Künstliche Intelligenz verspricht enorme Produktivitätsgewinne für die Industrie. Doch in der Praxis bleibt der Durchbruch oft aus. Der Grund liegt selten in den Algorithmen – sondern in fehlenden Verknüpfungen zwischen den Daten.
Jens RollenmüllerJensRollenmüllerRegional Vice President, Aras
3 min
KI kann Produktionsentscheidungen schneller, fundierter und robuster machen – vorausgesetzt, Daten, Prozesse und Systeme sind sauber verknüpft. Der AI Productivity Cycle zeigt, wie Connected Intelligence den Digital Thread stärkt und so Produktivität, Transparenz und Resilienz in der Fertigung erhöht.Stock.adobe.com - R Studio
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Seit Jahren treibt Produktionsverantwortliche dieselbe
Frage um: Wie lassen sich komplexe 'Was-wäre-wenn'-Szenarien schnell, belastbar
und reproduzierbar bewerten? Was passiert beispielsweise, wenn ein Lieferant
ausfällt? Welche Folgen hätte eine Materialänderung für Qualität, Kosten und
die CO₂-Bilanz? Und lässt sich eine Designanpassung ohne zusätzliche Risiken
umsetzen?
In vielen Unternehmen liegen die Antworten nur
fragmentiert vor. Sie sind in isolierten Systemen, Abteilungen und Dokumenten
versteckt. Entscheidungen werden deshalb nur langsam, reaktiv und oft unter
unsicheren Annahmen gefällt. Künstliche Intelligenz (KI) kann diesen Zustand
grundlegend verändern. Voraussetzung ist, dass sie in eine konsistente Daten-
und Prozessarchitektur eingebettet wird. Der 'AI Productivity Cycle' beschreibt
genau diesen Ansatz: einen geschlossenen Regelkreis, in dem strukturierte Daten,
KI-Modelle und menschliche Fachlogik kontinuierlich zusammenwirken. Mit jedem
Durchlauf dieses Kreislaufs verbessert sich die Entscheidungsqualität: Daten
werden präziser, Zusammenhänge klarer und Empfehlungen belastbarer.
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Zentral für den AI Productivity Cycle ist ein
durchgängiger Digital Thread. Dieser gewährleistet einen konsistenten Daten-
und Kontextfluss über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg – von der
Konzeption über die Entwicklung und Fertigung bis hin zum Service und der
Entsorgung. Ohne diesen Zusammenhang bleibt KI blind. Zwar kann sie Muster
erkennen, jedoch keine verlässlichen Empfehlungen ableiten. Erst wenn Produkt-,
Prozess- und Betriebsdaten sauber verknüpft sind, entsteht eine belastbare
Grundlage für nachvollziehbare und reproduzierbare Entscheidungen, die
wechselseitige Abhängigkeiten berücksichtigen.
Genau hier setzt Connected Intelligence an.
Entwicklungsdaten, Fertigungsinformationen sowie Betriebs- und Servicedaten
werden nicht nur gesammelt, sondern auch systematisch in Beziehung zueinander
gesetzt. Dabei fungiert KI nicht als Black Box, sondern als analysierendes und
vorschlagendes System, das in klare Datenmodelle und nachvollziehbare
Entscheidungslogiken eingebettet ist.
In der ersten Phase geht es darum, den Wert der bereits
vorhandenen Daten zu erschließen. In PLM-Systemen, Protokollen zur
Qualitätssicherung, Lieferkettendatenbanken oder Excel-Tabellen sind wichtige
Informationen verborgen, die bislang weitgehend ungenutzt bleiben. KI-gestützte
Analyseverfahren können jetzt unterstützen, indem sie mithilfe dialogbasierter Suche,
Mustererkennung und Content-Synthese Zusammenhänge innerhalb weniger Sekunden
sichtbar machen. Anstatt mühsam Berichte zu vergleichen, kann das System
beispielsweise erkennen, ob aktuelle Qualitätsprobleme auf eine bestimmte
Komponente oder einen einzelnen Lieferanten zurückzuführen sind. Darüber hinaus
ermöglicht die Discover-Phase eine proaktive Risikobewertung. Das heißt, dass
sich die potenziellen Auswirkungen einer Design- oder Prozessänderung auf
Fertigung, Lieferkette, Compliance und Nachhaltigkeit abschätzen lassen, bevor
sie umgesetzt wird. So werden Risiken sichtbar, bevor Änderungen umgesetzt
werden.
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2. Enrich
(Vertiefen): den digitalen Faden vertiefen
In der zweiten Phase wird der Digital Thread gezielt
angereichert, indem weitere Systeme, Datenquellen und Akteure eingebunden
werden. Gleichzeitig wächst die Kontexttiefe. KI erkennt fehlende Verknüpfungen
und stellt sicher, dass Anforderungen, Designspezifikationen,
Fertigungsanweisungen, Qualitätsdaten und Serviceinformationen konsistent
miteinander verbunden sind. Dadurch sinkt der manuelle Abstimmungsaufwand über
Systemgrenzen hinweg deutlich. Durch diese Anreicherung wird auch die
Widerstandsfähigkeit von Organisationen erhöht. Sensordaten aus der Produktion
lassen sich automatisch mit qualitätsrelevanten Abweichungen verknüpfen. Neue
regulatorische Vorgaben können in strukturierte Anforderungen übersetzt werden.
Nachhaltigkeitskennzahlen, etwa der CO₂-Fußabdruck je Lieferant, werden
frühzeitig in Entscheidungsprozesse integriert.
In der dritten Phase entfaltet KI ihr volles Potenzial.
