Nachbericht zur Automation NEXT Conference 2025: Ökologie und Ökonomie verbinden
Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor
Felix Kranert von Schneider Electric zeigte in seinem Vortrag auf der Automation NEXT Conference 2025, wie Unternehmen mit gezielten Maßnahmen ihre CO₂-Bilanz verbessern und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können. Entscheidend sind individuelle Nachhaltigkeitsstrategien, längere Produktlebenszyklen und der intelligente Einsatz von Ressourcen.
Kathrin VeigelKathrinVeigelRedakteurin Automation NEXT
3 min
Das Kernthema des Vortrags von Felix Kranert, Schneider Electric, war die wirtschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Industrie. Er erläuterte, wie Unternehmen durch gezielte Nachhaltigkeitsmaßnahmen ökologische und wirtschaftliche Vorteile sowie neue Geschäftschancen erzielen können. BylineANX
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Nachhaltigkeit wird oft als unbequem empfunden, doch sie ist
heute mehr denn je ein wirtschaftliches Muss – das machte Felix Kranert von
Schneider Electric auf der Bühne der Automation NEXT Conference 2025 mehr als
deutlich. Die Erwartungshaltung von Kunden und Märkten habe sich gewandelt:
Energie- und Materialeffizienz seien zentrale Themen geworden, die über die
Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.
Daher setze Schneider Electric seit über 15 Jahren
konsequent auf eine eigene Nachhaltigkeitsagenda, die vom damaligen CEO zur
Chefsache erklärt wurde. Dieses Engagement wurde vielfach ausgezeichnet, unter
anderem mit dem Ecovadis Platinum Award und Anerkennungen durch das World Economic
Forum.
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Die Industrie wird häufig als „der Böse“ in der
Nachhaltigkeitsdebatte gesehen. Dabei ist sie unverzichtbar für unseren
heutigen Lebensstandard. Die Herausforderung besteht darin, den Status quo mit
den planetaren Grenzen und sozialen Aspekten in Einklang zu bringen.
Nachhaltige Transformationen könnten laut Kranert nur gelingen, wenn
Unternehmen individuelle, auf ihre Größe und Möglichkeiten zugeschnittene
Konzepte entwickeln. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei es, den größten Hebel zu
identifizieren, um Wirkung und Akzeptanz zu erzielen.
Umdenken in Produktion und Konsum: Längere Nutzung statt
Wegwerfmentalität
Ein wichtiger Aspekt nachhaltigen Wirtschaftens ist die
Verlängerung der Lebensdauer von Produkten. Am Beispiel der Outdoor-Marke
Patagonia veranschaulichte Kranert, wie sinnvoll Reparaturangebote und
langlebige Produkte sein können: Der Hersteller bietet kostenlose Reparaturen
und Anleitungen zur Selbstreparatur, um den CO₂-Fußabdruck der Herstellung
möglichst lange zu nutzen. Das zeigt, wie Ökologie und Ökonomie Hand in Hand
gehen können.
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Nachhaltigkeit ist heute ein wirtschaftlich entscheidender Faktor, der Unternehmen nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch verbesserte Auftragslagen und wirtschaftlichen Erfolg bringt.
Felix Kranert, Schneider Electric
Eine Deloitte-Studie aus 2022 belege nach Kranerts Aussagen
zudem, dass 87 % der Befragten Investitionen in nachhaltige Arbeitsweisen
langfristig als wirtschaftlich vorteilhaft ansehen. Das widerspriche dem
Mythos, Nachhaltigkeit koste nur Geld. Erfolgreiche Beispiele wie die
Rügenwalder Mühle, die durch vegane und vegetarische Produkte ihren Umsatz auf
Rekordniveau steigern konnte, belegen die Marktchancen nachhaltiger
Innovationen. Die Industrie profitiert davon, da neue Produktlinien und
Fertigungsverfahren entstehen.
