Fortschreitende Miniaturisierung und steigende Leistungsdichte in der Antriebs- und Steuerungstechnik stellen verlangen nach neuen Kühlkonzepten. Für die Umrichter SD4S von Sieb & Meyer reichten klassische Kühlkörper nicht mehr aus. Gemeinsam mit dem Spezialisten CTX entstand eine Lösung auf Basis von Skived-Fin-Kühlkörpern – geschälten Rippen aus einem Stück, die für mehr Effizienz und Kompaktheit sorgen.
Thomas WindeckThomasWindeckThomas WindeckVertriebsleitung, CTX Thermal Solutions
4 min
Der kompakte Umrichter SD4S wurde für den stationären Einsatz in Schaltschränken konzipiert.Sieb & Meyer
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Für Torsten Blankenburg ist die Entwicklungsarbeit in der
Leistungselektronik wie ein „gordischer Knoten“, den es zu lösen gilt: nicht
unmöglich, es bedarf jedoch einer gewissen Raffinesse. Darum geht es: Wie
erziele ich auf immer kleinerem Bauraum immer mehr Leistung, ohne dass die
Elektronik Schaden nimmt?
Torsten Blankenburg ist Chief Technology Officer von Sieb &
Meyer, einem Unternehmen, das im Bereich der Steuerungs- und Antriebselektronik
tätig ist. Kernprodukte des Unternehmens sind Frequenzumrichter und
Servoverstärker für die Steuerung von Hochgeschwindigkeitsanwendungen, zum
Beispiel in Werkzeugmaschinen. Die Anwendungen erfordern von den
Spindelantrieben hohe Laufruhe bei enormen Drehzahlen. Die Frequenzumrichter
von Sieb & Meyer erzielen dies mit Ausgangsfrequenzen bis 8.000 Hz. Genau
hier liegt die Herausforderung. „Die hohen Ausgangsfrequenzen verursachen deutliche
Verluste“, erklärt Blankenburg. So entstehen bei Umrichtern in einem
Leistungsbereich von 6 bis 15 kW Verlustleistungen von einigen hundert Watt. Bei
Geräten mit einer Leistung von 50 kW und mehr erreichen die Verluste Werte von mehreren
kW. „Um dies in einem vernünftigen Rahmen zu halten, ist eine verlässliche
Entwärmung essenziell“, so Blankenburg. Die Kühlung ist damit ein
Schlüsselpunkt, wenn es um die Weiterentwicklung der Umrichter-Leistungsdichte
geht.
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Die Grenzen der klassischen Ansätze
Seit 2003 zählt CTX zu den Kühlkörperherstellern, mit denen das
Lüneburger Technologieunternehmen zusammenarbeitet. Sieb & Meyer schätzt
die breite Aufstellung des Spezialisten für Thermomanagement. CTX ist in der
Lage, sowohl Standardkühlkörper als auch individuell konzipierte Lösungen mit
allen relevanten Herstellungsverfahren zu fertigen. Dafür kann das Unternehmen auf
ein internationales Netzwerk an Fertigungspartnern zugreifen, mit denen es über
sein Logistikzentrum auch die Auslieferung großer Serien sicherstellt. Für Sieb
& Meyer realisiert CTX Wasserkühlkörper, Kühlkörper mit eingepressten
Rippen, den Crimped Fins, sowie Profilkühlkörper, die im Extrusionsverfahren
hergestellt werden. „Bei der Entwicklung unserer SD4S-Frequenzumrichter stießen
wir jedoch mit den klassischen Ansätzen schnell an unsere Grenzen“, schildert Mario
Livancic, Konstruktionsingenieur bei Sieb & Meyer.
Bild 1: Im Skived Fin-Verfahren werden Lamellen von einem Metallblock geschabt, was eine Dicke von unter einem Millimeter sowie eine hohe Dichte ermöglicht.CTX Thermal Solutions
Die Frequenzumrichter der SD4x-Generation wurden von Grund auf für
Hochgeschwindigkeitsmotoren entwickelt. Sie verringern motorseitige Verluste
und ermöglichen dadurch Drehzahlen, die zuvor nicht realisierbar waren. Zu den
jüngsten Entwicklungen der Reihe zählen die SD4S-Varianten für den stationären
Einsatz in Schaltschränken. Ihr 32-Bit-Prozessor ist bis zu fünfmal schneller
als der ihrer Vorgängervariante SD2S. Gegenüber dieser erzielen sie zudem eine
doppelt so hohe Ausgangsfrequenz von bis zu 4.000 Hz für Synchron- und 6.000 Hz
für Asynchronmotoren. Bis zu 360.000 U/min sind auf diese Weise möglich. Dabei misst
die kleinste Baugröße gerade mal eine Breite von 40 mm.
Auch wenn die bisherigen Kühlkörper, die CTX für Sieb & Meyer
herstellte, sehr leistungsfähig waren – die SD4S-Umrichter erforderten einen
neuen Ansatz. Die Konstrukteure von Sieb & Meyer ermittelten für den
Profilkühlkörper einen Bauraum von 90 mm Gesamthöhe, davon 70 mm Rippenhöhe. „Für
die notwendige Kühloberfläche mussten sehr, sehr dünne Rippen in einem sehr
engen Abstand zueinander gefertigt werden“, so Ulf-Guido Held, Vertriebsleiter
von CTX. „Das war im zuvor genutzten Extrusionsverfahren nicht mehr
herstellbar.“ So kam eine neue Methode aufs Tableau: Sieb & Meyer entschied
sich für Skived-Fin-Kühlkörper.
Für diese Kühlkörperart werden die Rippen aus einem Aluminiumblock geschält.
Die Verbindung zwischen Rippen und Bodenplatte bleibt dabei erhalten. Thermische
Widerstände, wie sie bei Press-, Löt- oder Klebverbindungen unvermeidlich sind,
treten dadurch nicht auf. Es entstehen Kühlkörper mit besonders feinen, sehr hohen
und dicht stehenden Rippen aus einem Stück. CTX ist in der Lage, Aluminium-Rippen
in einer Stärke von 0,1 bis 2 mm und einer Höhe von 1 bis 180 mm sowie mit
Abständen zwischen 0,2 und 12 mm – gemessen von Mitte zu Mitte – zu fertigen.
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Keine Werkzeugkosten, dennoch flexibel gestaltbar
„Skived-Fin-Kühlkörper erzeugen keine Werkzeugkosten wie bei einem
formgebenden Verfahren, dennoch sind sie sehr flexibel in der Geometrie“, sagt Mario
Livancic, der die Entwicklung der SD4S-Umrichter begleitete. „Wir haben sowohl die
Luftströmung als auch die Belüftungsdrücke optimiert und passend für unseren
Umrichter ausgelegt.“ Nachdem alle Parameter für den Kühlkörper feststanden, übernahm
CTX. Der Hersteller überprüfte die Zeichnung mit einer thermischen Simulation
auf Machbarkeit. Lediglich die zu verwendende Legierung empfahl CTX zu ändern.
„Das von uns vorgeschlagene Material war besser verfügbar, so dass wir
schneller in die Fertigung starten konnten“, erläutert Ulf-Guido Held.
Bild 2: Heatpipes nehmen die Wärme direkt am Hotspot auf und leiten sie zum Beispiel an einen Profilkühlkörper weiter.CTX Thermal Solutions
Die Herstellung erfolgt über einen CTX-Partner in Asien. „In den
dortigen Märkten ist das Verfahren schon länger im Einsatz“, schildert Held. „Daher
verfügen wir dort über umfangreiche Kapazitäten.“ Um für das zunehmend gefragte
Herstellungsverfahren künftig noch flexibler agieren zu können, baut CTX seine
Produktionsmöglichkeiten weiter aus.
Nach nur gut einem Jahr Projektzeit war der SD4S bereit zur
Serienfertigung. „Der Austausch mit CTX sowie die Umsetzung unserer
Anforderungen verliefen reibungslos und schnell“, so Livancic. Der Konstrukteur
führt das unter anderem auf die große Bandbreite des Herstellers zurück. „Dass
hier eine Vielfalt an Fertigungsverfahren verfügbar ist, eröffnet uns ganz
andere Möglichkeiten, als wenn sich ein Hersteller auf nur eine Methode fokussiert.“
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Kühlleistung weiter steigern
CTX prüft stetig, wie sich die Leistung der Kühlung verbessern lässt.
Dabei geht es darum, die Wärmeleitfähigkeit unterschiedlicher Materialien sowie
verschiedene Konstruktions- und Herstellungsvarianten unter den Aspekten Kühlleistung,
Baugröße und Kosteneffizienz auszuloten. Intensiv wird an Möglichkeiten
geforscht, wie sich Kupfer in einem größeren Rahmen für die Kühlung nutzen
lässt. „Kupfer hat mit bis zu 400 W/mK eine deutlich höhere Wärmeleitfähigkeit
als Aluminium, das auf etwa 210 W/mK kommt“, erläutert Ulf-Guido Held. „Es ist
aber schwerer und teurer, weshalb wir es nur ganz gezielt einsetzen.“ Kupfer
wird beispielsweise als feine Beschichtung aufgetragen oder als Platte oder
Kern in Aluminium integriert.
„Aktuell ist Kupfer vor allem im Zusammenhang mit dem Kühlkonzept
der Heatpipe ein gefragtes Thema“, so Held. Mit Heatpipes lässt sich der
Wärmefluss gezielt steuern. Sie bestehen aus einem geschlossenem
Kupferrohrsystem mit innenliegender Kapillarstruktur. In diesem nimmt ein
Kühlmedium hohe Wärmemengen am Hotspot auf, transportiert sie zum Kühlkörper
und gibt sie dort per Kondensation ab. Die Vorteile des Konzepts liegen neben
der hohen Kühlleistung in der lageunabhängigen Montage, wodurch es sich vor
allem für enge Bauräume eignet.
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Streben nach Kompaktheit
„Nach Kühlkörpern mit gesteckten und geschälten Rippen sind
Heatpipes womöglich der nächste Punkt, wo wir ansetzen“, sagt Torsten
Blankenburg von Sieb & Meyer. „Wir streben für unsere Komponenten nach
Kompaktheit und dafür testen wir mit unseren Partnern wie CTX aus, wie weit wir
an die Grenzen der thermischen Beanspruchung gehen können.“ Der SD4S ist ein
Beleg dafür, was mit Thermomanagement möglich ist: Seine kleinste Baugröße ist
um 44 Prozent kompakter als es die Umrichter der Vorgängergeneration waren.