Sechs Tipps, wie Maschinenbauer den Wandel der Branche meistern
Der Maschinenbau muss neue Prioritäten setzen. Energieeffizienz, Cybersicherheit und einfache Bedienung werden zu zentralen Kriterien im Wettbewerb, erklärt Simone Gardosi von Eaton.
Energieeffiziente, digital vernetzte und einfach bedienbare Maschinen helfen Maschinenbauern, steigende Kosten, Fachkräftemangel und wachsende Sicherheitsanforderungen zu meistern.
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Der
Maschinenbau steht vor beispiellosen Herausforderungen: Mit steigenden
Betriebskosten, einem akuten Fachkräftemangel, einem verschärften globalen
Wettbewerb und neu entstehenden Handelsbarrieren wandeln sich auch die
Kundenanforderungen deutlich. Vor diesem Hintergrund zeigen sich sechs
entscheidende Entwicklungen, die grundlegend beeinflussen, wie Maschinenbauer
Lösungen konzipieren, fertigen und bereitstellen. Simone Gardosi, EMEA OEM
Segment Leader bei Eaton, erläutert, wie energieeffiziente, digital vernetzte
und benutzerfreundliche Anlagen Maschinenbauern dabei helfen können, diese
Herausforderungen zu bewältigen und zugleich ihre Kunden dabei unterstützen,
auch unter dem derzeit bestehenden Druck erfolgreich agieren zu können.
1. Den Energieverbrauch kontrollieren
Die rasant steigenden Energiepreise belasten den Industriesektor weiterhin
stark, insbesondere in Deutschland. Dort liegen die Stromkosten für
Großverbraucher bei rund 14 ct/kWh liegen und damit deutlich über dem europäischen
Durchschnitt von 12 ct/kWh und den wesentlich niedrigeren Tarifen von 8 ct/kWh
in den USA und China. Maschinenbauer müssen sich auf Kunden einstellen, die
Entlastung von diesem Kostendruck suchen. Lösungen, die den Energieverbrauch
präzise überwachen, bieten einen entscheidenden Vorteil in einem Markt, in dem
die Gesamtbetriebskosten zunehmend zum ausschlaggebenden Faktor für
Kaufentscheidungen werden.
Unsere
Erfahrung zeigt außerdem, dass Maschinenbauer zunehmend auf Lösungen setzen,
die eine höhere Energieeffizienz bieten, beispielsweise durch zuverlässigere
Motorsteuerungssysteme. Das gewährleistet eine optimale Leistung, verhindert
energieintensive Ausfälle, ermöglicht eine vorausschauende Optimierung und
reduziert wartungsbedingte Energieverschwendung.
2. Neue Chancen der Energiewende nutzen
Die
sich beschleunigende Energiewende eröffnet Maschinenbauern erhebliche Chancen.
In erster Linie entstehen diese durch das Wachstum im Bereich der erneuerbaren
Energien. Hier entstehen über die traditionelle Fertigung hinaus neue
Geschäftsfelder und Einnahmequellen, wobei das vorhandene Know-how im Bereich
Präzisionsmaschinen für innovative Anwendungen genutzt werden kann.
So
treibt beispielsweise in Deutschland der massive Ausbau der Ladeinfrastruktur
für Elektrofahrzeuge die Nachfrage im gesamten Ökosystem an – von Ladestationen
über Stromverteilungssysteme bis hin zu Netzanschlüssen, Zahlungsplattformen
und Netzmanagementlösungen. Maschinenbauer sind gut positioniert, um davon zu
profitieren, indem sie Ladestationen fertigen und montieren,
Stromumwandlungsanlagen entwickeln und integrierte Lösungen wie
Kabelmanagement, Steckverbinder und Kühlsysteme für Hochleistungsladegeräte
anbieten. Ähnliche Wachstumschancen ergeben sich in den Bereichen
Batterie-Energiespeicher sowie Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungstechnik.
Diese Anwendungen stellen hohe Anforderungen an Zuverlässigkeit,
Kosteneffizienz, Skalierbarkeit und die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften –
alles Bereiche, in denen Maschinenbauer ihr fundiertes Fachwissen und ihre
Erfahrung gezielt einbringen können.