Auf eine Besonderheit bei seinem Unternehmen wies Felix Kranert in diesem Zusammenhang hin: Hier seien rund 70 bis 80 % der Emissionen vorgelagert – also außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Deshalb habe man das „Zero Carbon Project“ initiiert, das rund 1.000 Zulieferer bei der Emissionsreduktion unterstützt. Dieses Vorgehen zeige, wie Nachhaltigkeit als ganzheitlicher Ansatz funktioniert und auch die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.
Ein eindrucksvolles Beispiel für nachhaltige Innovation komme
aus der Halbleiterindustrie, erklärt Kranert. Die Herstellung von Mikrochips
verursacht jährlich enorme CO₂-Emissionen und verbraucht große Mengen Wasser.
Gleichzeitig werden Chips oft nach nur fünf Jahren entsorgt, obwohl ihre
Lebensdauer bis zu 15 Jahre beträgt – eine enorme Ressourcenverschwendung.
Vier Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie
(KIT) entwickelten für diesen Fall ein Verfahren zur schonenden Entfernung von
Mikrochips von Platinen, um sie wiederzuverwenden. Mithilfe indirekter
Erwärmung können empfindliche Chips gelöst werden, ohne beschädigt zu werden.
Schneider Electric unterstützt die Industrialisierung dieses Prozesses mit
Automatisierungstechnologie, die flexible Transportsysteme und Robotik
integriert.
Diese Technologie ermöglicht es, Platinen in verschiedenen
Größen effizient zu verarbeiten, die wertvollsten Chips zu identifizieren und
sie für einen zweiten oder dritten Lebenszyklus vorzubereiten. Der Ansatz
zeigt, wie technische Innovationen die Kreislaufwirtschaft stärken und
gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile schaffen können. Denkbar sind sogar
Geschäftsmodelle, bei denen gebrauchte Chips als günstige
Second-Source-Komponenten in neuen Geräten eingesetzt werden.
Automation NEXT Conference 2026
Datum: 30. September 2026
Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm
Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.
Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.
Themenschwerpunkte:
• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion
• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels
• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und MES-Systeme
• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit
Teilnehmer:
Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.
Besonderheiten:
• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung
• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug
• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe
Praxisbeispiel: Flexible Photovoltaik-Systeme für
Kläranlagen und Industrie
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Als ein weiteres Beispiel für nachhaltige Innovation nennt Kranert
das faltbare Solarfaltdach von DAP Technology, das in Kläranlagen,
Logistikunternehmen und energieintensiven Industrien eingesetzt wird. Die
Vorteile hierbei:
CO₂-Neutralität: Die Systeme helfen Kunden, ihren
CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.
Steigerung des Eigenverbrauchs: Die erzeugte Solarenergie
wird direkt vor Ort genutzt.
Doppelte Flächennutzung: Die faltbare Konstruktion
ermöglicht eine flexible Nutzung, beispielsweise für Revisionen in Kläranlagen,
ohne die Solaranlage demontieren zu müssen.
Besonders durch die geringere Materialmenge dank der
Seilbahnkonstruktion wird der Ressourceneinsatz optimiert. Ein integrierter Algorithmus
sorgt sogar bei Schneefall für die automatische Ausrichtung der Module, um
deren Effizienz zu erhöhen.
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Die Steuerung erfolgt mit der EcoStruxure Automation Expert
Plattform von Schneider Electric, die Flexibilität, Skalierbarkeit und einfache
Inbetriebnahme ohne externe IT-Unterstützung ermöglicht. So wird die digitale
Transformation mit Nachhaltigkeit verknüpft – ein entscheidender Faktor für
Wettbewerbsfähigkeit.
Fazit und konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen
Nachhaltigkeit ist also kein Widerspruch zu wirtschaftlichem
Erfolg, sondern ein integraler Bestandteil moderner Geschäftsmodelle.
