Um schwankende Auftragsvolumina besser zu bewältigen, hat HMT seine Bauteilreinigung mit Unterstützung von MiniTec und Yaskawa automatisiert. Mehrere Yaskawa-Roboter ersetzen nun manuelle Prozesse und schaffen ein flexibles, qualitätsgesichertes System – für mehr Planungssicherheit, geringere Personalabhängigkeit und eine stets saubere Lösung.
Stefan WacheStefanWacheStefan WacheLeiter Marketing und Kommunikation, MiniTec
4 min
Ausreichend Kapazität durch zwei identische Entnahmeplätze mit insgesamt acht Motoman GP12 Robotern.Yaskawa Europe
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„Nicht
nur sauber, sondern rein“ lautete einmal das Versprechen einer bekannten
Waschmittel-Werbung. Einen ähnlichen Anspruch hat auch HMT – Häseler
Metalltechnik aus St. Georgen, wenn es um das Reinigen technischer Bauteile
geht. Das 1983 gegründete Unternehmen ist Spezialist für Stanz- und
Umformtechnik sowie Bauteilereinigung bei sehr hohen technischen
Sauberkeitsanforderungen. Die Kunden sind hauptsächlich im Automotivsektor
angesiedelt. Bei den Werkstücken handelt es sich zumeist um Stanzbauteile, die
mit Elektrokomponenten und Leiterplatten in Berührung kommen.
Joachim
Hölzl, Technischer Geschäftsführer des Unternehmens, spricht von einer
All-in-One-Lösung, die HMT hier anbietet: „Wir haben das Stanzen und Reinigen
auf 12.500 qm Fläche komplett unter einem Dach. Unser Leistungsspektrum reicht
vom Stanzen, Umformen und Tiefziehen bis hin zur Teilereinigung – inklusive
Restschmutzanalyse im eigenen Labor. Wir sind in der Lage, nahezu jeden
Kundenwunsch zu erfüllen. Die Basis hierfür bilden der eigene Werkzeugbau, ein
moderner Maschinenpark und engagierte Mitarbeiter mit fundiertem Detailwissen.
Unsere Prozesse und Verfahren entsprechen den höchsten Automobilstandards.“
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Herausforderung
schwankender Auftragsbestand
Bei HMT
sind zwei Reinigungsanlagen im Einsatz. Gearbeitet wird bei Normalauslastung im
Zweischichtbetrieb, was das Durchschleusen von rund 40 Millionen Bauteilen pro
Jahr ermöglicht. Früher wurden viele Tätigkeiten beim Reinigungsprozess von
Mitarbeitern vorgenommen. Doch der generelle Arbeitskräftemangel machte sich
immer stärker bemerkbar. Hier brachte auch die Zusammenarbeit mit
Personaldienstleistern keine befriedigende Lösung.
Grund
waren die volatilen wöchentlichen Veränderungen des Auftragsbestandes, so
Joachim Hölzl: „Das machte eine vernünftige Ressourcenplanung schwierig – und
auch, kurzfristig auf neue Gegebenheiten zu reagieren. Eine Woche gehen die
Bedarfe nach oben, und bis man da die Kapazitäten über das Personal integriert
hat, ist die Woche schon fast vorbei.“
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Für die
Zukunft wünschte sich Hölzl, hier deutlich verlässlicher planen und steuern und
auf Kapazitätsschwankungen flexibler reagieren zu können. Dieses Ziel sollte
durch eine stärkere Automatisierung erreicht werden – im Fokus stand dabei die
Bestückung der Transportgestelle mit den Bauteilen für den Reinigungsvorgang
und die spätere Entnahme.
Zunächst
setzte man sich mit eigenen Spezialisten im Haus zusammen – unter Federführung
von Tobias Seemann, Teamleiter der Automationsabteilung bei HMT. Man
erarbeitete eine ABC-Analyse der Bauteile und diskutierte mögliche
Lösungsansätze. Hölzl erläutert: „Wir bauten ein eigenes internes Labor und
starteten mit einem Schulungsroboter die ersten Versuche. Die Ergebnisse waren
sehr beeindruckend. Wir nahmen dann Kontakt zu Yaskawa auf, das uns für die
weiteren Schritte einen ihrer Roboter zur Verfügung stellte. Als wir uns
schließlich bezüglich der Machbarkeit sicher waren, setzten wir uns mit MiniTec
als Systemintegrator zusammen. Wir haben dem Automations-Experten Peter Müller
unsere Visionen vorgestellt und mit ihm diskutiert, wie die Anlage aussehen
könnte, anhand von unserem Pflichten- und Lastenheft. Anschließend entwickelte
er ein Konzept zur Realisierung der Lösung, und es ging in die Umsetzung.“
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Bild 1: Über eine Hängebahn fahren die mit den Bauteilen bestückten Gestelle in die Reinigungsanlage ein.Yaskawa Europe
Heraus
kam schließlich eine hochkomplexe, 20 m x 10 m große Anlage, bei der die
Entnahme der gereinigten Bauteile sowie deren Ein- und Auslagerung
vollautomatisch vonstattengehen. Dabei sorgt die Ausgestaltung mit zwei
identischen Entnahmeplätzen für eine ausreichende Kapazität. Insgesamt acht
Motoman-GP12-Roboter kümmern sich dort um das Entstücken der Teileträger. Die
Roboter der GP-Serie zeichnen sich durch hohe Geschwindigkeiten,
Beschleunigungen und Wiederholgenauigkeit aus. Das Ganze ist mit einem
vollautomatischen Lagersystem gekoppelt.
