Die Speaker der Automation NEXT Conference 2026 im Interview

“Eine gute Skalierung ist an Anwendungsrelevanz, Nachfrage und Business Value geknüpft“

Wie KI, digitale Zwillinge und kollaborative Intelligenz die Medizintechnikfertigung neu definieren: Dr. Markus Kaupper von Siemens Healthineers zeigt auf der Automation NEXT Conference 2026, wie aus Daten echte Mehrwerte entstehen – und wie es gelingt, Entwicklung und Fertigung neu zu denken.

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Während andere Industrien oft mit dem Fokus auf Speed und Optimierung digitalisieren, stehen in der Medizintechnikfertigung Aspekte wie Nachvollziehbarkeit, validierte Prozesse, Datenflüsse und erklärbare KI im Vordergrund.
Während andere Industrien oft mit dem Fokus auf Speed und Optimierung digitalisieren, stehen in der Medizintechnikfertigung Aspekte wie Nachvollziehbarkeit, validierte Prozesse, Datenflüsse und erklärbare KI im Vordergrund.

Redaktion: Herr Dr. Kaupper, Sie verbinden in Ihrem Vortrag KI, Wertstrom und High-End-Medizintechnik. Was macht das HEP in Forchheim zu einem besonderen Umfeld für diese Themen?

Dr. Markus Kaupper, Leiter Digitalisierung im Technologiecenter Power & Vacuum High- Energy-Photonics Center (HEP) in Forchheim, Siemens Healthineers
Dr. Markus Kaupper, Leiter Digitalisierung im Technologiecenter Power & Vacuum High- Energy-Photonics Center (HEP) in Forchheim, Siemens Healthineers

Dr. Markus Kaupper: Das HEP ist ein besonders starkes Beispiel dafür, wie Automatisierung & Digitalisierung, KI und Werkstrommanagement in der High-End-Medizintechnik zusammentreffen.

Wir entwickeln und produzieren hier Hochleistungs-Röntgenkomponenten für unsere medizinischen Computertomographen, Angiografie Systeme und Röntgensysteme weltweit. Hier treffen komplexe Produkte, datenreiche Prozesse und industrielle Exzellenz direkt aufeinander.

Redaktion: Was unterscheidet die Fertigung von Medizintechnik grundlegend von anderen Industrien – gerade im Kontext von Digitalisierung und KI?

Kaupper: Unser Purpose ist einmalig und jeden Tag auf neue inspirierend zugleich: „We pioneer breakthroughs in healthcare. For everyone, Everywhere. Sustainably“.

Wir unterscheiden uns somit grundlegend von vielen anderen Industrien, weil wir nicht nur wirtschaftlichen und technischen Zielen folgen, sondern hohe Patientenrelevanz haben. Auch in internen Prozessen setzen wir Digitalisierung und KI so ein, dass Innovation, Effizienz, Qualität, und Patientensicherheit gleichzeitig erfüllt und gesteigert werden.

Während andere Industrien oft mit dem Fokus auf Speed und Optimierung digitalisieren, betonen wir noch mehr die Aspekte wie Nachvollziehbarkeit, validierte Prozesse, Datenflüsse und erklärbare KI.

Redaktion: Können Sie ein konkretes Beispiel geben, bei dem KI tiefe Insights geliefert hat, die mit klassischen Methoden nicht möglich gewesen wären?

Kaupper: Sehr gerne. In meinem Vortrag werde ich unter anderem auf komplexe Analysen und Abhängigkeiten eingehen, beispielsweise das Zusammenspiel von Produktionsprozessen und der Produktperformance im Betrieb.

Wir können hier große Parameterräume automatisiert auf relevante Effekte herunterzubrechen und auf diese Weise bislang nicht erschlossene Einflussmöglichkeiten identifizieren und nutzen – früher nur mit sehr viel Aufwand und Zeit oder gar nicht möglich – für uns ein echter „Game-Changer“.

Redaktion: KI-Agenten sind aktuell ein viel diskutiertes Thema. Wie setzen Sie diese konkret in Ihrem Umfeld ein?

