Wer heute wettbewerbsfähig produzieren möchte, muss eine moderne und sichere Automatisierungsinfrastruktur vorweisen. Arntz Optibelt zeigt, wie sich ein Industrieunternehmen durch die Modernisierung des Fertigungsnetzwerks fit für die Zukunft macht. Phoenix Contact unterstützt das Projekt durch umfangreiche Beratung und zuverlässige Netzwerktechnik.
Alyssia AulenbergAlyssiaAulenbergAlyssia AulenbergManager Marketing and Communications Automation Infrastructure, Phoenix Contact
3 min
Ein Produkt aus der Fertigung von Arntz Optibelt: der Hochleistungs-Schmalkeilriemen Blue Power 2Arntz Optibelt
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In den Hallen
des über 150 Jahre alten Fabrikgeländes riecht es nach Gummi. Hier stellt Arntz
Optibelt Hochleistungs-Antriebsriemen und -systeme her. Mit einer langen
Tradition und dem Fokus auf Qualität und Innovation hat sich das Unternehmen
einen Namen in der Antriebstechnik erworben. Bei einem Gang durch das zentrale
Prüffeld lässt sich feststellen, wo die Produkte überall zum Einsatz kommen.
Fahrräder mit Riemenantrieb stehen im Gang.
In einem Prüffeld
wird gerade ein Dauertest mit einem Aufsitzrasenmäher durchgeführt. Ein anderer
Raum bietet Platz für ein Transportband. Gegenüber wird es laut. Zwischen zwei
großen Motoren wurde ein überdimensionierter Antriebsriemen gespannt; die
Testmaschine nimmt fast den gesamten Raum ein.
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Das Ziel: Produktionsprozesse überwachen und optimieren
Wer
aufmerksam durch die Fabrikgebäude geht, sieht sie an jeder Stelle: kleine
Schaltschränke, die meist unter der Decke angebracht sind und in denen sich
Netzwerktechnik befindet. Das war nicht immer so. Vor über zehn Jahren bekamen
Maik Hagemeyer und seine Kollegen aus der Betriebsmittelentwicklung die
Aufgabe, ein System zur Maschinendaten- respektive Betriebsdatenerfassung
(MDE/BDE) einzuführen. Die Fabrik sollte also digitaler werden.
„Dass das mit
einem klassischen IT-Netzwerk nicht funktioniert, stellte sich schnell heraus“,
so Hagemeyer. Es gab zahlreiche Insellösungen und Behelfskonstrukte. Zudem war
das Netzwerk instabil und konnte als Class-C-Netzwerk lediglich eine begrenzte
Anzahl an Teilnehmern integrieren. Es musste folglich ein stabiles und
zuverlässiges Produktionsnetzwerk aufgebaut werden. Dabei stand die
ausfallsichere Datenverbindung zu den Maschinen im Fokus, um die Fertigungsprozesse
besser überwachen und optimieren zu können.
Die Umsetzung: hochverfügbare
Switching-Infrastruktur verbindet IT und OT
Um diese Herausforderung zu bewältigen, wandte
sich Arntz Optibelt an die Netzwerkspezialisten von Phoenix Contact.
Gemeinsam wurde ein umfassendes Netzwerkkonzept für den Produktionsstandort
Höxter entwickelt. „Wir haben im ersten Schritt großen Wert auf die
Verfügbarkeit gelegt“, berichtet Martin Hecker, der das neue Netzwerk bei Arntz
Optibelt seitens Phoenix Contact entworfen hat. Dazu wurde die IT über
eine hochverfügbare Switching-Infrastruktur mit der OT verbunden. Jede Halle
ist mit einem eigenen Netzwerksegment angebunden. Um die Ausfallsicherheit zu
erhöhen, ist die Anbindung redundant ausgelegt. In den Fertigungshallen sind
die Netzwerk-Teilnehmer in Ringstrukturen verbunden, die durch gängige
Industrieprotokolle abgesichert werden. Die dafür notwendige Netzwerktechnik
kam ebenfalls von Phoenix Contact.
Die Managed Switches von Phoenix Contact sorgen aufgrund von Redundanzmechanismen und zahlreichen Diagnosefunktionen für ein ausfallsicheres Netzwerk.Phoenix Contact
Damit das Konzept den Anforderungen
entspricht, wurde es zunächst in einem Pilotbereich getestet. Nach der erfolgreichen
Prüfung wurde das Netzwerk sukzessive auf weitere Produktionsstandorte in
China, Rumänien, Mexiko und andere deutsche Standorte ausgerollt. Das Netzwerk-Design
war von Anfang an so konzipiert, dass der Schwerpunkt zwar auf der
Verfügbarkeit liegt, jedoch gleichzeitig eine zukünftige einfache Erweiterung
der Netzwerksicherheit im Rahmen der laufenden Modernisierung möglich ist.
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Das
Ergebnis: Mikrosegmentierung schützt vor Cyber-Angriffen
Genau
diese Weitsicht kam den Beteiligten wenige Jahre später zugute, als die IT zusätzliche
Anforderungen an die Security des Fertigungsnetzwerks stellte. „Inzwischen ist
unser Produktionsnetzwerk systemkritisch geworden. Wenn es ausfällt, steht die Fertigung“,
erklärt Maik Hagemeyer. Security wurde somit zu einem kritischen Faktor. Die IT
wollte alle Kommunikationsbeziehungen, die zwischen den Hallen sowie zwischen
Hallen und dem überlagerten IT-Netzwerk stattfinden, über Firewalls regulieren. Nach einer gemeinsamen
Beratung fand das Expertenteam von Arntz Optibelt und Phoenix Contact eine
gute Lösung.
