Mieten statt kaufen – Robot as a Service (RaaS) krempelt die Produktionswelt um. Flexibel, skalierbar und wartungsfrei verspricht das Modell Zugang zur Hightech-Automatisierung ganz ohne Kapitalbindung. Doch der digitale Helfer hat seinen Preis.
Mieten statt kaufen: Robot as a Service verschafft mittelständischen Unternehmen flexiblen Zugang zur Automatisierung – ganz ohne hohe Anfangsinvestitionen.Stock.adobe.com - Gophotograph
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Roboter müssen
heute nicht mehr gekauft werden – sie lassen sich mieten. „Robot as a Service“
(RaaS) ist mehr als nur ein Leasingmodell, denn es eröffnet kleinen und
mittleren Unternehmen die Möglichkeit, Automatisierung flexibel,
kosteneffizient und ohne eigene IT-Infrastruktur zu nutzen. Wartung, Software
und Updates sind inklusive, die Kosten planbar.
Was nach einer bequemen Lösung
klingt, könnte die Produktionslandschaft grundlegend verändern: Statt Besitz
zählt Nutzung. Doch der Komfort hat seinen Preis – und wer nicht genau
hinschaut, läuft Gefahr, sich in neue Abhängigkeiten zu begeben.
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Robot as a Service ist kein Wundermittel, aber ein realistischer Weg in die automatisierte Zukunft.
Malte Janßen, Product Management E-Mech Components, Robotics und Arduino, Reichelt Elektronik
Chance
für die Kleinen
Der
Mittelstand steht unter Druck: hohe Energiekosten, volatile Lieferketten,
mangelnde Fachkräfte. Automatisierung gilt als die Antwort – doch viele
Betriebe scheuen die hohen Investitionen und den technischen Aufwand. RaaS
setzt genau hier an. Statt sechsstelliger Anschaffungskosten fallen monatliche
Raten an, die sich leichter in begrenzten Budgets abbilden lassen. Das Modell
verschafft Unternehmen einen schnellen Zugang zu Robotik, ohne dass sie eigene
Spezialisten einstellen müssen.
Malte Janßen, Product Management E-Mech Components, Robotics und Arduino bei Reichelt ElektronikReichelt Elektronik
Hinzu kommt
ein breites Angebot: kollaborative Roboter für Montage und Qualitätsprüfung,
autonome Logistikfahrzeuge für den innerbetrieblichen Transport oder
spezialisierte Service-Roboter. Unternehmen wie ABB, Robco oder junge
RaaS-Anbieter ermöglichen mittelständischen Firmen heute Lösungen, die früher
nur großen Industriekonzernen offenstanden.
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Der größte
Vorteil aber bleibt die Flexibilität. Wenn die Auftragslage abflacht oder
saisonal schwankt, können Roboter je nach Vertrag aufgestockt oder wieder
abgegeben werden. Für viele Mittelständler, die traditionell mit engen Margen
arbeiten, ist diese Skalierbarkeit ein echter Wettbewerbsvorteil.
Risiko
auf Raten
Doch RaaS ist
kein Selbstläufer. Die monatlichen Gebühren können sich langfristig zu einer
beträchtlichen Ausgabe aufsummieren – oft über die Kosten eines klassischen
Kaufs hinaus. Wer die Wirtschaftlichkeit nicht sauber durchrechnet, zahlt am
Ende drauf.
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Hinzu kommt
die Abhängigkeit vom Anbieter. Viele Lösungen basieren auf proprietärer
Hardware und Software. Fällt der Anbieter aus, werden Preise erhöht oder ändert
sich das Leistungsmodell, steht das Unternehmen womöglich ohne Alternativen da.
Ein Wechsel ist in der Praxis häufig teuer oder technisch schwierig.
Auch die
IT-Sicherheit ist ein Faktor. Remote-Wartung, Cloud-Anbindung und
datengetriebene Auswertung sind Teil vieler RaaS-Angebote. Für Mittelständler,
die gerade erst ihre Digitalstrategie aufbauen, kann das zum Risiko werden.
Einerseits, weil sie häufig selbst nicht über ausgereifte
Cybersecurity-Strukturen verfügen. Andererseits, weil die
Sicherheitsarchitektur der RaaS-Anbieter nicht immer reibungslos in die
gewachsenen IT-Systeme eines Unternehmens integriert werden kann. Besonders
kritisch ist das, wenn sensible Produktionsdaten externe Server oder
Cloud-Dienste durchlaufen.
Hinzukommt,
dass Mietroboter meist standardisierte Systeme sind. Sie funktionieren gut in
einfachen Prozessen, stoßen aber an Grenzen, sobald Produktionsschritte
hochindividuell sind. Für spezialisierte Unternehmen kann RaaS daher mehr
Versprechen als Lösung sein.
Der
Mittelweg: Chancen nutzen, Risiken steuern
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RaaS ist für
viele Mittelständler eine wertvolle Option – aber keine, die man leichtfertig
auswählen sollte. Entscheidend sind transparente Kostenmodelle, klare
Service-Level-Agreements und offene Schnittstellen.
Gleichzeitig
muss ein Mindestmaß an digitaler Kompetenz im Unternehmen vorhanden sein. Denn
auch wenn Anbieter vieles übernehmen: Die Verantwortung für Prozesse und Daten
kann trotz externer Dienstleister nicht ausgelagert werden. Ohne internes
Know-how wächst die Abhängigkeit – und damit das Risiko. Schon bei der
Entscheidungsfindung sollten deshalb passende Schulungen für das Personal mit
eingeplant werden. RaaS ist kein Produkt, das man „mal eben“ ausprobiert. Es
ist ein strategischer Hebel. Malte Janßen überzeugt: „Der Mittelstand kann profitieren: durch geringere
Einstiegshürden, mehr Flexibilität und Zugang zu moderner Technik."
Wer RaaS
nutzt, sollte daher eines tun: die Vorteile ohne Illusionen betrachten – und
die Risiken mit kühlem Kopf managen. Dann wird der Roboter auf Abruf nicht zur
Kostenfalle, sondern zum Wettbewerbsvorteil.
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(Quelle: Reichelt Elektronik)
FAQ: Robot as a Service (RaaS)
1. Was genau versteht man unter Robot as a Service (RaaS)? RaaS ist ein Mietmodell für Robotiklösungen, bei dem Unternehmen keine Roboter kaufen, sondern flexibel nutzen – inklusive Software, Wartung und Support. Statt hoher Anfangsinvestitionen zahlen Betriebe planbare monatliche Gebühren.
2. Welche Vorteile bietet RaaS dem Mittelstand? RaaS senkt die Einstiegshürden in die Automatisierung deutlich. Mittelständische Unternehmen profitieren von geringer Kapitalbindung, skalierbaren Lösungen und einem schnellen Zugang zu moderner Robotertechnik – ohne eigene IT- oder Wartungsabteilungen aufbauen zu müssen.
3. Welche Risiken sind mit dem Einsatz von RaaS verbunden? Zu den größten Risiken zählen langfristig höhere Gesamtkosten, Abhängigkeit von proprietären Anbietern sowie IT-Sicherheitsrisiken durch Cloud-Anbindung und Remote-Zugriffe. Ohne digitales Know-how im Unternehmen steigt zudem die Gefahr mangelnder Kontrolle über Prozesse und Daten.
4. Für welche Unternehmen ist RaaS geeignet – und für welche eher nicht? RaaS eignet sich besonders für mittelständische Unternehmen mit standardisierten Prozessen und begrenztem Investitionsbudget. Weniger geeignet ist das Modell für Betriebe mit hochindividuellen Produktionsabläufen oder fehlender digitaler Infrastruktur, da Mietsysteme meist standardisiert und weniger anpassungsfähig sind.