Unternehmen müssen individuelle Strategien entwickeln, die ökologische
Verantwortung mit betriebswirtschaftlichen Zielen verbinden. Die Beispiele von
Schneider Electric und Partnern zeigen, wie innovative Technologien und smarte
Konzepte Ressourcen schonen, Emissionen senken und neue Geschäftspotenziale
eröffnen.
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Der Wandel erfordert jedoch ein Umdenken: Produkte müssen
länger genutzt, Lieferketten nachhaltiger gestaltet und Flächen effizienter
genutzt werden. Automatisierung und digitale Steuerungssysteme spielen dabei
eine zentrale Rolle.
In seinem Vortrag auf der Automation NEXT Conference gab Felix
Kranert Unternehmen den dringlichen Rat, dass sie Nachhaltigkeit nicht als
Kostenfaktor, sondern als Wettbewerbsvorteil verstehen sollen. Um diesen voll
auszuschöpfen, sollen sie maßgeschneiderte Nachhaltigkeitskonzepte entwickeln,
die besonders auf ihre spezifischen Ressourcen und Märkte abgestimmt sind. Zudem
sollte in innovative Technologien investiert werden, die die Lebenszyklen von
Produkten verlängern und die Emissionen in der Lieferkette reduzieren.
Zur Unterstützung empfiehlt Kranert, Automatisierungslösungen
zu nutzen, um Flexibilität und Effizienz zu steigern und gleichzeitig die
Umweltbilanz zu verbessern. Last but not least sollten sie Kooperationen
innerhalb der Industrie angehen und fördern, um gemeinsam nachhaltige Standards
zu setzen und neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Nur so gelinge die
Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie – für eine zukunftsfähige und profitable
Wirtschaft.
Das Wichtigste in Kürze
Neue Erkenntnisse
Hoher CO2-Ausstoß bei
Halbleiterproduktion: Die Herstellung von Mikrochips verursacht jährlich so
viel CO2 wie die Hälfte aller US-Haushalte, was vielen nicht bewusst
ist.
Großer Anteil vorgelagerter Emissionen: 70 bis 80
% der Emissionen bei Schneider Electric entstehen außerhalb der eigenen
Wertschöpfungskette, was die Bedeutung von Lieferanten-Engagement
unterstreicht.
Patagonia als Beispiel für
Nachhaltigkeitsstrategie: Eine Marke, die durch Reparaturservice und langlebige
Produkte aktiv die Lebensdauer von Konsumgütern verlängert und so
Nachhaltigkeit wirtschaftlich umsetzt.
Wirtschaftliche Vorteile von Nachhaltigkeit: 87 %
der Befragten einer Deloitte-Umfrage glauben, dass Nachhaltigkeitsinvestitionen
langfristig wirtschaftlich lohnend sind, entgegen der weit verbreiteten
Meinung, dass Nachhaltigkeit nur Kosten verursacht.
Innovative Wiederverwendung von Mikrochips: Ein
neues Verfahren am KIT Karlsruhe ermöglicht die schonende Entnahme und
Wiederverwendung von Mikrochips, was Ressourcen spart und neue Geschäftsmodelle
ermöglichen könnte.
Kernbotschaften
Nachhaltigkeit ist kein moralischer Luxus,
sondern ein zwingender, wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil.
Unternehmen müssen individuelle, wirksame
Nachhaltigkeitsstrategien entwickeln, die zu ihrer Größe und ihrem Geschäft
passen.
Die Verlängerung der Produktlebensdauer und
Wiederverwendung von Ressourcen sind zentrale Hebel zur Reduktion von
Umweltbelastungen.
Technologische Innovationen, insbesondere in der
Automatisierung, spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung nachhaltiger
Geschäftsmodelle.
Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg
schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander.
Zusammenarbeit entlang der Lieferkette ist für
wirkungsvolle Emissionsreduktion unerlässlich.
Neue Geschäftsmodelle, etwa die Nutzung
gebrauchter Chips oder flexible Solarfaltdächer, zeigen Wege zur Kombination
von Ökologie und Ökonomie.