozesse, Transportaufgaben, Palettieren, Verpacken, Schneiden, Löten oder das Zusammenfügen von Bauteilen eingesetzt. Sie entlasten Mitarbeitende und erhöhen zugleich die Effizienz in der Fertigung.
4. Wird die Produktion bald vollständig automatisiert sein? Viele Unternehmen halten eine vollständige Automatisierung in den kommenden Jahren für realistisch: 59 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass der Herstellungsprozess in fünf Jahren komplett automatisiert ablaufen könnte. Aktuell ist das allerdings noch Zukunftsmusik, da Roboter in den meisten Unternehmen bislang nur einen Teil der Aufgaben übernehmen.