Ablauf
heute
Die zu
reinigenden Bauteile der Kunden gelangen in verschiedenen Verpackungsarten zu
HMT (Gitterboxen, Holzboxen, Kartonagen etc.). Am Aufnahmeplatz werden sie –
heute noch manuell – aus den Gebinden entnommen und auf Reinigungsgestellen
fixiert.
Dann
holt sich die Anlage die Gestelle aus dem Pufferspeicher ab. Sie durchlaufen
über eine Hängebahn in verschiedenen Zonen auf einer Länge von 60 m die
Reinigung. Von dort geht's in den Trockenraum, anschließend in den Kühlraum und
danach in den Reinraum. Je nach technischer Spezifikation der Bauteile bleibt
das Reinigungsgestell dann entweder zur Entnahme dort stehen oder geht weiter
in den Sauberraum, wo sich die Abnahmeplätze mit den Robotern befinden.
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Weil
sich die Bauteile beim Reinigungsprozess noch bewegen können, kann es bei der
Entnahme durch den Roboter zu einer Differenz von einem Griff zum anderen
kommen. Deshalb erfolgt hier eine Kameraprüfung, welche die Koordinaten
festlegt, um die Bauteile in den Kleinladungsträgern (KLTs) korrekt platzieren
zu können. Dadurch ist sichergestellt, dass bei der Weitergabe an andere
Abteilungen die Ordnung dieser Bauteile nicht verloren geht.
Bild 2: Eine Kameraprüfung bei der Entnahme sorgt dafür, dass die Bauteile anschließend in den KLTs korrekt platziert werden.Yaskawa Europe
Bei der
Bestückung erhalten die Reinigungsgestelle auf einem Barcode die Information,
um welche Teile es sich handelt und zu welchem Entnahme-Bahnhof sie fahren
müssen. Am Abnahmeplatz werden die artikelspezifischen Informationen über eine
Schnittstelle zwischen der Reinigungsanlage und den Roboterzellen übertragen.
Joachim Hölzl erklärt: „Dadurch weiß der Roboter genau, welches Bauteil kommt,
in welcher Menge. Und weiß dadurch auch, dass er diese Menge entnehmen muss.
Und wenn mal ein Bauteil verloren gegangen ist, rechnet er die Sollzahl minus
1. Also haben wir immer die korrekte entnommene Stückzahl.“
Automatische
Fördertechnik von MiniTec
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Jeder
Roboter hat einen KLT vor sich stehen. Er entnimmt die Bauteile aus dem
Reinigungsgestell und setzt sie in der Box fachgerecht ein. Wenn er dann die
vorgegebene Menge erreicht hat, fährt der KLT automatisch raus, und der Roboter
bekommt wieder eine leere Box zur Verfügung gestellt.
Der
befüllte KLT fährt nun automatisch über eine Förderstrecke zu einem Lagerregal.
Bei der Fördertechnik handelt es sich um ein FMS-System von MiniTec. Also ein
Transfersystem, wo dann die Boxen über Kurven oder Drehteller weiter
transportiert werden. Eine Besonderheit bei der Version von HMT ist, dass hier
keine sonst üblichen Werkstückträger (Paletten) zum Einsatz kommen, sondern die
KLTs direkt von den Rollenketten angetrieben werden.
An dem
Lagerregal befindet sich ein Lagerbediengerät (Shuttle), ebenfalls von MiniTec
entwickelt. Dieses kümmert sich um die automatische Einlagerung der KLTs und
fährt dazu hin und her. Ebenso transportiert es Bauteile zur Sichtprüfung.
Dieser Bereich verfügt über einen Leitstand, auf welchem die Mitarbeiter sehen,
welche Bauteile sich im Lagersystem befinden. Die zu prüfenden Teile können sie
sich dann über ein Bedienpult anfordern. Als Folge startet das Shuttle die
Auslagerung und stellt die KLTs über eine Fördertechnik der Sichtprüfung zur
Verfügung. Dort werden die Teile nach Fehlerkatalogen der Kunden begutachtet.
Wenn sie i.O. sind, werden sie in die kundenspezifische Verpackung verpackt.
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Bild 3: Die befüllten KLTs fahren über eine FMS-Förderstrecke von MiniTec zum Lagerregal, leere Boxen werden den Robotern wieder zur Verfügung gestellt.Yaskawa Europe
Flexibilität
deutlich gesteigert
Bereits
nach der ersten Anlaufzeit merkt Joachim Hölzl die Vorteile der Anlage: „Der
große Nutzen ist die Flexibilität. Heute haben wir hier den entscheidenden
Vorteil, die Kapazitäten auch kurzfristig jederzeit nach oben setzen zu
können.“ Aber auch mit dem Projektverlauf zeigt sich Hölzl zufrieden: „Die
Zusammenarbeit in diesem Dreier-Team MiniTec, Yaskawa und HMT funktionierte
sehr gut und führte letztendlich zu einem hervorragenden Ergebnis. Yaskawa hat
uns wie erwähnt in der Weise unterstützt, dass sie uns einen Roboter zur
Verfügung gestellt haben. Aber auch MiniTec als Systemintegrator hat uns
intensiv unterstützt. Simulationen, Taktzeiten, solche Thematiken. Das war eine
absolute gute Zusammenarbeit mit allen Beteiligten.“
Generell
ist der HMT-Chef dem Thema Automatisierung sehr aufgeschlossen. So denkt er
bereits darüber nach, auch die Bestückung der Reinigungsgestelle von manuell
auf Roboter umzustellen. Ein weiteres Thema ist die Entnahme der Bauteile im
Reinraum. „Wir haben hier viele Ansätze, nicht nur in der Produktion. Auch in
der Verwaltung gibt es zahlreiche Automatisierungsmöglichkeiten, von denen wir
schon einige umgesetzt haben. Wir wollen in Zukunft bei allen Bereichen
betrachten, welche Prozesse sich automatisieren lassen, um die Fehlereinflüsse
des Menschen so weit wie möglich zu minimieren.“ Entsprechend ist die
Automatisierungsabteilung mittlerweile auf vier Personen angewachsen. Und auch
Yaskawa und MiniTec werden aufgrund der positiven Erfahrungen auch künftig
wieder mit im Boot sein.
FAQ: Automatisierte Reinigungsanlage bei HMT
1. Warum hat HMT seine Reinigungsprozesse automatisiert? HMT stand vor der Herausforderung stark schwankender Auftragsvolumina und zunehmendem Arbeitskräftemangel. Die manuelle Bestückung und Entnahme erschwerte eine flexible Ressourcenplanung. Ziel der Automatisierung war es daher, die Planungssicherheit zu erhöhen und schneller auf Kapazitätsschwankungen reagieren zu können.
2. Wie ist die automatisierte Reinigungsanlage aufgebaut? Die Anlage umfasst eine rund 20 x 10 Meter große, hochkomplexe Lösung mit insgesamt acht Motoman-GP12-Robotern. Diese übernehmen die Entnahme der Bauteile. Ergänzt wird das System durch eine Hängebahn-Reinigungslinie, ein vollautomatisches Lagersystem sowie eine Fördertechnik von MiniTec.
3. Welche Aufgaben übernehmen die Roboter im Prozess? Die Roboter entnehmen die gereinigten Bauteile aus den Gestellen und platzieren sie präzise in Kleinladungsträgern (KLTs). Dabei sorgt eine Kameraprüfung für die exakte Positionierung. Zudem wird über Barcodes und Schnittstellen sichergestellt, dass die richtige Stückzahl verarbeitet wird.
4. Welche Vorteile bringt die Automatisierung für HMT? Die Automatisierung steigert vor allem die Flexibilität, da Kapazitäten kurzfristig angepasst werden können. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von Personal, und die Prozessqualität bleibt konstant hoch. Auch die Planung und Steuerung der Produktion werden deutlich zuverlässiger.
5. Welche weiteren Automatisierungsschritte sind geplant? HMT plant, künftig auch die Bestückung der Reinigungsgestelle sowie weitere Prozesse im Reinraum und sogar in der Verwaltung stärker zu automatisieren. Ziel ist es, menschliche Fehler weiter zu reduzieren und die Effizienz im gesamten Unternehmen zu steigern.