Die Speaker der Automation NEXT Conference 2026 im Interview
„Strategische Konnektivität stellt sicher, dass die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit ausgelöst werden“
Wie verschmelzen IT, OT und KI zur Produktionszukunft – und warum entscheidet Konnektivität über Wettbewerbsvorteile? Prof. Jens Fürst erklärt, warum strategische Vernetzung mehr ist als Datenfluss und wie KI-Agenten die Industrie grundlegend verändern.
Philip BittermannPhilipBittermannEditor-in-Chief neue verpackung / Automation NEXT
2 min
Bei der vollständigen Konvergenz verschmelzen physische Produktion, digitale Zwillinge und KI-gestützte Entscheidungslogik in einem durchgängigen Ökosystem.OpenAI
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Am 30. September 2026 findet die nächste Ausgabe der Automation
NEXT Conference statt – unserer Plattform für die Zukunft der Automatisierung. Hier
beleuchten wir Innovationen, Herausforderungen und Chancen der Branche.
In unserer Interviewreihe stellen wir Ihnen unsere Speaker
und ihre Themen genauer vor. Heute: Prof. Dr. Jens Fürst, dessen Vortrag den
Titel „Connect. Compute. Compete. – Die vollständige Konvergenz“ trägt.
Redaktion: Herr Prof. Fürst, der Titel Ihres Vortrags spricht von „vollständiger Konvergenz“. Was genau konvergiert hier – und warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?
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Prof. Dr. Jens Fürst ist Professor für den Bereich Digital Factory & Medtgech an der FAU Erlangen-Nürnberg sowie Principal Key Expert Digitalization & Automation bei Siemens HealthineersFAU Erlangen-Nürnberg
Prof. Dr. Jens Fürst: Gemeint ist die technologische und organisationale Verschmelzung von physischer Produktion, digitalem Zwilling und KI-gestützter Entscheidungslogik – also IT, OT und AI in einem durchgängigen Ökosystem.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Leistungsfähige Edge-Infrastruktur, industriereife Large Language Models und standardisierte Konnektivitätsprotokolle erreichen erstmals gleichzeitig die notwendige Reife. Wer diese Konvergenzwelle verpasst, riskiert, in fragmentierten Systemlandschaften der letzten Dekade zu verharren.
Redaktion: Wie weit ist die Industrie aus Ihrer Sicht tatsächlich auf dem Weg von isolierten Systemen hin zu durchgängig vernetzten Produktionsökosystemen?
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Fürst: Die ehrliche Antwort lautet: weiter als vor fünf Jahren – aber deutlich langsamer als oft kommuniziert. Viele Unternehmen haben Konnektivität in Pilotbereichen realisiert, scheitern jedoch an der skalierten Integration über Werke, Lieferketten und Systemgrenzen hinweg.
Die eigentliche Hürde ist heute weniger Technologie als fehlende Datensouveränität, unzureichende Architekturkompetenz und kulturelle Resilienz gegenüber Veränderung.
Redaktion: Was unterscheidet „gute“ von „strategisch genutzter“ Konnektivität?
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Fürst: Gute Konnektivität stellt sicher, dass Daten fließen – strategische Konnektivität stellt sicher, dass die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit ausgelöst werden. Der Unterschied liegt nicht im Protokoll, sondern im Zweck: Wird Konnektivität als Infrastruktur gedacht oder als Wettbewerbsvorteil?
Unternehmen, die Konnektivität strategisch nutzen, bauen damit proprietary Datenintelligenz auf – das ist der eigentliche Burggraben.
Redaktion: Wie verändern KI-Agenten die Rolle klassischer Automatisierungssysteme?
Fürst: KI-Agenten verschieben die Automatisierung vom regelbasierten Ausführen zum kontextbewussten Handeln – klassische SPS-Logik wird damit zur Ausführungsschicht, nicht mehr zur Intelligenzschicht. In hochregulierten Industrien wie Medtech bedeutet das eine neue Arbeitsteilung: Agenten übernehmen Planung, Anomalieerkennung und Optimierung, während deterministische Systeme die zertifizierungskritische Steuerung behalten. Diese Hybridarchitektur ist kein Übergangsstadium, sondern das Zielbild der nächsten Produktionsgeneration.
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Redaktion: Lässt sich der ROI solcher Technologien belastbar bewerten?
Fürst: Ja – aber nur, wenn man aufhört, klassische Investitionslogik auf nicht-lineare Technologien anzuwenden. Konventionelle ROI-Modelle unterschätzen systematisch Netzwerkeffekte, Skalierungsgewinne und den Optionswert datengetriebener Geschäftsmodelle. Robuste Bewertung erfordert szenariobasierte Methodik, die sowohl Effizienzgewinne als auch strategische Differenzierungspotenziale monetarisiert.
Redaktion: Was ist aktuell der größte Denkfehler in der Industrie im Umgang mit KI und Konnektivität?
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Fürst: Der verbreitetste Fehler ist, KI als Optimierungswerkzeug für bestehende Prozesse zu betrachten – statt als Enabler fundamentaler Prozessrestrukturierung. Wer einen schlechten Prozess digitalisiert, hat einen schnellen, schlechten Prozess. Die transformative Wirkung entsteht erst, wenn Konnektivität und KI gemeinsam den Gestaltungsraum für Produktion neu definieren – und nicht nur das Bestehende beschleunigen
Redaktion: Für wen lohnt sich Ihr Vortrag auf der Automation NEXT Conference 2026 besonders?
Fürst: Der Vortrag richtet sich an Entscheider und Gestalter, die über Pilotprojekte hinaus denken: Produktions- und Digitalisierungsverantwortliche, die skalierbare Architekturpfade suchen, sowie Strategen, die den Zusammenhang zwischen technologischer Konvergenz und Geschäftsmodellinnovation verstehen wollen.
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Besonders wertvoll ist er für alle, die in regulierten Industrien – Medtech, Pharma, Aerospace – den Spagat zwischen Innovationsgeschwindigkeit und Compliance-Anforderungen täglich leben.
Automation NEXT Conference 2026
Datum: 30. September 2026
Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm
Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.
Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.
Themenschwerpunkte:
• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion
• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels
• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und MES-Systeme
• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit
Teilnehmer:
Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.
Besonderheiten:
• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung
• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug
• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe