Nachbericht zur Automation NEXT Conference 2025: Ökologie und Ökonomie verbinden 

Nachhaltigkeit als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor

Felix Kranert von Schneider Electric zeigte in seinem Vortrag auf der Automation NEXT Conference 2025, wie Unternehmen mit gezielten Maßnahmen ihre CO₂-Bilanz verbessern und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken können. Entscheidend sind individuelle Nachhaltigkeitsstrategien, längere Produktlebenszyklen und der intelligente Einsatz von Ressourcen. 

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Das Kernthema des Vortrags von Felix Kranert, Schneider Electric, war die wirtschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Industrie. Er erläuterte, wie Unternehmen durch gezielte Nachhaltigkeitsmaßnahmen ökologische und wirtschaftliche Vorteile sowie neue Geschäftschancen erzielen können.

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Das Kernthema des Vortrags von Felix Kranert, Schneider Electric, war die wirtschaftliche Bedeutung von Nachhaltigkeit in der Industrie. Er erläuterte, wie Unternehmen durch gezielte Nachhaltigkeitsmaßnahmen ökologische und wirtschaftliche Vorteile sowie neue Geschäftschancen erzielen können. Byline

Nachhaltigkeit wird oft als unbequem empfunden, doch sie ist heute mehr denn je ein wirtschaftliches Muss – das machte Felix Kranert von Schneider Electric auf der Bühne der Automation NEXT Conference 2025 mehr als deutlich. Die Erwartungshaltung von Kunden und Märkten habe sich gewandelt: Energie- und Materialeffizienz seien zentrale Themen geworden, die über die Wettbewerbsfähigkeit entscheiden.

Daher setze Schneider Electric seit über 15 Jahren konsequent auf eine eigene Nachhaltigkeitsagenda, die vom damaligen CEO zur Chefsache erklärt wurde. Dieses Engagement wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Ecovadis Platinum Award und Anerkennungen durch das World Economic Forum.

Die Industrie wird häufig als „der Böse“ in der Nachhaltigkeitsdebatte gesehen. Dabei ist sie unverzichtbar für unseren heutigen Lebensstandard. Die Herausforderung besteht darin, den Status quo mit den planetaren Grenzen und sozialen Aspekten in Einklang zu bringen. Nachhaltige Transformationen könnten laut Kranert nur gelingen, wenn Unternehmen individuelle, auf ihre Größe und Möglichkeiten zugeschnittene Konzepte entwickeln. Ein zentraler Erfolgsfaktor sei es, den größten Hebel zu identifizieren, um Wirkung und Akzeptanz zu erzielen.

Umdenken in Produktion und Konsum: Längere Nutzung statt Wegwerfmentalität

Ein wichtiger Aspekt nachhaltigen Wirtschaftens ist die Verlängerung der Lebensdauer von Produkten. Am Beispiel der Outdoor-Marke Patagonia veranschaulichte Kranert, wie sinnvoll Reparaturangebote und langlebige Produkte sein können: Der Hersteller bietet kostenlose Reparaturen und Anleitungen zur Selbstreparatur, um den CO₂-Fußabdruck der Herstellung möglichst lange zu nutzen. Das zeigt, wie Ökologie und Ökonomie Hand in Hand gehen können.

Nachhaltigkeit ist heute ein wirtschaftlich entscheidender Faktor, der Unternehmen nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch verbesserte Auftragslagen und wirtschaftlichen Erfolg bringt.

Felix Kranert, Schneider Electric

Eine Deloitte-Studie aus 2022 belege nach Kranerts Aussagen zudem, dass 87 % der Befragten Investitionen in nachhaltige Arbeitsweisen langfristig als wirtschaftlich vorteilhaft ansehen. Das widerspriche dem Mythos, Nachhaltigkeit koste nur Geld. Erfolgreiche Beispiele wie die Rügenwalder Mühle, die durch vegane und vegetarische Produkte ihren Umsatz auf Rekordniveau steigern konnte, belegen die Marktchancen nachhaltiger Innovationen. Die Industrie profitiert davon, da neue Produktlinien und Fertigungsverfahren entstehen.