Security Router vor jeder Maschine schützen das Netzwerk vor Broadcaststürmen und unbefugten Zugriffen.Phoenix Contact
Eine
klassische IT-Firewall routet in die Subnetze und überwacht die
Kommunikationsbeziehungen zwischen Produktion und IT sowie zwischen den
Subnetzen/VLANs. Darüber hinaus wurde eine Mikrosegmentierung eingeführt: Jede
einzelne Fertigungsanlage wird durch industrielle Security-Router weiter
geschützt.
So lassen sich Broadcaststürme verhindern und Zugriffe in die Profinet-Anlagen absichern.
Dieser zusätzliche Schutz des Produktionsnetzwerks kam gerade noch rechtzeitig:
2024 wurde Arntz Optibelt Ziel eines starken Cyber-Angriffs, der auch Teile der
IT lahmlegte. Zum Glück konnten die Angreifer aufgrund des sicheren Netzwerkkonzepts
nicht auf das Fertigungsnetzwerk zugreifen.
Der
Vorteil: Generierung individueller Firewall-Regelsätze
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Um
das wachsende Netzwerk gut managen zu können, setzt Arntz Optibelt inzwischen
auf ein professionelles Netzwerkmanagement. Mit der Netzwerkmanagementsoftware von
Phoenix Contact lassen sich die im Feld eingesetzten Geräte einfach konfigurieren
und überwachen sowie Firewall-Regelsätze basierend auf den
Kommunikationsbeziehungen generieren. Gemeinsam mit Arntz Optibelt sind hier
neue Wege beschritten worden. Die Software zum Gerätemanagement wurde flexibel
auf einer containerbasierten Plattform umgesetzt. „Das ist das Schöne an der
Zusammenarbeit. Wir lernen und profitieren voneinander“, berichtet Maik Hagemeyer.
Durch eine enge Zusammenarbeit mit der IT konnten Schnittstellen und Verantwortlichkeiten gut geregelt werden.Phoenix Contact
Insgesamt standen die Spezialisten von Phoenix Contact
im kompletten Ablauf zur Seite. Martin Hecker: „Wir haben das Netzwerk-Design
erstellt sowie am Standort Höxter beim Rollout unterstützt. Die Mitarbeitenden
von Arntz Optibelt sind von den Kollegen und mir geschult und bei der
Weiterentwicklung des Netzwerks begleitet worden. Außerdem haben wir neue VLANs
angelegt und bei der Identifizierung von Netzwerkstrukturen sowie dem
Monitoring und der Konfiguration geholfen.“ Die Installation des Netzwerks lief
ebenso gemeinsam ab. Die vielen Switch-Boxen, die überall in der Produktion
verteilt montiert worden sind, wurden bereits fertig von Phoenix Contact
geliefert. Inzwischen wird bereits die dritte Generation von Switch-Boxen
eingesetzt, bei deren Entwicklung die Erfahrungen von Arntz Optibelt maßgeblich
mit eingeflossen sind.
„Die Kooperation mit Phoenix Contact macht wirklich
Spaß. Unser nächstes gemeinsames Projekt ist bereits in Arbeit“, berichtet Maik
Hagemeyer. Im Projekt entwickelt das Team ein standardisiertes Fernwartungskonzept,
um sicher auf Maschinen zugreifen zu können. Auch hier wird wieder eine Lösung
von Phoenix Contact zum Einsatz kommen.
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FAQ: Netzwerkmodernisierung bei Arntz Optibelt
1. Warum war eine Modernisierung des Produktionsnetzwerks notwendig? Die bestehende Infrastruktur war instabil, bestand aus Insellösungen und konnte als Class-C-Netzwerk nur eine begrenzte Anzahl an Teilnehmern integrieren. Zudem war sie nicht geeignet, um Maschinendaten zuverlässig zu erfassen und Produktionsprozesse effizient zu überwachen und zu optimieren.
2. Welche Lösung wurde zur Verbesserung der Netzwerkverfügbarkeit umgesetzt? Es wurde eine hochverfügbare Switching-Infrastruktur eingeführt, die IT und OT verbindet. Die Fertigungshallen sind in Segmente unterteilt, redundant angebunden und innerhalb der Hallen in Ringstrukturen organisiert, um maximale Ausfallsicherheit zu gewährleisten.
3. Wie wird die Sicherheit des Produktionsnetzwerks gewährleistet? Neben klassischen IT-Firewalls wurde eine Mikrosegmentierung eingeführt. Jede einzelne Maschine ist durch industrielle Security-Router geschützt, wodurch unbefugte Zugriffe verhindert und Risiken wie Broadcaststürme reduziert werden.
4. Welche Rolle spielte das Netzwerkmanagement im Projekt? Eine zentrale Netzwerkmanagementsoftware ermöglicht die einfache Konfiguration, Überwachung und Wartung aller Geräte. Zudem können Firewall-Regelsätze automatisiert auf Basis realer Kommunikationsbeziehungen erstellt werden, was die Verwaltung deutlich effizienter macht.
5. Welche konkreten Vorteile brachte die Modernisierung? Das neue Netzwerk erhöht die Verfügbarkeit und Sicherheit der Produktion erheblich. Besonders deutlich wurde dies bei einem Cyberangriff im Jahr 2024, bei dem das Fertigungsnetzwerk dank des Sicherheitskonzepts geschützt blieb und nicht kompromittiert werden konnte.