Embodied AI stellt AIR vor

Humanoider Roboter AIR lernt direkt in der Fabrik

Der humanoide Roboter AIR von Embodied AI soll direkt neben Menschen in der Fertigung arbeiten und neue Aufgaben im laufenden Betrieb lernen. Der Schweizer Hersteller setzt dafür auf eine neuartige Armmechanik und KI.

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Der humanoide Roboter AIR von Embodied AI setzt auf eine mechanisch nachgiebige Konstruktion und KI-basiertes Lernen. Entwickelt für die Zusammenarbeit mit Menschen, soll er künftig repetitive Aufgaben in der industriellen Fertigung übernehmen.
Der humanoide Roboter AIR von Embodied AI setzt auf eine mechanisch nachgiebige Konstruktion und KI-basiertes Lernen. Entwickelt für die Zusammenarbeit mit Menschen, soll er künftig repetitive Aufgaben in der industriellen Fertigung übernehmen.

Das Schweizer Robotikunternehmen Embodied AI hat mit AIR einen humanoiden Roboter entwickelt, der speziell für den Einsatz in industriellen Fertigungsumgebungen konzipiert ist. Das System soll unmittelbar mit menschlichen Beschäftigten zusammenarbeiten, ohne dass dafür klassische Sicherheitszäune erforderlich sind. Wie das Unternehmen anlässlich der Humanoid Europe 2026 in München mitteilt, entstand der einsatzfähige Industriehumanoide innerhalb von nur neun Monaten. Die Entwicklungskosten lagen nach Unternehmensangaben bei einem Bruchteil des branchenüblichen Niveaus.

AIR wird bereits bei internationalen Herstellern im Praxiseinsatz getestet. Zudem hat Embodied AI erste Verträge mit führenden globalen Automobil- und Industrieherstellern abgeschlossen. Der Hochlauf zur Serienfertigung wird parallel vorbereitet.

Wie funktioniert die mechanische Sicherheit des humanoiden Roboters AIR?

Ein wesentliches Merkmal von AIR ist seine mechanisch nachgiebige Konstruktion. Während konventionelle Industrieroboter häufig für hohe Lasten ausgelegt sind und in abgegrenzten Arbeitsbereichen operieren, verfolgt Embodied AI einen anderen Ansatz.

Die Arme des humanoiden Roboters werden über eine sehnengetriebene Architektur bewegt, die das Unternehmen als „Tendon-driven“ bezeichnet. Motoren, Getriebe und Leistungselektronik befinden sich zentral im Rumpf. Die eigentlichen Roboterarme bleiben dadurch besonders leicht und weisen nur eine geringe träge Masse auf. Bei physischem Kontakt können die Arme unmittelbar nachgeben. Die Sicherheit soll damit bereits durch die mechanische Konstruktion gewährleistet werden und nicht ausschließlich durch softwareseitige Begrenzungen von Geschwindigkeit oder Kraft.

Auch bei der Fortbewegung setzt Embodied AI auf eine an industrielle Anforderungen angepasste Lösung. Statt auf zwei Beinen bewegt sich AIR auf einer Radbasis. Diese bietet auf ebenen Industrieböden eine höhere Standfestigkeit. Der Roboter ist nach ISO/TS 15066:2016 konzipiert. Die CE-Kennzeichnung ist für 2027 vorgesehen.

Humanoider Roboter lernt durch Teleoperation und KI

Neben der mechanischen Sicherheit bildet das Lernverfahren einen zentralen Bestandteil des Konzepts. AIR soll neue Arbeitsaufgaben direkt während des produktiven Einsatzes erlernen. Zu Beginn eines neuen Arbeitsablaufs wird der Roboter von einem menschlichen Teleoperator gesteuert. Dadurch kann das System laut Hersteller bereits ab der ersten Schicht produktiv eingesetzt werden. Die ausgeführten Bewegungen und Arbeitsschritte werden aufgezeichnet und dienen als Trainingsdaten für den unternehmenseigenen KI-Software-Stack. Auf dieser Grundlage lernt AIR schrittweise, die jeweiligen Tätigkeiten eigenständig auszuführen.

Nach Angaben von Embodied AI dauert dieser Prozess typischerweise etwa einen Monat. Anschließend übernimmt der Roboter den Arbeitsgang autonom. Der menschliche Operator bleibt für unvorhergesehene Prozessabweichungen als Rückfallebene verfügbar. Ein weiterer Bestandteil des Konzepts ist die Übertragung bereits erlernter Fähigkeiten auf andere Roboter der Flotte. Einmal trainierte Arbeitsabläufe können dadurch unmittelbar flottenweit bereitgestellt werden.

Welche Ergebnisse erzielt die KI von Embodied AI im Praxiseinsatz?

Die Leistungsfähigkeit seines KI-Systems hat Embodied AI nach eigenen Angaben bereits in einem bezahlten Industrieeinsatz unter Beweis gestellt. Bei einem führenden Hersteller von Unterhaltungselektronik ging es um flexibles Kabelmanagement. Zuvor hatte der Hersteller fünf Robotik-Startups mit der Aufgabe beauftragt. Keines der Unternehmen konnte die vorgegebenen Anforderungen erfüllen.

Embodied AI setzte für die Anwendung eine zweiarmige Industriezelle ein. Das System erreichte laut Unternehmensangaben eine Zuverlässigkeit von 98 % und übertraf damit die geforderte Zielmarke von 90 %. Für Francesco Stella, Mitgründer und CEO von Embodied AI, ist die Zuverlässigkeit physischer KI-Systeme eine grundlegende Voraussetzung für den industriellen Einsatz.

Die Detailaufnahme zeigt die sehnengetriebene Armmechanik des humanoiden Roboters AIR von Embodied AI. Die leichte Konstruktion ermöglicht ein mechanisches Nachgeben bei Körperkontakt und soll so die sichere Zusammenarbeit mit Menschen in der Fertigung gewährleisten.
Die Detailaufnahme zeigt die sehnengetriebene Armmechanik des humanoiden Roboters AIR von Embodied AI. Die leichte Konstruktion ermöglicht ein mechanisches Nachgeben bei Körperkontakt und soll so die sichere Zusammenarbeit mit Menschen in der Fertigung gewährleisten.

„Halluzinationen von KI-Modellen sind in der digitalen Welt tolerierbar, da Menschen den Output vor der Weiterverwendung prüfen, verwerfen oder korrigieren können. In der Robotik führen fehlerhafte Aktionen jedoch zu unmittelbaren und irreversiblen physischen Schäden. Wenn KI physische Handlungen steuert, gefährden Fehler Anlagen oder Menschenleben. Sicherheit und Verlässlichkeit sind daher unverhandelbare Grundvoraussetzungen, damit Physical AI im industriellen Maßstab Realität wird. Genau diese Leitlinien haben die Entwicklung von AIR bestimmt“, betont Francesco Stella.

Physical AI: Industrieunternehmen planen den Einsatz

Der Einsatz humanoider Roboter in der industriellen Produktion gewinnt laut den in der Pressemitteilung angeführten Studien an Bedeutung. Nach Erhebungen des Manufacturing Leadership Council planen rund 22 % der Produktionsbetriebe, innerhalb der kommenden zwei Jahre physische KI beziehungsweise Physical AI einzusetzen. Der aktuelle Anteil liegt demnach bei 9 %. Gleichzeitig zeigt eine Untersuchung von Deloitte, dass mehr als 80 % der Arbeitsstunden in Fabriken weiterhin von Menschen ausgeführt werden.

Auch der Fachkräftebedarf spielt bei der Entwicklung entsprechender Robotiksysteme eine Rolle. Nach Angaben von Deloitte und dem Manufacturing Institute könnten bis 2033 allein in der US-amerikanischen Fertigungsindustrie bis zu 1,9 Millionen Arbeitsplätze unbesetzt bleiben. Embodied AI positioniert AIR deshalb als Unterstützung für bestehende Fertigungsteams. Der Roboter soll repetitive manuelle Tätigkeiten übernehmen, die für klassische Industrieroboter zu kleinteilig sind. Beschäftigte können sich dadurch stärker auf Aufgaben konzentrieren, die handwerkliche Fähigkeiten und technisches Fachwissen erfordern.

Wer steckt hinter dem Robotikunternehmen Embodied AI?

Embodied AI ist ein Schweizer Robotikunternehmen mit Hauptsitz in Lausanne und einer Niederlassung in Rom. Das Unternehmen ist als Spin-off aus der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (EPFL) hervorgegangen.

Die sehnengetriebene Armarchitektur von AIR basiert auf der Doktorarbeit des Mitgründers und CEO Francesco Stella an der EPFL. Der 28-Jährige war zuvor am MIT Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAIL) tätig. Gemeinsam mit CTO Dr. Kai Junge und COO Dr. Max Polzin gründete Stella das Unternehmen. Beide Mitgründer sind promovierte Robotiker mit akademischem Hintergrund an der University of Cambridge, der ETH Zürich und der EPFL. Finanziert wird Embodied AI von Faber als Lead-Investor sowie von TechShop, Look AI, Plug and Play und Vento.

Wie geht es mit dem humanoiden Roboter AIR weiter?

Nach der Entwicklung des Roboters innerhalb von neun Monaten steht bei Embodied AI nun die industrielle Skalierung im Mittelpunkt. Derzeit laufen Praxistests bei internationalen Industrieherstellern. Erste Verträge mit globalen Automobil- und Industrie-OEMs sind bereits unterzeichnet.

Parallel bereitet das Unternehmen den Hochlauf zur Serienfertigung vor. Die für 2027 geplante CE-Kennzeichnung ist ein weiterer Schritt auf dem Weg zum breiteren industriellen Einsatz. Mit der Kombination aus mechanisch nachgiebiger Robotik, KI-basiertem Lernen und menschlicher Teleoperation verfolgt Embodied AI das Ziel, humanoide Roboter in bestehende Produktionsprozesse zu integrieren.

Was Sie zum Thema humanoider Roboter AIR wissen müssen

• Was ist der humanoide Roboter AIR? – AIR ist ein von Embodied AI entwickelter Industriehumanoide, der repetitive manuelle Aufgaben übernimmt und unmittelbar mit Menschen in Fertigungslinien zusammenarbeiten soll.

• Wie gewährleistet der humanoide Roboter AIR die Sicherheit? – AIR nutzt leichte, sehnengetriebene Arme, die bei physischem Kontakt mechanisch nachgeben. Der Roboter ist nach ISO/TS 15066:2016 konzipiert. Die CE-Kennzeichnung ist für 2027 geplant.

• Wie lernt der humanoide Roboter AIR neue Aufgaben? – Ein menschlicher Teleoperator führt zunächst die Arbeitsabläufe aus. Die aufgezeichneten Bewegungen dienen als Trainingsdaten für die KI. Typischerweise soll AIR die Aufgaben innerhalb eines Monats autonom beherrschen.

• Wo wird der humanoide Roboter AIR bereits eingesetzt? – AIR wird derzeit bei internationalen Industrieherstellern getestet. Erste Verträge mit globalen Automobil- und Industrie-OEMs wurden laut Embodied AI bereits abgeschlossen.

• Wann beginnt die Serienfertigung des humanoiden Roboters AIR? – Embodied AI bereitet den Hochlauf zur Serienfertigung vor. Ein konkreter Starttermin wird in der Unternehmensmitteilung nicht genannt.