Strategische Aufrüstung

Deutschland weitet Arrow 3-Beschaffung massiv aus

Deutschland skaliert seine Verteidigungsstrategie und investiert Milliarden in den Ausbau des Arrow 3-Systems. Die massive Aufstockung der Abfangkapazitäten macht das israelische High-Tech-System zum neuen technologischen Standard der europäischen Luftverteidigung und markiert einen Wendepunkt in der exoatmosphärischen Sicherheit.

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Der Inspekteur der Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, verkündet die Erstbefähigung des Arrow-Raketenabwehrsystems in der Annaburger Heide.

Die Modernisierung der bodengebundenen Luftverteidigung in Deutschland erreicht eine neue Größenordnung. Nachdem die Bundeswehr bereits im vergangenen Jahr den historischen Deal über das israelische Raketenabwehrsystem Arrow 3 eingeleitet hat, verdichten sich nun die Anzeichen für eine signifikante Aufstockung des ursprünglichen Kontingents. Hintergrund dieser Entscheidung ist die Notwendigkeit, einen lückenlosen Schutzschirm über Mitteleuropa zu spannen, der über die bloße Absicherung nationaler Grenzen hinausgeht. Das System, das für das Abfangen ballistischer Raketen außerhalb der Erdatmosphäre konzipiert ist, wird damit zum technologischen Rückgrat der European Sky Shield Initiative (ESSI).

Technisch markiert Arrow 3 einen Wendepunkt in der deutschen Verteidigungsstrategie. Anders als das bewährte Patriot-System, das für die taktische Abwehr im Endanflug zuständig ist, nutzt Arrow 3 eine sogenannte „Hit-to-Kill“-Technologie im Weltraum. Durch die Nutzung von Infrarot-Sensoren und einer extremen Manövrierfähigkeit im exoatmosphärischen Bereich bietet das System eine Reichweite von bis zu 2.400 Kilometern. Die nun geplante Ausweitung des Volumens zielt darauf ab, die Anzahl der verfügbaren Interzeptoren drastisch zu erhöhen und zusätzliche Abschußvorrichtungen zu beschaffen. Mit Investitionen, die Schätzungen zufolge von ursprünglich rund 3,5 Milliarden Euro auf insgesamt bis zu 6,5 Milliarden Euro ansteigen könnten, unterstreicht das Verteidigungsministerium die Dringlichkeit einer skalierbaren Hochtechnologie-Lösung.

Die Implementierung des Systems erfolgt in enger Kooperation mit der israelischen Industrie, allen voran Israel Aerospace Industries (IAI). Dabei geht es nicht nur um den reinen Erwerb von Hardware, sondern um eine tiefgreifende Integration in die bestehende Führungs- und Waffeneinsatzstruktur der Luftwaffe. Die Herausforderung für die Ingenieure und Planer besteht darin, die enormen Datenmengen der Arrow-Radarstationen mit den europäischen Luftraumüberwachungssystemen zu fusionieren. Mit der für Ende 2025 geplanten ersten Einsatzbereitschaft wird Deutschland eine technologische Spitzenposition innerhalb der NATO einnehmen, die den Schutz gegen Bedrohungen aus der Distanz auf ein neues Sicherheitsniveau hebt. Die Aufstockung der Bestellmenge ist in diesem Kontext als proaktive Maßnahme zu verstehen, um langfristige Versorgungssicherheit und maximale Abschreckungswirkung zu gewährleisten.

Arrow-3-System

    Das Arrow 3-System stellt als exoatmosphärisches Anti-Ballistic-Missile-System (ABM) die technologische Speerspitze der modernen Raketenabwehr dar. Primär für die Bekämpfung von ballistischen Mittel- und Langstreckenraketen konzipiert, agiert das System weit oberhalb der Erdatmosphäre in Höhen von über 100 Kilometern. Dabei setzt Arrow 3 auf das präzise „Hit-to-Kill“-Prinzip, bei dem das Ziel allein durch die enorme kinetische Energie eines direkten Aufpralls zerstört wird. Um diese Präzision im luftleeren Raum zu erreichen, ist der Interzeptor mit einem dualen Suchkopf ausgestattet, der sowohl hochauflösende Infrarot-Sensorik als auch Radar nutzt.Angetrieben wird die Abwehrrakete auf Hyperschallgeschwindigkeiten von über Mach 9, was ihr in Kombination mit einer Reichweite von bis zu 2.400 Kilometern einen enormen Schutzradius verleiht. Die Zielerfassung und Feuerleitung übernimmt das leistungsstarke Phased-Array-Radar vom Typ EL/M-2080 „Super Green Pine“, das Bedrohungen bereits in großer Distanz identifizieren kann. Das gemeinsam von Israel Aerospace Industries (IAI) und Boeing entwickelte System bildet künftig die strategische Kernkomponente der European Sky Shield Initiative (ESSI) und sichert den europäischen Luftraum gegen Bedrohungen aus der Distanz ab.