Die Speaker der Automation NEXT Conference 2026 im Interview
„Es braucht ein echtes Empowerment of People“
Von der Pilotphase zur skalierbaren Smart Factory: Prof. Lukas Budde zeigt am 30. September auf der Automation NEXT Conference 2026, warum Technologie allein nicht reicht, wie der „Smart Factory Navigator“ Orientierung schafft und weshalb echtes „Empowerment of People“ der Schlüssel für erfolgreiche Transformation ist.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
2 min
Smart Factory braucht mehr als Technologie: Entscheidend sind klare Orientierung, skalierbare Use Cases und Mitarbeitende, die Transformation aktiv mitgestalten.OpenAI
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Redaktion: Herr Prof. Budde, viele Unternehmen sprechen seit Jahren über die Smart Factory – warum ist die Umsetzung oft noch so schwierig?
Lukas Budde, Vice Director Institute for Production and Supply Chain Management an der Universität St. GallenUniversität St. Gallen
Prof. Lukas Budde: Die Umsetzung ist komplex, weil viele Abhängigkeiten zwischen IT, Infrastruktur, Prozessen, Technologien und den beteiligten Menschen bestehen. Häufig fehlt ein klares Verständnis dafür, welche Maßnahmen welchen konkreten Nutzen bringen. Dabei ist die Smart Factory nicht nur eine technologische Herausforderung. Entscheidend ist, die Mitarbeitenden mitzunehmen, sie zu befähigen und sie zu aktiven Gestaltern der Transformation zu machen.
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Redaktion: Was unterscheidet erfolgreiche Transformationsprojekte von denen, die nicht über Pilotphasen hinauskommen?
Budde: Erfolgreiche Transformationsprojekte verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz. Sie verbinden eine klare strategische Ausrichtung mit einer konsequenten Kommunikation und berücksichtigen von Beginn an den Faktor Mensch.
Neben Technologie und Prozessen braucht es gezielten Kompetenzaufbau, Veränderungsmanagement und organisatorische Befähigung – also ein echtes „Empowerment of People“.
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Redaktion: Sie haben den „Smart Factory Navigator“ entwickelt – was genau verbirgt sich dahinter?
Budde: Der Smart Factory Navigator ist eine Methodik, die Unternehmen dabei unterstützt, ausgehend von ihren strategischen Zielen die relevanten Use Cases und Technologien für die Weiterentwicklung ihrer Produktion zu identifizieren.
Das zugrunde liegende Modell ermöglicht es, den aktuellen Reifegrad sowie die zukünftige Vision einer Fabrik einfach darzustellen, gemeinsam zu diskutieren und verständlich zu kommunizieren.
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Redaktion: Wie unterscheidet sich Ihr Ansatz von klassischen Digitalisierungs-Frameworks oder Reifegradmodellen?
Budde: Der wesentliche Unterschied liegt in der Einfachheit und der Fokussierung auf Umsetzung. Viele Frameworks und Assessments erzeugen wertvolle Analysen, können aber sehr komplex werden. Der Smart Factory Navigator reduziert diese Komplexität und schafft eine gemeinsame Sprache zwischen Management, Fachbereichen und Technologieexperten. Dadurch können Unternehmen schneller zu einer gemeinsamen strategischen Ausrichtung und einer klar priorisierten Roadmap mit relevanten Use Cases kommen. Detaillierte Assessments bleiben dabei ein wichtiger Schritt für die spätere Vertiefung.
Redaktion: Viele Unternehmen wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Wie identifiziert man die wirklich wirkungsvollsten Use Cases?
Budde: Der Ausgangspunkt sind immer die strategischen Ziele des Unternehmens. Bevor man über Technologien oder einzelne Anwendungen spricht, muss klar sein: Was wollen wir verbessern oder erreichen? Geht es beispielsweise um höhere Qualität, kürzere Lieferzeiten, geringere Kosten oder neue Geschäftsmodelle? Der Smart Factory Navigator hilft dabei, ausgehend vom aktuellen Zustand die Use Cases und Technologien zu identifizieren, die den grössten Nutzen bieten.
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Redaktion: In Ihrem Vortrag auf der Automation NEXT Conference geht es auch ganz konkret darum, wie sich Transformationsprojekte beschleunigen lassen. Wo geht heute in Unternehmen am meisten Zeit verloren?
Budde: Viele Unternehmen verlieren Zeit, weil sie zu viele Themen gleichzeitig angehen und der klare Fokus fehlt. Häufig werden große IT-Projekte wie Data-Lake-Initiativen oder MES-Einführungen als Voraussetzung genutzt, bevor überhaupt operative Verbesserungen umgesetzt werden können.
Diese Projekte sind wichtig, benötigen aber oft Jahre und binden erhebliche Ressourcen. Gleichzeitig gibt es viele konkrete Use Cases, die bereits heute umgesetzt werden könnten und schnell messbaren Nutzen bringen.
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Redaktion: Viele Projekte starten erfolgreich, skalieren aber nicht. Woran liegt das?
Budde: Dafür gibt es meist drei zentrale Gründe:
Erstens fehlt häufig die Transparenz – welche Lösungen existieren bereits und wurden erfolgreich umgesetzt?
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Zweitens fehlt es an Umsetzungskraft im Unternehmen – also an den notwendigen Kompetenzen, Ressourcen und Verantwortlichkeiten, skalierungsfähige Use-Cases in andere Bereiche reinzubringen.
Drittens werden manchmal Use-Cases ausgewählt, die sich nicht skalieren lassen oder nur einen isolierten Einzelnutzen bieten. Erfolgreiche Transformation braucht deshalb von Anfang an den Blick auf Skalierbarkeit und nachhaltige Verankerung im Unternehmen und Netzwerk.
Redaktion: Für wen lohnt sich Ihr Vortrag besonders?
Budde: Der Vortrag richtet sich insbesondere an Führungskräfte und Verantwortliche aus Produktion, Operations, Digitalisierung und Transformation, die vor der Herausforderung stehen, ihre Smart-Factory-Initiativen vom Pilotprojekt in die erfolgreiche Umsetzung und Skalierung zu bringen. Besonders relevant ist er für Unternehmen, die nicht noch mehr Konzepte entwickeln, sondern konkrete Wirkung erzielen wollen.
Automation NEXT Conference 2026
Datum: 30. September 2026
Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm
Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.
Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.
Themenschwerpunkte:
• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion
• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels
• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und Cybersecurity
• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit
Teilnehmer:
Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.
Besonderheiten:
• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung
• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug
• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe