Technische Universität München (TUM) entwickelt neuen Assistenzroboter für die Pflege
Forscher stellen neuen Garmi vor
Die Technische Universität München (TUM) hat einen neuen Assistenzroboter entwickelt. Dafür haben Robotikforscherinnen und -forscher des Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) und Designerinnen und Designer des Munich Design Instituts (MDI) eng zusammengearbeitet. Bei einem Besuch im Garmischer Forschungszentrum hat das Forscherteam der Staatsministerin für Gesundheit, Pflege und Prävention Judith Gerlach den neuen Roboter nun erstmals öffentlich vorgestellt.
Bernhard RichterBernhardRichter
2 min
Der neue Assistenzroboter steht künftig im Vordergrund der Forschungen in Garmisch. Im Hintergrund: Der Garmi der ersten Generation.www.maxmerget.de
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Der neue Garmi
hat sich verändert: Auf einer kippsicheren fahrbaren Basis ist der Oberkörper
des neuen Pflegeroboters an einer Hubsäule angebracht, die bei Bedarf
ausgefahren werden kann. Zwei Arme befinden sich rechts und links von der
Hubsäule. Darüber ein Kopf mit wachen, ab und zu zwinkernden Augen. Die neue
Generation des Garmi verfügt über diverse Sensoren: Auf Augenhöhe sind Kameras
montiert, um Bewegungen im Umfeld wahrzunehmen, auf Beinhöhe hält ein Lidar
Gegenstände in direkter Umgebung auf ausreichende Distanz und künftig sichern
und koordinieren 3D-Kameras die Bewegungen der beiden Arme zusätzlich. Auf
Brusthöhe befindet sich zudem ein Bildschirm.
Robotik-Forscher:
Integratoren von Technik und Design
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Prof. Alexander König im Gespräch mit der Bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach. Vorne: Der neue Garmi.MAX MERGET
„Der neue
Garmi versteht Sprache, entwickelt eigenständig einen Plan und bringt etwas zu
trinken “, sagt Alexander König, dessen Team die neue Plattform entwickelt und
umgesetzt hat. Auf Basis des neuen Designs sind nun erste Funktionalitäten
entwickelt worden, die für den Einsatz später relevant sind. Der
MIRMI-Professor sagt: „Ein Roboter muss funktionieren, bedienbar sein und
zugleich Menschen ansprechen. Deswegen kooperieren wir mit Design-Expertinnen
und -Experten.“ Robotiker König sieht sein Garmischer Forschungsteam als
Integrator, der Technik und Design zusammenbringt. Dazu gehört etwa, dass Garmi
präzise greift (Perzeption) und exakt an den Ort gelangt, an dem er Aufgaben
erledigen soll (Navigation). Das Design soll Menschen zudem darin unterstützen,
mit dem Roboter zu interagieren und zu kommunizieren und gleichzeitig Vertrauen
und Sicherheit vermitteln.
Bayerns
Gesundheitsministerin Judith Gerlach betonte: „Der neue Entwicklungsansatz von
‚Garmi‘ ist äußerst spannend. Die TUM schafft am Forschungsstandort in
Garmisch-Partenkirchen innovative Lösungen, die hervorragend dafür geeignet
sind, Pflegekräfte zu entlasten. Gleichzeitig kann die Lebensqualität
pflegebedürftiger Menschen verbessert werden“.