Kaupper: Nach unserem ersten Horizont der Transformation haben wir eine hohe Datenverfügbarkeit und Durchgängigkeit in den Prozessen geschaffen, Schlagwort digitale Plattformen und Zwillinge. Für den Menschen ist dies manchmal gefühlt eine „Informationsflut“ und die Herausforderung ist, Information schnell und zielgerecht aufzubereiten und zugänglich zu machen. Hier kommen den immersiven Technologien (Beispiel neue Visualisierungsmöglichkeiten) wie auch LLMs/AI Agents eine zentrale Bedeutung zu.

Wir nutzen KI-Agenten im Sinne von „Domain Expert Agents“, die heute schon einen signifikanten Speed-up bei Entscheidungsprozessen liefern und künftig sicher auch bestimmte Tasks übernehmen können.

Redaktion: In diesem Kontext sprechen Sie auch von „Kollaborativer Intelligenz“ – was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff?

Kaupper: Hiermit ist unsere nächste Evolutionsstufe in der Smart Factory beziehungsweise Smart Enterprise gemeint. Mit Kollaborativer Intelligenz meinen wir eine vernetzte Kooperation von menschlicher Erfahrung, maschineller Präzision und datengetriebener Intelligenz zur kontinuierlichen Optimierung von Produktion und Wertschöpfung.

Sie entsteht, wenn Echtzeitdaten („Real-time“) Transparenz schaffen, digitale Zwillinge Optionen verstehbar machen und Künstliche Intelligenz (Agentic/Physical AI) Akteure beim Entscheiden und Handeln unterstützt.

Redaktion: Wie lässt sich der konkrete Business Value von KI und Digitalem Zwilling messen?

Kaupper: Der konkrete Business Value von KI und Digitalem Zwilling lässt sich am besten messen, wenn man ihn entlang von Zielgrößen, operativen KPIs und finanziellen Effekten strukturiert betrachtet.

Für neue, größere digitale Plattformen haben sich beispielsweise holistische Business Cases zu Beginn bewährt, die entlang der Skalierung kontinuierlich mit Use Cases und Härtegradmaßnahmen bewertet werden.

Redaktion: Welche Use Cases skalieren besonders gut – und welche eher nicht?

Kaupper: Ich versuche mich kurz zu fassen: Unsere Erfahrung hier ist, dass eine gute Skalierung zum einen an Anwendungsrelevanz, Nachfrage und Business Value geknüpft ist – komplett unabhängig von der Technik und das unterstreicht auch die Bedeutung Ihrer vorherigen Frage nochmal.

Zum anderen muss die Realisierbarkeit betrachtet werden, hier kommen verschiedenste Facetten ins Spiel, wie Datenverfügbarkeit, Standardisierbarkeit, Integrationsaufwand etc.

Zwei konkrete Beispiele vielleicht noch: Ein „Master Control Center“ für alle Shopfloors – sehr gut skalierbar gewesen. „Immersive Interaktion mit XR“ – auch relevant, aber individuell und nicht flächendeckend.

Redaktion: Was erwartet die Teilnehmer konkret in Ihrem Vortrag auf der Automation NEXT Conference?

Kaupper: Es geht um die Frage wie es gelingt, Medizintechnikfertigung und -entwicklung in einem hochmodernen Umfeld neu zu denken.

In meinem Vortrag möchte ich zeigen, wie im Echtzeit-Konnektivität, digitaler Zwilling und Künstliche Intelligenz zusammenwirken, um Transparenz, Geschwindigkeit und bessere Entscheidungen entlang des gesamten Wertstroms zu ermöglichen.

Freuen Sie sich auf konkrete Einblicke, strategische Perspektiven und Impulse für die industrielle Praxis von morgen.

Automation NEXT Conference 2026

Datum: 30. September 2026

Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm

Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.

Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.

Themenschwerpunkte:

• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion

• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels

• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und Cybersecurity

• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit

Teilnehmer:

Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.

Besonderheiten:

• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung

• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug

• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe

Weitere Informationen & die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.