Auf eine Besonderheit bei seinem Unternehmen wies Felix Kranert in diesem Zusammenhang hin: Hier seien rund 70 bis 80 % der Emissionen vorgelagert – also außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette. Deshalb habe man das „Zero Carbon Project“ initiiert, das rund 1.000 Zulieferer bei der Emissionsreduktion unterstützt. Dieses Vorgehen zeige, wie Nachhaltigkeit als ganzheitlicher Ansatz funktioniert und auch die Wettbewerbsfähigkeit stärkt.

Praxisbeispiel: Wiederverwendung von Mikrochips

Ein eindrucksvolles Beispiel für nachhaltige Innovation komme aus der Halbleiterindustrie, erklärt Kranert. Die Herstellung von Mikrochips verursacht jährlich enorme CO₂-Emissionen und verbraucht große Mengen Wasser. Gleichzeitig werden Chips oft nach nur fünf Jahren entsorgt, obwohl ihre Lebensdauer bis zu 15 Jahre beträgt – eine enorme Ressourcenverschwendung.

Vier Studierende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickelten für diesen Fall ein Verfahren zur schonenden Entfernung von Mikrochips von Platinen, um sie wiederzuverwenden. Mithilfe indirekter Erwärmung können empfindliche Chips gelöst werden, ohne beschädigt zu werden. Schneider Electric unterstützt die Industrialisierung dieses Prozesses mit Automatisierungstechnologie, die flexible Transportsysteme und Robotik integriert.

Diese Technologie ermöglicht es, Platinen in verschiedenen Größen effizient zu verarbeiten, die wertvollsten Chips zu identifizieren und sie für einen zweiten oder dritten Lebenszyklus vorzubereiten. Der Ansatz zeigt, wie technische Innovationen die Kreislaufwirtschaft stärken und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile schaffen können. Denkbar sind sogar Geschäftsmodelle, bei denen gebrauchte Chips als günstige Second-Source-Komponenten in neuen Geräten eingesetzt werden.

Automation NEXT Conference 2026

Datum: 30. September 2026

Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm

Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.

Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.

Themenschwerpunkte:

• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion

• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels

• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und MES-Systeme

• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit

Teilnehmer:

Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.

Besonderheiten:

• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung

• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug

• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe

Weitere Informationen & die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.

Praxisbeispiel: Flexible Photovoltaik-Systeme für Kläranlagen und Industrie

Als ein weiteres Beispiel für nachhaltige Innovation nennt Kranert das faltbare Solarfaltdach von DAP Technology, das in Kläranlagen, Logistikunternehmen und energieintensiven Industrien eingesetzt wird. Die Vorteile hierbei:

  • CO₂-Neutralität: Die Systeme helfen Kunden, ihren CO₂-Fußabdruck zu reduzieren.
  • Steigerung des Eigenverbrauchs: Die erzeugte Solarenergie wird direkt vor Ort genutzt.
  • Doppelte Flächennutzung: Die faltbare Konstruktion ermöglicht eine flexible Nutzung, beispielsweise für Revisionen in Kläranlagen, ohne die Solaranlage demontieren zu müssen.

Besonders durch die geringere Materialmenge dank der Seilbahnkonstruktion wird der Ressourceneinsatz optimiert. Ein integrierter Algorithmus sorgt sogar bei Schneefall für die automatische Ausrichtung der Module, um deren Effizienz zu erhöhen.

Die Steuerung erfolgt mit der EcoStruxure Automation Expert Plattform von Schneider Electric, die Flexibilität, Skalierbarkeit und einfache Inbetriebnahme ohne externe IT-Unterstützung ermöglicht. So wird die digitale Transformation mit Nachhaltigkeit verknüpft – ein entscheidender Faktor für Wettbewerbsfähigkeit.

Fazit und konkrete Handlungsempfehlungen für Unternehmen

Nachhaltigkeit ist also kein Widerspruch zu wirtschaftlichem Erfolg, sondern ein integraler Bestandteil moderner Geschäftsmodelle. Unternehmen müssen individuelle Strategien entwickeln, die ökologische Verantwortung mit betriebswirtschaftlichen Zielen verbinden. Die Beispiele von Schneider Electric und Partnern zeigen, wie innovative Technologien und smarte Konzepte Ressourcen schonen, Emissionen senken und neue Geschäftspotenziale eröffnen.