Forscher der Technischen Universität München (TUM) testen den Assistenzroboter im Labor.MAX MERGET
Der
Vizepräsident der TUM Gerhard Kramer ergänzt: „Das Geriatronik-Forscherteam
in Garmisch beweist einmal mehr, dass es nah an den Bedürfnissen von Pflegenden
und älteren Menschen dran ist. Nur so lassen sich Lösungen finden, die
Pflegebedürftige am Ende optimal unterstützen. Schön zu sehen, dass der neue
Garmi in so enger Zusammenarbeit auch mit dem Munich Design Institut entstanden
ist.“
Anforderungen
von Pflegepersonal, älteren Menschen, Ärztinnen und Ärzten sowie
Robotik-Forschern berücksichtigt
Forscher der Technischen Universität München (TUM) bringen dem neuen Assistenzroboter das Greifen bei. Hinten: Helfried PeyrlMAX MERGET
„Während der
ursprüngliche Garmi als vielseitige Forschungsplattform konzipiert war, wurde
der neue Garmi gezielt für den Pflegekontext weiterentwickelt“, sagt Annette
Diefenthaler, die als Professorin für Design und Transdisziplinarität und
Leiterin des Munich Design Instituts (MDI) zusammen mit einem externen Partner
das Design des neuen Roboters entwickelt hat. Wichtige Anhaltspunkte für die
Gestaltung der neuen Generation eines Assistenzroboters gaben mehrere
Workshops, an denen Pflegepersonal, ältere Menschen, Ärztinnen und Ärzte sowie
Robotik-Forscher teilnahmen. „Empathisch, kompetent, professionell,
vertrauenswürdig und freundlich“ stand auf der Wunschliste von Teilnehmern eines Design-Workshop Ende letzten Jahres. Bei aller Technik, so war klar, spielt
die Akzeptanz und emotionale Nähe zu einem Pflegeroboter eine mitentscheidende
Rolle. Nicht zuletzt deswegen ist er auch in Loden gehüllt: „Der Stoff
verbindet Tradition und Zukunft, verleiht dem Roboter Wärme sowie Regionalität
und macht ihn vertrauenswürdiger“, kommentiert Prof. Diefenthaler.
Der
neue Garmi: “Ein freundliches Wesen, das Technik steuert“
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Zwar ähnelt
der Roboter mehr einer mobilen Plattform als einem Humanoiden. „Doch war uns
von Beginn an klar, dass der Roboter einen freundlichen, nahbaren Charakter
erhalten soll – mit subtilen menschenähnlichen Zügen“, sagt Diefenthaler. Die
neue Plattform sieht nicht aus wie ein Mensch: „Es ist ein freundliches Wesen,
das Technik steuert. So rückt die Maschine in den Hintergrund und der Roboter
baut eine emotionale Verbindung auf.“
Prof. Annette Diefenthaler und Prof. Alexander König diskutieren über den neuen Assistenzroboter.MAX MERGET
Der neue Garmi
kann Gegenstände vom Boden aufheben, aber auch von hoch oben herunterholen.
Anders als beim Garmi der ersten Generation sind Gesicht und Bildschirm
getrennt. Wenn künftig eine Ärztin oder ein Arzt für eine Fernuntersuchung
zugeschaltet wird, erscheint wie bei einem Videoanruf dessen Kopf auf dem
Bildschirm. Im nächsten Schritt wird der neue Garmi nun abgesichert, damit ein
Einsatz sowohl in Pflegeeinrichtungen als auch im häuslichen Umfeld von
Senioren möglich wird. Etwas zu trinken zu bringen ist nur der erste Schritt.
„Beim Aufstehen behilflich sein, Kommunikation und Teilhabe am Sozialleben
ermöglichen, an Medikamente erinnern – die Anwendungsmöglichkeiten sind
vielfältig“, sagt Prof. König.
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Die Designentscheidungen auf einen Blick
Der Roboter
wirkt wie ein sozialer Begleiter. Die Interaktionsmodi zwischen Gesicht und
Bildschirm sind getrennt, soziale Interaktion passiert über das Gesicht,
während die Ferndiagnostik/Video-Konsultation über den Bildschirm stattfindet,
über den auch Informationen eingespielt werden können. Diese Trennung macht die
Nutzung intuitiver und reduziert die kognitive Belastung für ältere Menschen.
Neues Konzept
für die Roboterarme: Die Arme sind nicht Teil des „Wesens“, sondern bewusst als
funktionale Werkzeuge gestaltet. Sie werden vom Charakter gesteuert, gehören
aber visuell und emotional zur Maschine. Diese Entscheidung stärkt die
„emotionale Lesbarkeit“ des Roboters und reduziert mögliche Berührungsängste.
Die Partner LongLeif, Caritasverband für München und Oberbayern sowie Technische Universität München (TUM) erforschen in Garmisch multidisziplinär neue Konzepte und Technologien für menschenwürdige, individuelle Pflege und selbstbestimmtes Leben im Alter. Dazu gehört auch die Entwicklung des neuen Garmi. Mehr erfahren: https://www.campus-gapa.de/