Auf Basis eines angereicherten digitalen Fundaments können neue und
weiterentwickelte Produktvarianten schnell und innerhalb klar definierter
Rahmenbedingungen analysiert werden. Anstatt jedes Produkt neu zu konstruieren,
lassen sich komplexe Engineer-to-Order-Prozesse systematisieren und Varianten
entwickeln. Dadurch verkürzen sich die Designzyklen, die Markteinführung
beschleunigt sich und Pilotprojekte werden kalkulierbarer. Auch die
Szenarioplanung gewinnt an Tiefe. KI kann Zielkonflikte – beispielsweise
zwischen Kosten, CO₂-Bilanz und Verfügbarkeit – transparent machen und
ausgewogene Alternativen vorschlagen. So wird Resilienz nicht nachträglich
abgesichert, sondern direkt in Produkte und Prozesse eingebaut.
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Mehr Tempo und
Klarheit im betrieblichen Alltag
Im operativen Alltag zeigt der AI Productivity Cycle
seine Stärke: Risiken werden früher erkannt, Entscheidungen fundierter
vorbereitet und Änderungen entlang des Produktlebenszyklus kontrolliert
gesteuert. Gleichzeitig wird organisatorische Reibung reduziert. Informationen
fließen nicht nur schneller, sondern auch kontextualisiert. Was hat sich
geändert? Warum ist das relevant? Welche Bereiche sind betroffen? Die
Koordination zwischen den Bereichen Engineering, Fertigung, Qualität und Supply
Chain wird einfacher, ohne zusätzlichen Druck auf die Organisation auszuüben.
AI Productivity Cycle: Vernetzte Intelligenz schafft einen durchgängigen Digital Thread und macht KI in der Fertigung erst wirklich wirksam.Aras
Ein weiterer Vorteil liegt in der Systemflexibilität.
Anstelle starrer Datenmodelle entsteht eine kognitive Schicht, die sich
dynamisch an neue Anforderungen anpassen lässt. Offene Schnittstellen und
KI-gestützte Regelgenerierung ermöglichen eine deutlich schnellere
Weiterentwicklung von Prozessen und Datenstrukturen.
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Der AI Productivity Cycle bietet einen strukturierten
Rahmen, um Menschen, Systemarchitektur und Prozesslogik eng miteinander zu
verknüpfen. Er unterstützt Unternehmen dabei, sich von isolierten Experimenten
zu lösen und eine konsistente, unternehmensweite Strategie zu entwickeln, die
messbare Effekte auf Produktivität, Transparenz und Resilienz hat. Damit wird
KI vom punktuellen Effizienzwerkzeug zum strategischen Faktor für
Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit.
Gerade in Branchen mit langen Produktlebenszyklen und
hohen regulatorischen Anforderungen ist dieser Ansatz besonders relevant. In
der Luft- und Raumfahrt, der Verteidigungsindustrie oder der Medizintechnik
beispielsweise müssen Entscheidungen über Jahrzehnte hinweg nachvollziehbar
bleiben. Systeme, die lediglich Daten speichern, stoßen hier an ihre Grenzen.
Systeme, die Zusammenhänge erklären, schaffen hingegen Vertrauen. Sie zeigen,
warum Entscheidungen getroffen wurden, welche Annahmen zugrunde lagen, und
welche Auswirkungen entstanden sind. Genau diese Transparenz ist die
Voraussetzung für Akzeptanz – bei Behörden, Kunden und im Unternehmen selbst.
Fazit: Das
digitale Fundament entscheidet
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Konsistente Datenmodelle, semantische Eindeutigkeit
und gepflegte Metadaten sind die Grundlage für den AI Productivity Cycle.
Unternehmen, die heute in durchgängige digitale Infrastrukturen und den
systematischen Einsatz von KI investieren, legen den Grundstein für
kontinuierliche Verbesserungen, eine schnellere Reaktionsfähigkeit und eine
nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit.
FAQ: AI Productivity Cycle
1. Was beschreibt der AI Productivity Cycle? Der AI Productivity Cycle beschreibt einen geschlossenen Regelkreis, in dem strukturierte Daten, KI-Modelle und menschliche Fachlogik kontinuierlich zusammenwirken. Ziel ist es, Entscheidungen in der Fertigung schneller, belastbarer und nachvollziehbarer zu machen.
2. Warum reicht KI allein für Produktivitätsgewinne nicht aus? KI bleibt wirkungslos, wenn Daten in isolierten Systemen, Abteilungen oder Dokumenten liegen. Erst ein konsistenter Daten- und Kontextfluss über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg ermöglicht verlässliche Empfehlungen.
3. Welche Rolle spielt der Digital Thread? Der Digital Thread verbindet Produkt-, Prozess- und Betriebsdaten von der Konzeption über Entwicklung und Fertigung bis zu Service und Entsorgung. Dadurch kann KI Zusammenhänge erkennen und Entscheidungen nachvollziehbar unterstützen.
4. Aus welchen Phasen besteht der AI Productivity Cycle? Der Kreislauf besteht aus drei Phasen: Discover, Enrich und Amplify. In Discover werden verborgene Potenziale und Risiken sichtbar, in Enrich wird der digitale Faden durch zusätzliche Datenquellen vertieft, und in Amplify werden Produktivität, Variantenentwicklung und Szenarioplanung gezielt verstärkt.
5. Für welche Branchen ist der Ansatz besonders relevant? Besonders relevant ist der AI Productivity Cycle für Branchen mit langen Produktlebenszyklen und hohen regulatorischen Anforderungen, etwa Luft- und Raumfahrt, Verteidigungsindustrie oder Medizintechnik. Dort müssen Entscheidungen über lange Zeit nachvollziehbar bleiben.