Der Wandel erfordert jedoch ein Umdenken: Produkte müssen länger genutzt, Lieferketten nachhaltiger gestaltet und Flächen effizienter genutzt werden. Automatisierung und digitale Steuerungssysteme spielen dabei eine zentrale Rolle.

In seinem Vortrag auf der Automation NEXT Conference gab Felix Kranert Unternehmen den dringlichen Rat, dass sie Nachhaltigkeit nicht als Kostenfaktor, sondern als Wettbewerbsvorteil verstehen sollen. Um diesen voll auszuschöpfen, sollen sie maßgeschneiderte Nachhaltigkeitskonzepte entwickeln, die besonders auf ihre spezifischen Ressourcen und Märkte abgestimmt sind. Zudem sollte in innovative Technologien investiert werden, die die Lebenszyklen von Produkten verlängern und die Emissionen in der Lieferkette reduzieren.

Zur Unterstützung empfiehlt Kranert, Automatisierungslösungen zu nutzen, um Flexibilität und Effizienz zu steigern und gleichzeitig die Umweltbilanz zu verbessern. Last but not least sollten sie Kooperationen innerhalb der Industrie angehen und fördern, um gemeinsam nachhaltige Standards zu setzen und neue Geschäftsmodelle zu erschließen. Nur so gelinge die Verknüpfung von Ökologie und Ökonomie – für eine zukunftsfähige und profitable Wirtschaft.

Das Wichtigste in Kürze

Neue Erkenntnisse

  1. Hoher CO2-Ausstoß bei Halbleiterproduktion: Die Herstellung von Mikrochips verursacht jährlich so viel CO2 wie die Hälfte aller US-Haushalte, was vielen nicht bewusst ist.
  2. Großer Anteil vorgelagerter Emissionen: 70 bis 80 % der Emissionen bei Schneider Electric entstehen außerhalb der eigenen Wertschöpfungskette, was die Bedeutung von Lieferanten-Engagement unterstreicht.
  3. Patagonia als Beispiel für Nachhaltigkeitsstrategie: Eine Marke, die durch Reparaturservice und langlebige Produkte aktiv die Lebensdauer von Konsumgütern verlängert und so Nachhaltigkeit wirtschaftlich umsetzt.
  4. Wirtschaftliche Vorteile von Nachhaltigkeit: 87 % der Befragten einer Deloitte-Umfrage glauben, dass Nachhaltigkeitsinvestitionen langfristig wirtschaftlich lohnend sind, entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Nachhaltigkeit nur Kosten verursacht.
  5. Innovative Wiederverwendung von Mikrochips: Ein neues Verfahren am KIT Karlsruhe ermöglicht die schonende Entnahme und Wiederverwendung von Mikrochips, was Ressourcen spart und neue Geschäftsmodelle ermöglichen könnte.

Kernbotschaften

  1. Nachhaltigkeit ist kein moralischer Luxus, sondern ein zwingender, wirtschaftlicher Wettbewerbsvorteil.
  2. Unternehmen müssen individuelle, wirksame Nachhaltigkeitsstrategien entwickeln, die zu ihrer Größe und ihrem Geschäft passen.
  3. Die Verlängerung der Produktlebensdauer und Wiederverwendung von Ressourcen sind zentrale Hebel zur Reduktion von Umweltbelastungen.
  4. Technologische Innovationen, insbesondere in der Automatisierung, spielen eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung nachhaltiger Geschäftsmodelle.
  5. Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht aus, sondern bedingen einander.
  6. Zusammenarbeit entlang der Lieferkette ist für wirkungsvolle Emissionsreduktion unerlässlich.
  7. Neue Geschäftsmodelle, etwa die Nutzung gebrauchter Chips oder flexible Solarfaltdächer, zeigen Wege zur Kombination von Ökologie und Ökonomie.