3. Mit digitaler Innovation steigende
Produktivitätsanforderungen bewältigen
Dieses
rasante Innovationstempo beschränkt sich nicht nur auf Wachstumsbranchen wie
die erneuerbaren Energien, sondern ist mittlerweile in allen Branchen
unverzichtbar geworden: von der Automobilindustrie über Produktion bis hin zur
Versorgungswirtschaft. Maschinenbauer stehen zunehmend unter Druck, kürzere
Entwicklungszyklen und schnellere Markteinführungszeiten zu realisieren. Eine
Lösung besteht darin, in zukunftsfähige Konstruktionsarchitekturen zu
investieren, die vorkonfigurierte Steuerungsblöcke, Digital-Twin-Modelle und
umfangreiche Komponentenbibliotheken umfassen.
Diese
digitalen Bausteine sind bereits validiert, lassen sich leicht neu
konfigurieren, wiederverwenden oder skalieren und können zügig in neue Designs
integriert werden. Anstatt eine Motorsteuerung von Grund auf neu zu entwickeln,
können Maschinenbauer auf digitale Bausteine zurückgreifen. Diese enthalten
unter anderem bereits relevante Spezifikationen, eingebettete Software,
Algorithmen zur Energieoptimierung und Funktionen zur vorausschauenden Wartung.
Dieser Ansatz verkürzt die Entwicklungszeit deutlich, minimiert Fehler und
erlaubt einen flexibleren Designprozess.
4. Intelligente, datengestützte Betriebsabläufe einführen
Diese
digitale Innovation ist Teil eines allgemeinen Trends hin zu datengesteuerten
Abläufen. Die digitale Transformation in deutschen Fabriken ist in vollem Gange
und eröffnet neue Möglichkeiten für intelligente, datengestützte
Betriebsabläufe. Maschinen werden zunehmend mit Sensoren und intelligenten
Geräten zur Überwachung spezifischer Messparameter ausgestattet. Eine oft
übersehene Herausforderung für Maschinenbauer ist die Verkabelung und
Integration dieser Geräte. Aus diesem Grund suchen sie verstärkt nach
intelligenten Plug-and-Play-Verkabelungslösungen, die sich nahtlos in
Standard-Feldbussysteme einbinden lassen und gleichzeitig Installationszeit und
-kosten reduzieren.
Dieser
vereinfachte Ansatz ermöglicht es Maschinenbauern, zusätzliche Dienste wie
vorausschauende Wartung und Fernüberwachung anzubieten. Die Nutzung von
Maschinendaten trägt ebenso dazu bei, Produkte durch fortschrittliche Analysen
und Optimierungen von der Konkurrenz abzuheben. Darüber hinaus ermöglicht sie
die Entwicklung von Modellen, die wiederkehrende Erlöse einbringen und mit
denen sich Unternehmen klar von ihren Mitbewerbern differenzieren können.
5. Cybersicherheit in einer zunehmend vernetzten Umgebung
gewährleisten
Die
zunehmende Vernetzung eröffnet Maschinenbauern zwar neue
Geschäftsmöglichkeiten, setzt sie jedoch gleichzeitig einer wachsenden Zahl von
Cyberangriffen und Sicherheitsverletzungen aus. Cyberangriffe und Spionage
haben deutsche Unternehmen allein im letzten Jahr fast 300 Milliarden Euro gekostet. Da Produktionsstätten durch
intelligente Systeme immer stärker vernetzt werden und Cyberangreifer zunehmend
auf künstliche Intelligenz zurückgreifen, stehen Maschinenbauer unter
wachsendem Druck, ausgefeilte Sicherheitsmaßnahmen zu implementieren.
Strategien
wie „Security by Design“, die von Grund auf integriert und nicht erst
nachträglich hinzugefügt werden, „Zero-Trust“-Architekturen und strenge
Zugriffskontrollen sind mittlerweile zum Branchenstandard geworden. Moderne
Tools bieten nun eine lückenlose Fernüberwachung durch Expertenteams, die
frühzeitige Erkennung von Anomalien und eine proaktive Optimierung der
routinemäßigen Wartung, um Risiken zu minimieren und im Falle eines Angriffs
eine schnelle Reaktion sicherzustellen.
