Die Speaker der Automation NEXT Conference 2026 im Interview

“Jetzt beginnt die Digitalisierung des Engineerings selbst”

KI automatisiert nicht länger nur Aufgaben, sondern versteht zunehmend den gesamten Engineering-Prozess. Dr. Axel Zein, Speaker der Automation NEXT Conference 2026, erklärt, warum Ingenieure dadurch nicht weniger, sondern noch wichtiger werden und wie sich die Architektur von Engineering-Software grundlegend verändert.

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KI wird vom Assistenzsystem zum Engineering-Partner: Sie erkennt Zusammenhänge, bewertet Alternativen und unterstützt technische Entscheidungen – während der Mensch die Rolle des Orchestrators intelligenter Engineering-Systeme übernimmt.
KI wird vom Assistenzsystem zum Engineering-Partner: Sie erkennt Zusammenhänge, bewertet Alternativen und unterstützt technische Entscheidungen – während der Mensch die Rolle des Orchestrators intelligenter Engineering-Systeme übernimmt.

Redaktion: Herr Dr. Zein, im vergangenen Jahr haben Sie gezeigt, wie KI Ingenieure im CAD unterstützt. In diesem Jahr geht es in Ihrem Vortrag darum, dass KI bereits vorher greift, also im Engineering – was bedeutet dieser Schritt konkret?

Dr. Axel Zein: Die spannende Frage ist nicht, wie KI CAD verändert. Die spannende Frage ist, wie KI das Engineering selbst verändert.

Dr. Axcel Zein, CEO WSCAD
Dr. Axcel Zein, CEO WSCAD

Bisher nutzen wir KI vor allem, um bestehende Engineering-Prozesse effizienter zu machen: Informationen finden, Dokumentationen erstellen oder repetitive Aufgaben automatisieren. Der nächste Schritt geht deutlich weiter. KI unterstützt nicht mehr nur bei der Bedienung eines CAD-Systems, sondern beginnt, den eigentlichen Engineering-Prozess zu verstehen. Sie kann dann Zusammenhänge erkennen, Alternativen bewerten und Ingenieure bei technischen Entscheidungen unterstützen.

Ich glaube, dass wir damit einen ähnlichen Technologiesprung erleben wie beim Übergang vom Zeichenbrett zum CAD. Damals wurde das Zeichnen digitalisiert. Jetzt beginnt die Digitalisierung des Engineerings selbst.

Redaktion: Wo verläuft bisher heute die Grenze zwischen Assistenzsystem und autonomem Engineering – und verschiebt sie sich da gerade etwas grundlegend?

Zein: Bisher musste der Ingenieur der Software sagen, was sie tun soll. Künftig wird die Software dem Ingenieur sagen können, worüber er nachdenken sollte und welche Entscheidungen jetzt relevant werden.

  • Ein einfaches Assistenzsystem wartet darauf, dass der Ingenieur eine Frage stellt und beantwortet diese („Wie erstelle ich die Stückliste“). Die meisten CAD-Copiloten können das beantworten, machen muss es der Konstrukteur aber selber. Der Copilot hat hier im Grunde nur einen einfachen Zugriff auf die Hilfeseiten des CAD-Systems.

  • Ein besseres Assistenzsystem kann Befehle im CAD direkt ausführen („Erstelle die Stückliste“). Als Konstrukteur interessiert es mich nicht mehr, wie man es macht, ich möchte einfach das die KI es ausführt. Das können schon deutlich weniger Systeme.

  • Die nächste Generation von Engineering-Systemen versteht den Projektkontext, erkennt potenzielle Probleme frühzeitig und schlägt eigenständig technisch sinnvolle Lösungswege vor. KI wird damit vom Werkzeug zum Engineering-Partner. Wir nennen diese Systeme Engineering Intelligence. Die Verantwortung bleibt selbstverständlich beim Ingenieur. Aber die Art der Zusammenarbeit verändert sich grundlegend.

Redaktion: Wie verändert sich die Rolle des Ingenieurs im Alltag, wenn KI zunehmend komplexe, teils sicherheitsrelevante Aufgaben übernimmt?

Zein: Die größte Fehlannahme ist, dass KI den Ingenieur ersetzt. Ich glaube genau das Gegenteil: der Ingenieur wird wichtiger, er wird durch KI an Bedeutung gewinnen. Seine Rolle verschiebt sich jedoch: er wird weniger Zeit für Dokumentation, Informationssuche oder Wiederholung bereits gelöster Aufgaben benötigen und mehr Zeit für Systemdenken, Architektur, Bewertung von Alternativen und technische Entscheidungen verwenden. Mit anderen Worten: Der Ingenieur entwickelt sich vom Ausführenden zum Orchestrator intelligenter Engineering-Systeme.

Redaktion: Was werden die Teilnehmer Ihres Vortrags am 30. September konkret mitnehmen?

Zein: Ich möchte, dass die Teilnehmer den Saal mit einem völlig neuen Blick auf Engineering verlassen. Wir sprechen heute viel über KI-Funktionen oder Copiloten. Ich glaube jedoch, dass dies nur ein Zwischenschritt ist. Die eigentliche Veränderung ist viel fundamentaler.

Die Architektur von Engineering-Software wird sich grundlegend verändern. Die Besucher werden verstehen, warum ich den Vortrag bewusst „CAD ist tot – Was kommt jetzt?“ genannt habe und weshalb ich überzeugt bin, dass gerade eine neue Ära des Engineerings beginnt. CAD war jahrzehntelang das Zentrum des Engineerings. Künftig wird CAD zur Ausführungsinstanz.

Redaktion: Gibt es Live-Demos oder Use Cases, die das Thema greifbar bzw. erlebbar machen?

Zein: Ja und genau das ist mir wichtig. Über KI wird derzeit viel gesprochen. Ich möchte zeigen, wie sie Engineering tatsächlich verändert: bei unserer Weltpremiere am 13. Oktober in München. Wir werden dort anhand konkreter Beispiele zeigen, wie sich Engineering verändert, wenn künstliche Intelligenz nicht nur einzelne Aufgaben unterstützt, sondern den gesamten Engineering-Prozess versteht, Aufgaben ausführt und ganz nebenbei die CAD-Dokumentation erzeugt. Dabei geht es nicht um Zukunftsmusik, sondern um Technologien, die bereits heute entstehen und in den kommenden Jahren den Engineering-Alltag nachhaltig verändern werden.

Automation NEXT Conference 2026

Datum: 30. September 2026

Ort: CU.BE Ulm by Bosch Rexroth, Ulm

Die Automation NEXT Conference ist die Fachkonferenz für industrielle Automatisierung, Digitalisierung und KI im Maschinen- und Anlagenbau.

Sie richtet sich an Entscheider, Produktions- und Automatisierungsverantwortliche sowie Entwickler, die ihre Fertigung zukunftsfähig aufstellen möchten. Im Fokus stehen praxisnahe Vorträge, Best Practices und der Austausch zwischen Industrie, Technologieanbietern und Forschung.

Themenschwerpunkte:

• Künstliche Intelligenz und generative Copilots im Engineering und in der Produktion

• Cobots und kognitive Robotik zur Bewältigung des Fachkräftemangels

• Smart Factory, IIoT, Industrial Networks und MES-Systeme

• Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit

Teilnehmer:

Fach- und Führungskräfte aus industrieller Automatisierung, Produktion und Maschinenbau sowie Expert:innen aus Forschung und Technologieunternehmen.

Besonderheiten:

• Hochkarätige Speaker aus Industrie und Forschung

• Ein kompakter Konferenztag mit starkem Praxisbezug

• Intensives Networking und direkter Austausch auf Augenhöhe

Weitere Informationen & die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.