6. Personalprobleme durch ein intuitives,
bedienerfreundliches Design bewältigen
Während
die meisten aktuellen Trends von technologischen Entwicklungen bestimmt werden,
steht ein entscheidender Trend nach wie vor ganz im Zeichen des Menschen: der
Arbeitskräftemangel. Für Hersteller ist er die größte Herausforderung. Die
Babyboomer-Generation geht in großen Zahlen in den Ruhestand, weshalb
Unternehmen Schwierigkeiten haben, offene Stellen mit neuen Talenten zu
besetzen. Gleichzeitig stellt die Anpassung an neue Prozesse in intelligenten
Fabriken sowohl für neue Mitarbeiter als auch für die bestehende Belegschaft
eine Herausforderung dar.
Hersteller
benötigen daher Maschinen, die intuitiv und einfach zu bedienen sind, sodass
neue Mitarbeiter schnell eingearbeitet werden können und bestehende Prozesse
optimiert werden. Maschinenbauer unterstützen sie dabei, indem sie
Benutzeroberflächen entwickeln, die eine einfache Navigation zu wichtigen
Informationen und eine vereinfachte Mensch-Maschine-Interaktion ermöglichen.
Dieser Ansatz verkürzt nicht nur die Einarbeitungszeit, sondern reduziert auch
Fehler und führt damit zu geringeren Ausfallzeiten.
Druck in Fortschritt verwandeln
Diese
Trends sind keine Zukunftsvisionen, sondern aktuelle Marktrealitäten.
Maschinenbauer, die diese sechs Trends als miteinander verknüpfte Chancen und
nicht als isolierte Herausforderungen begreifen, werden gestärkt aus dieser
Phase des transformativen Wandels hervorgehen. Auf diese Weise haben sie das
Potenzial, sich als unverzichtbare Partner in einem Umfeld zu etablieren, in
dem Anpassungsfähigkeit und Innovation über den Erfolg entscheiden.
Energieeffizienz wird dabei zu einem Wettbewerbsvorteil und ist nicht mehr
allein eine Kosten- oder Umweltfrage. Die digitale Transformation entwickelt
sich von einem technologischen Upgrade zu einer Revolution der
Geschäftsmodelle. Cybersicherheit wandelt sich von einer Compliance-Anforderung
zu einer Grundlage für den Aufbau von Vertrauen. Benutzerfreundliches Design
wird von einer „Nice-to-have“-Funktion zu einer betrieblichen Notwendigkeit.
Die Zukunft gehört denen, die den Druck von heute in die strategischen Vorteile
von morgen verwandeln.
FAQ: Maschinenbau im Wandel
1. Warum steht der Maschinenbau aktuell so stark
unter Druck?
Der Maschinenbau muss gleichzeitig steigende Betriebskosten,
Fachkräftemangel, globalen Wettbewerb und neue Handelsbarrieren bewältigen.
Hinzu kommen veränderte Kundenanforderungen: Gefragt sind energieeffiziente,
digital vernetzte, sichere und einfach bedienbare Maschinen.
2. Wie können Maschinenbauer steigende Energiekosten
ausgleichen?
Maschinenbauer können ihre Kunden mit Lösungen unterstützen,
die den Energieverbrauch präzise überwachen und optimieren. Effiziente
Motorsteuerungen, vorausschauende Wartung und intelligente
Energiemanagementfunktionen helfen, Ausfälle zu vermeiden und die
Gesamtbetriebskosten zu senken.
3. Welche Chancen bietet die Energiewende dem Maschinenbau?
Die Energiewende eröffnet neue Geschäftsfelder, etwa bei
Ladeinfrastruktur, Batterie-Energiespeichern, Stromverteilungssystemen sowie
Heizungs-, Lüftungs- und Klimatechnik. Maschinenbauer können ihr Know-how
nutzen, um zuverlässige, skalierbare und regulatorisch sichere Lösungen für
diese Märkte zu entwickeln.
4. Warum wird Cybersicherheit für Maschinenbauer immer
wichtiger?
Durch die zunehmende Vernetzung von Maschinen steigt das
Risiko von Cyberangriffen. Deshalb müssen Sicherheitskonzepte wie Security by
Design, Zero Trust und strenge Zugriffskontrollen frühzeitig in Maschinen und
Anlagen integriert werden. Cybersicherheit wird damit zu einem zentralen
Vertrauens- und Wettbewerbsfaktor.